zur Navigation springen

Ostufer Flensburg : Gerettet! Leiß-Nashorn findet Job in einer Hafenbar

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Leiß-Skulptur ist jetzt Ensemble-Mitglied des Yachting-Heritage Centers am Industriehafen

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 06:49 Uhr

Am Industriehafen 5 arbeiten mittlerweile wie selbstverständlich Kunst, Sport und Handwerk Hand in Hand. Das Yachting Heritage Center, das maritime Kraftzentrum, um das Inhaber und Mäzen Oliver Berking Klassik-Werft, Bootslager und Gastronomie wie Satelliten kreisen lässt, geht mit zwei neuen Ausstellungen in die zweite Jahreshälfte.

Ab Dienstag, 25. Juli, sind in einer Doppelausstellung die Norddeutschen Realisten mit faszinierenden Bildern von der Regattabahn sowie die nicht minder faszinierenden Arbeiten von 67 Künstlern aus 17 Ländern zu sehen, die im weltweit größten Gestaltungswettbewerb unter Silberschmieden von der 18. Internationalen Silber-Triennale ausgezeichnet wurden. Die Vitrinen sind schon da, daneben wurden gestern 106 Bilder von neun Realisten aufgehängt, die während des Sterling Cups wie alte Blauwasserbuckel den Wetterunbillen auf der Förde trotzten und malten, was das Zeug hielt. Ihre Bilder können bis 5. November vor Ort erworben werden.

Vertraute Kunst gibt es übrigens auch auf dem Dach einer Neuerwerbung zu sehen. Oliver Berking hat die an sein Grundstück grenzende alte Waage der Stadtwerke erworben und gleich weiterverpachtet. Im Haus und auf einer Freifläche daneben baut der Gastronom des „LaVela“ von der Fördepromenade in Sonwik an einer interessanten Filiale.

Im Haus und auf etwa 40 Freiplätzen entsteht eine Tapas-Bar, die den fernweh-trendigen Namen „Hafenjunge Pedro“ tragen wird. Leckeres und Durstlöschendes gibt’s da direkt vom Küchentresen, verzehrt wird mit Blick auf den Hafen und darüber – jetzt kommt wieder die Kunst ins Spiel – wacht auf dem Dach das Nashorn, mit dem es dem Flensburger Künstler Hans-Ruprecht Leiß gelang, der so sperrigen und oft auch humorlosen Institution Stadtverwaltung eine selbstironische Leichtigkeit zu verleihen.

Leider wollte die nicht jeder haben. Volker Thaysen, der in den letzten Jahren für seinen Freund Leiß auf das Nashorn aufgepasst hat, ist froh, für den Dickhäuter eine Heimat gefunden zu haben. Zwei Mal – unter den Oberbürgermeistern Hermann Stell und Klaus Tscheuschner – hatte es das Vieh auf das Dach des Rathaus-Südeingangs geschafft. Simon Faber, erinnert sich Thaysen, konnte sich für die leicht gelbstichige Skulptur nicht erwärmen und forderte Thaysen auf, das Nashorn umgehend zu entfernen. Planungs-Chef Peter Schroeders habe gar gedroht, das Nashorn kurzerhand vom Dach zu schubsen, wenn Thaysen nicht spure.

Zum Glück kann Leiß’ Dickhäuter nicht nur Verwaltung, es kann auch Film. In Fellinis surrealem Meisterwerk „Schiff der Träume“ (1983) hat ein Rhinozeros den finalen Auftritt und lässt sich am Ende des Schiffsuntergangs von einem italienischen Klatschreporter übers Mittelmeer in Sicherheit bringen. Halt so eine Fellini-Idee, die Berking in die entscheidende Assoziation führte: Traumschiffe, Schiff der Träume – jetzt steht es bei „Hafenjunge Pedro“ über der Speisen- und Getränkeausgabe, vielleicht spielt auch demnächst jemand dazu leise Fado, könnte fast von Fellini sein.

In drei Wochen, ließ Pedro über seinen Vermieter Berking ausrichten, soll Eröffnung sein.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen