Museumsberg : Gerettet! Jetzt aber für ewig

<dick>Wieder da!</dick> Annika Fuhr (im roten Kleid) enthüllt die Brütt Skulptur. Das Paket zu Füßen des Fischers ist für sie bestimmt.
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Wieder da! Annika Fuhr (im roten Kleid) enthüllt die Brütt Skulptur. Das Paket zu Füßen des Fischers ist für sie bestimmt.

Ein Jahr nach ihrem Verschwinden ist sie wieder da: Die Skulptur „Gerettet“ des Husumer Künstlers Adolf Brütt. Gestern war feierliche Enthüllung für die Kopie.

shz.de von
19. April 2010, 12:24 Uhr

Flensburg | Jetzt ist die Skulptur gerettet. Aber endgültig! Gut 50 Flensburger applaudierten gestern Annika (9), dem Töchterchen von Museumsberg-Direktor Michael Fuhr, als sie kurz nach elf das verhüllende Tuch von dem Fischer und dem halb ertrunkenen Mädchen in Bronze zog. Die Skulptur des Husumers Adolf Brütt, die den Flensburgern nach ihrem Verschwinden gewaltig zu fehlen begann, steht wieder auf ihrem Sockel.

Friedrich Schreiber, Vorsitzender des Verschönerungsvereins (VVF), hatte gestern allen Grund zur Freude. Seitdem die wertvolle Dauerleihgabe vor fast genau einem Jahr von der Stiftung preußischer Kulturbesitz für die Museumsinsel reklamiert und nach Berlin zurückverfrachtet wurde, hatte der VVF eine kleine Bürgerbewegung in Gang gesetzt, die für die Rettung von "Gerettet" alle Hebel in Bewegung setzte. Wahrscheinlich sprach Stadtpräsident Christian Dewanger den Rettern aus dem Herzen, als er das Werk des 1855 in Husum geborenen Künstlers fest im Flensburger Stadtbild verortete: "Seit Kindheitszeiten stand dieser Fischer da", sagte Dewanger. "Für mich war das immer ein Stück Heimat."
Verschönerungsverein will mit gerettetem Geld Umfeld verschönern

Die vom Flensburger CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Börnsen unter tätiger Mithilfe des Kulturstaatsministers Bernd Neumann in Berlin vertretene Flensburger Bürgerinitiative musste kurz vor der Zielgeraden noch einen herben Dämpfer einstecken, als nämlich die Gussform plötzlich unauffindbar war und sich Mehrkosten von 14 000 Euro abzeichneten. Aufgehalten hätte das die Aktion auch nicht, machte Friedrich Schreiber gestern in der kleinen Feierstunde im Christiansen-Haus klar. Aber der Verschönerungsverein war am Ende doch ziemlich erleichtert, als sich die Berliner Stiftung bereit erklärte, diese 14 000 Euro - und die neu entstandene Gussform zu übernehmen. Der Flensburger Verschönerungsverein will die damit frei gewordenen Mittel verwenden, um das Umfeld der Skulptur ein wenig aufzubereiten und in einer Schautafel ein paar Informationen über den Künstler Adolf Brütt und sein Schaffen zu präsentieren.

Denn Brütt, das verdeutlichte Dr. Michael Fuhr, war kunstgeschichtlich kein Nobody. Der Husumer steht für den norddeutschen Realismus, der Abkehr vom Klassizismus gemäß der Prämisse: Kunst soll nicht schön, Kunst soll wahr sein. Vielleicht ist in dieser Schautafel Platz für die beiden Fotos aus der Entstehungszeit der Skulptur; das Foto des Möltenorter Fischers Klaus Löptin und der jungen Dame, die 1887 für den Künstler Modell standen. Im prüden Deutschland Kaiser Wilhelms war die sehr figurbetonte Darstellung der Geretteten schon eine kleine Provokation, sagte Fuhr.

Ein kleine Provokation konnte sich auch Friedrich Schreiber nicht verkneifen. Damit nicht ein Kämmerer der armen Stadt "Gerettet" zur Rettung des Haushalts heranzieht, will der Verschönerungsverein die Schenkung vertraglich an eine Bedingung geknüpft wissen. "Es ist eine Schenkung zum ewigen Verbleib", meinte Schreiber mit Betonung auf dem Wort "ewig". Das Schicksal des geschenkten und dann verscherbelten Kollunder Waldes jedenfalls soll "Gerettet" nicht erleben.

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