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Wirtschaft in Flensburg : Gewerbeflächen verzweifelt gesucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Angesichts der guten Konjunktur schmilzt der Vorrat an wirtschaftlich nutzbaren Gebieten in der Stadt: „Hier ist Druck auf dem Kessel“

Wirtschaftsförderer Michael Otten von der Wireg kleidete seine Mahnung an Politik und Verwaltung im Rathaus in drei zurückhaltend, aber klar formulierte Fragen: Welche weiteren Schritt plant die Stadt gegen die drohende Gewerbeflächenknappheit? Werden derzeit neue Flächen geprüft? Wann kann die Stadt wieder neue Flächen anbieten?

Fakt ist – und das spricht zunächst für den Wirtschaftsstandort Flensburg: Der Stadt gehen die Gewerbeflächen aus. Der Wireg-Chef belegte dies im Hauptausschuss mit folgenden Zahlen: Die Stadt hat im vergangenen Jahr rund 3,5 Hektar Gewerbefläche verkauft. Im gesamten Wireg-Gebiet in Stadt und Kreis waren es 8,7 Hektar. Und für dieses Jahr gibt es schon Verkaufsempfehlungen der Wireg an die Stadt für 3,7 Hektar – das sind fast zwei Drittel der im gesamten Wireg-Gebiet zum Verkauf empfohlenen Gewerbeflächen. Dass die Konjunktur vor allem in Flensburg sehr gut läuft, belegt auch noch eine dritte Zahl: 2,1 Hektar an Verkäufen für 2017 sind bereits realisiert (gesamte Wireg-Region 3,6). Noch wichtiger als die Verkaufszahlen ist für Otten aber eine andere Information: Es siedelten sich vor allem Unternehmen aus einem Radius unter 50 Kilometern an, erklärt Otten: „Wir tun es also vor allem für regionale Unternehmen, die bei den guten konjunkturellen Bedingungen wie auch im derzeitigen Zinsumfeld wachsen wollen.“ Möglichkeiten in der Stadt zur Ansiedlung oder Erweiterung von Unternehmen gibt es bedingt noch am Sophienhof, der Technologiemeile Lise-Meitner-Straße und im relativ neuen Gebiet Peelwatt. Gut zehn Hektar Fläche stehen so im Stadtgebiet für Betriebe noch zur Verfügung – und zählt man auch das gemeinsame Gewerbegebiet mit Handewitt dazu, sind es sogar gut 16 Hektar. Doch wenn man die Reservierungen und potenziellen Verkäufe berücksichtige sowie die unterschiedlichen Belegungskriterien und Restriktionen wie Höhen oder Lärm, ergebe sich für produzierendes Gewerbe fast nur noch eine einzige größere Fläche an der Lise-Meitner-Straße. „Es geht darum, Politik und Verwaltung darauf aufmerksam zu machen, dass es hier einen dringenden Handlungsdruck gibt“, sagt Otten nach der Sitzung. Möglichkeiten sieht er neben der Ausweisung neuer Gewerbegebiete auch bei neuen gemeinsamen Gewerbegebieten mit Harrislee, Handewitt und Oeversee. Eine dritte Erfolg versprechende Möglichkeit sei ein Brachenkataster mit Flächen, die teilweise mit Bauruinen belegt sind: „Es gibt im B-Plan auch Restriktionen für Gebäude, die beispielsweise dem Einzelhandel nicht zur Verfügung stehen.“ Hier dürfte Otten auf die Lage an der Schleswiger Straße angespielt haben.

Bürgermeister Henning Brüggemann, der zuletzt sprudelnde Gewerbesteuereinnahmenregistrierte, formulierte als Ziel der Stadt: „Wir brauchen 30 Hektar Fläche mit Planreife, um flexibel und schnell auf Anfragen reagieren zu können.“ Eine mögliche Chance könne auch in der Innenverdichtung und Neustrukturierung bestehender Gebiete liegen, wenn Unternehmen zum Beispiel nicht genutzte Teilflächen für zusätzliche Ansiedlungen verkaufen möchten. Darüber hinaus hofft auch Brüggemann auf die Zusammenarbeit mit dem Umland: „Bestandspflege ist nicht allein städtische Aufgabe.“ Brüggemann warnte ebenfalls, dass nicht mehr viel Zeit sei: „Hier ist Druck auf dem Kessel.“

Für die SPD erinnerte Helmut Trost daran, dass in der Flensburg-Strategie stehe, dass man führender Wirtschaftsfaktor der Region bleiben wolle. Arne Rüstemeier (CDU) hatte schon vorher verlangt, die im Zuge der Krankenhausplanung gewonnenen Erkenntnisse auch für die Gewerbeentwicklung zu nutzen. Heinz-Werner Jezewski (Linke) erklärte, an der Schleswiger Straße gebe es ein riesiges Betriebsgelände, auf dem Gewerbe nicht mehr ausgeübt werde. Und Erika Vollmer (WIF) verlangte von der Oberbürgermeisterin eine Gesamtplanung. SPD-Chef Florian Matz hatte immerhin eine positive Botschaft: „Dass wir es in einem ruhigen Verfahren hinbekommen haben, dass Queisser in der Region bleibt, ist ein Riesenerfolg“, sagte der Unternehmer.

OB Simone Lange erinnerte daran, dass man sich in der Flensburg-Strategie dazu bekannt habe, eine wachsende Stadt und Region zu sein: „Wir wachsen jedes Jahr um 1000 Einwohner, die arbeiten und wohnen wollen“, sagte Lange. Man müsse sich der Rolle bewusst werden, die man habe, wenn es die Menschen in die Städte ziehe: „Gehen wir in die Fläche oder bauen wir in die Höhe?“ Und mit Blick auf die Gewerbeflächen warnte die Oberbürgermeisterin: „Es wäre töricht, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen.“

 

 

Hebesätze Gewerbesteuer

In der Stadt Flensburg beträgt der Gewerbesteuerhebesatz aktuell 410 Prozent.  Den bislang letzten größeren Sprung machte der  Hebesatz im Jahr 2011 – von 375 auf 405 Punkte.  2013 stieg er nochmals leicht auf die aktuellen 410 Punkte.

Folgende Gewerbesteuerhebesätze gibt es derzeit in den Umlandgemeinden:

Glücksburg: 380 Prozent

Handewitt: 360 Prozent

Harrislee: 360 Prozent

Oeversee: 370 Prozent

Ausacker:  360 Prozent

Freienwill: 380  Prozent

Großsolt:   380  Prozent

Hürup: 380 Prozent

Husby:  360  Prozent

Maasbüll: 340 Prozent

Tastrup: 380 Prozent.

(Angaben: Industrie- und Handelskammer Flensburg)

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erstellt am 20.Jul.2017 | 06:43 Uhr

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