zur Navigation springen

Flensburg Fjord Tourismus : Gesellschafter feuern Finn Jensen

vom

Das war’s für Finn Jensen: Der Geschäftsführer von Flensburg Fjord Tourismus wurde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Noch am Montag hatte der Aufsichtsrat eine andere Entscheidung getroffen.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 09:56 Uhr

Flensburg | Die Gesellschafterversammlung der Flensburg Fjord Tourismus GmbH (FFT) hat in ihrer Sitzung am Dienstagabend beschlossen, den Geschäftsführer von seinen Aufgaben freizustellen. Eine Begründung wird nicht genannt - weder in der Pressemitteilung noch in mündlichen Stellungnahmen. "Wir haben Stillschweigen vereinbart", sagte Thomas Dethleffsen (CDU), Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, gegenüber dem Tageblatt. Hintergrund dieser Personalentscheidung sind die im Raum stehenden Vorwürfe gegenüber Jensen, vor Jahresfrist durch einen Autoverkauf in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.
Der Aufsichtsrat der städtischen Tourismus-Gesellschaft hatte noch am Montag eine andere Entscheidung getroffen und von einer sofortigen Trennung von Jensen abgesehen. Der Aufsichtsrat kontrolliere die Geschäftsführung und vertrete die Interessen des Unternehmens, erläuterte der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Markus Döring (ebenfalls CDU) diese Entscheidung. Es sei nicht im Interesse der FFT, wenn sie von heute auf morgen ohne Geschäftsführer da stehe. Die Gesellschafterversammlung hingegen vertrete die Interessen der Gesellschafterin, also der Stadt Flensburg. Und die könne eine andere, politisch geprägte Entscheidung treffen, hatte Döring vor der Gesellschaftersitzung gesagt.

"Ich will den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken"

"Ich muss das akzeptieren", sagte der geschasste Tourismus-Chef gestern in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Flensburger Tageblatt. Allerdings habe er auch nichts anderes erwartet. "Das hat mir mein Bauchgefühl gesagt, deshalb bin ich jetzt auch nicht über die Maßen geschockt." Er wünsche der Stadt Flensburg nunmehr, dass sie sich touristisch gut weiterentwickeln werde.
Wer Finn Jensen kennt, weiß, dass er selbst in einer derart misslichen Situation die Hände nicht in den Schoß legen wird. "In der Tat will ich den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken", sagte er, "meine Triebfeder ist komplett aufgezogen."

Ambitionen auf Bürgermeisteramt ad acta gelegt

Die Ambitionen, Bürgermeister von Glücksburg zu werden, hat Jensen jedoch vorerst ad acta gelegt. "Das macht zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn." Solange zivilrechtlich gegen ihn ermittelt werde, wolle er diese Pläne nicht weiter verfolgen. Nach einer Selbstanzeige schon vor Bekanntwerden der Vorwürfe ermittelt die Staatsanwaltschaft Flensburg gegen Jensen. "Sollte aber am Ende festgestellt werden, dass ich gegen Recht und Gesetz nicht verstoßen habe, sollte man sich einmal überlegen, was für eine Hetzjagd gegen mich veranstaltet worden ist."
Jensen hatte die Position als Geschäftsführer der FFT zum 1. Januar 2010 aufgenommen. Vorher war er in leitender Funktion im Unternehmen tätig. "In seinen Jahren in der FFT konnte er das touristische Profil der Stadt Flensburg deutlich schärfen und Flensburg als Reise- und Veranstaltungsstadt innerhalb Deutschlands und darüber hinaus positionieren", heißt es in einer gestern verbreiteten Mitteilung der Stadt. Sein Vertrag läuft noch bis Mitte 2014. In den kommenden Wochen werde es die vordringlichste Aufgabe des Gesellschafters der FFT sein, die Stelle des Geschäftsführers neu zu besetzen. Hierzu soll eine Findungskommission eingesetzt werden.

Stelle wird kommissarisch neu besetzt

Ende Juni war bekannt geworden, dass das städtische Rechnungsprüfungsamt über den Ankauf eines Gebrauchtwagens durch FFT gestolpert war. Es war ein Audi A6 Avant (Kombi) aus dem Baujahr 2002 mit einer Laufleistung von 379.000 Kilometern. Das Pikante: Es war Jensens Privatwagen, und der Preis war deutlich höher als einschlägige Listen empfahlen. Zudem kam eine teure Reparatur hinzu. Später segnete der Aufsichtsrat in seiner alten Besetzung unter Führung von Hans Hermann Laturnus diesen Deal ab. Mit dem günstigen Verkauf sollte ein Verzicht Jensens auf eine ihm zustehende Erfolgsprämie kompensiert werden.
Man werde die Stelle an der Spitze der FFT GmbH kurzfristig kommissarisch besetzen, kündigte Thomas Dethleffsen an. Gedacht werde an eine geeignete Person aus der Stadtverwaltung; Gespräche laufen schon, und Dethleffsen geht davon aus, dass noch diese Woche die kommissarische Besetzung erfolgen kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen