Der Untergang : Gesucht: Fundstücke vom Kriegsende

Die Engländer sind da! Britische Militärfahrzeuge im Mai 1945 auf den Norderhofenden vor dem Polizeipräsidium.
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Die Engländer sind da! Britische Militärfahrzeuge im Mai 1945 auf den Norderhofenden vor dem Polizeipräsidium.

Für eine groß angelegte Ausstellung ab 8. Mai 2015 bitten Universität und Museumsberg die Bürger um Mithilfe.

shz.de von
01. März 2014, 10:45 Uhr

Jetzt werden ganz dicke Bretter gebohrt. Zum 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs planen Museumsdirektor Michael Fuhr und der Historiker Gerhard Paul (Uni Flensburg) eine große Ausstellung auf dem Museumsberg zusammen mit der Berliner Gedenkstätte „Topografie des Terrors“. Angestrebt werden zudem Kooperationen mit dem Imperial War Museum London, dem Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt, dem Shropshire Regiment Museum in Shrewsbury – und der Bevölkerung in Flensburg und Umgebung.

„Die Beteiligung der Menschen aus der Region ist essentiell“, sagt Michael Fuhr. Er ist sich sicher, ebenso wie Gerhard Paul, „dass noch viel aus dieser Zeit in Privatsammlungen schlummert.“ Paul: „Die Zivilbediensteten der Regierung Dönitz haben zuletzt keinen Lohn mehr erhalten und deshalb einfach alles mitgenommen, was es in den Büros so gab.“ Die letzten Reden von Dönitz, die über den Reichssender Flensburg verbreitet wurden, seien vorher auf Schellack-Platten aufgenommen worden – ob es die noch irgendwo gibt? Dönitz selbst lebte zeitweise auf dem Wohnschiff „Patria“ im Hafen der Marineschule; auch dort gab es viele Zivilbedienstete, die womöglich Dinge mitgenommen haben, die heute noch irgendwo stehen oder lagern.

„Wir sind aber auch an Tagebüchern, Zeitungen und Fotos aus dieser Zeit interessiert“, ergänzt Fuhr und betont, dass man es nicht auf sämtliche Memorabilien aus der NS-Zeit abgesehen habe, sondern gezielt Stücke suche, die mit dem Ende der letzten Reichsregierung in Flensburg zu tun haben. Wer etwas hat, wird gebeten, sich zunächst per Post an Michael Fuhr, Museumsberg 1, 24937 Flensburg oder per E-Mail an museumsberg@flensburg.de zu wenden, gern mit Fotos der Stücke.

Die Idee zur Ausstellung selbst kommt aus der Erkenntnis, dass vielen Menschen die Bedeutung Flensburgs für das Kriegsende nicht oder nur unzureichend bekannt ist. „Der eigentliche Untergang war hier in Flensburg“, spitzt Paul es zu. Thematische Schwerpunkte ergeben sich aus Stichworten wie Regierung Dönitz, „Rattenlinie Nord“, „Todesmärsche“, „Operation Regenbogen“, „Operation Blackout“ und Altlasten. Damit sind personelle Altlasten, also die Fortsetzung brauner Karrieren in Schleswig-Holstein, ideologische Altlasten – der von hier ausgehende Mythos der „sauberen Wehrmacht“ – und ökologische Altlasten in Form von Munitionsresten in der Förde gemeint.

Die Ausstellung werde sich an Biographien orientieren, erläutert der Historiker. Führende NS-Vertreter wie Höß, Himmler, Speer und Ohlendorf gehören ebenso dazu wie Menschen, die in den Wirren des Kriegsendes in Flensburg waren. So hat der Kabarettist Wolfgang Neuss als Kriegsgefangener das „Reichskabarett der Komiker“ gegründet, mit dem er später durch Angeln tingelte. Auch Beate Uhse soll erneut gewürdigt werden, die Malerin Käte Lassen wird thematisiert, der Soldat Asmus Jepsen, spätes Opfer der NS-Justiz, und viele Die Reste des Kriegesmehr.

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