Handewitt : Gewerbegebiet wächst weiter

Auf dem WEG-Gelände in Handewitt entstehen derzeit eine neue Lagerhalle und ein Erweiterungsbau für eine Spedition.
Auf dem WEG-Gelände in Handewitt entstehen derzeit eine neue Lagerhalle und ein Erweiterungsbau für eine Spedition.

Landrat, Arbeitgeberverband und Wireg diskutieren in Handewitt über die weitere Wirtschaftsentwicklung. Auf dem WEG-Gelände sind bereits 55 Firmen angesiedelt.

shz.de von
29. März 2017, 12:35 Uhr

Die Tische im Gasthof Handewitt waren zu einem offenen Rechteck zusammengestellt. Das war vielleicht nicht ganz die perfekte Form für die Reihe „Gespräche im Kreis“, bei der Landrat, Arbeitgeberverband und die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wireg vier Mal im Jahr an verschiedenen Orten die lokalen Größen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zusammenbringen. Aber daran störte sich niemand, denn es sollte ja ein „lockerer“ Dialog im Vordergrund stehen.

Ohne handfeste Zahlen und Infos ging es dennoch nicht. So berichtete Christian Jaekel, Justitiar beim regionalen Arbeitgeberverband, von einer Konjunktur-Umfrage unter den 330 Mitgliederfirmen, die in großer Mehrheit bei Umsätzen, Investitionen oder Personal eine zumindest gleichbleibende, wenn nicht gar steigende Tendenz erwarten.

Handewitts Bürgermeister Thomas Rasmussen skizzierte das mit Flensburg 1993 initiierte WEG-Gewerbegebiet an der Autobahn. Die günstige Verkehrslage, die Nähe zur Stadt und zu Dänemark sowie relativ niedrige Steuersätze hätten es zu einem Erfolgsmodell gemacht. Ein langer Atem war aber nötig. „Es hat 16 Jahre gedauert, bis die Einnahmen aus der Gewerbesteuer die WEG-Verbandsumlage übertroffen haben“, verriet Rasmussen.

Auf 116 Hektar existieren nun 55 Firmen mit rund 1000 Arbeitsplätzen. Da es kaum noch freie Areale gibt, soll das Handewitter Erfolgsmodell zwischen A  7 und Alter Kirchenweg eine südliche Erweiterung erfahren. Das Interesse rekrutiere sich kaum aus externen Unternehmen, erklärte Wireg-Geschäftsführer Michael Otten. „Das Vorhalten von Gewerbeflächen ist vielmehr für die Expansion bereits vorhandener Betriebe extrem wichtig.“ Ein anderes Konzept, an dem Flensburg, Harrislee, Handewitt und das Amt Oeversee feilen, sieht ein interkommunales Gewerbegebiet an der „Entwicklungsachse“ A  7 vor.

Bei den Diskussionen rückte der Nord-Ostsee-Kanal in den Fokus. Ängste vor einem „Supergau“, wenn die Rader Hochbrücke nicht schnell genug ersetzt werden sollte, wurden formuliert. Gäste plädierten für eine nachhaltige Lösung für Straße und Eisenbahn bei der Kanal-Querung oder gar für einen dreispurigen Ausbau der Autobahn bis Flensburg. Unterschiedliche Einschätzungen bestanden darüber, wie sich die „Abkoppelung“ der Region auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken könnte. „Bei Neuansiedlungen ist das ein Bremsklotz“, meinte Jaekel. Martin Rudolph, Vorstand der Raiffeisenbank Handewitt, befürchtete gar Abwanderungen: „Es gibt hiesige Speditionsunternehmen, die haben Pläne in der Schublade, um ihren Standort südlich von Hamburg zu verlegen.“

Die Runde redete über ein „konzertierte Aktion“ in Wahlkampf-Zeiten und schielte auf die Metropolregion Hamburg, um sich dort erfolgreiche Ideen abzuschauen. Gerhard Beirer, Vorsitzender des Handewitter Wirtschaftsausschusses, forderte die Handelnden auf, den Verantwortlichen in Berlin und Kiel „täglich ans Schienbein zu treten, damit die merken, dass das Land nicht in Hamburg oder Neumünster endet“.

Thomas Jessen, Bürgermeister von Osterby, mahnte an, auch an den „Schulterschluss mit Nordfriesland“ zu denken. Er sprach sich für die B  199-Ortsumgehung bei Handewitt und die Reaktivierung der Bahnstrecke von Flensburg nach Niebüll aus, um die Verbindung zum „Wirtschaftsraum Westküste“ zu verbessern.

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