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Museumshafen Flensburg : Gerappel in der Apfelkiste

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Apfelfahrt & Co: Gravenstein möchte mit ins Boot / Tourismus-Agentur optimistisch, Apfelfahrt-Veranstalter Museumshafen skeptisch

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 07:53 Uhr

Seit 1980 gibt es die Flensburger Apfelfahrt und immer, wenn sich die Traditionssegler am ersten Wochenende der Herbstferien auf den Weg machen, die Apfelernte von den Plantagen längst der Förde nach Flensburg zu bringen, steht das im Einklang mit der Legende von den alten Zeiten, als eine Region sich aus ihren eigenen Ressourcen versorgte und segelnde Frachtschiffe das Vehikel dazu waren. Nicht mal 15 Kilometer weiter nördlich von Flensburg fühlt sich ein dänisches Städtchen aber von den segelnden Frachtschiffen abgehängt: Gravenstein. Dort gibt es seit vier Jahren eine rührige Initiative, die ein mittlerweile gut besuchtes Apfelfestival organisiert – nur Schiffe kommen nicht. Schon gar nicht aus Flensburg.

Das war schon mal anders. Das alte Zollhaus von Gravenstein war bis in die 90er Jahre Schauplatz ausgelassener Partys, und Flensburger Traditionssegler regelmäßig während der Apfelfahrt zu Gast. Aber irgendwann in den letzten 20 Jahren wurde diese Tradition durchbrochen und kam nicht wieder in Gang. Erst als vor vier Jahren das Grasten-Forum den weltweit gerühmten Gravensteiner Apfel als Identität-stiftende Frucht für das Städtchen mit dem Sommerschloss von Königin Margrethe II. aktivieren wollte, gerieten die Segler wieder in den Fokus.

Seither hat das Grasten-Forum ein Apfelfestival aufgebaut, das es gerne wieder mit den Nachbarn in Flensburg verknüpfen möchte. Aber zum Leidwesen von Karin Baum, die dem Forum ihre Kontakte in den Museumshafen zur Verfügung stellt, ist es bis heute nicht gelungen, Flensburger Traditionsschiffe anzulocken. Sie fahren bis Kollund und Glücksburg, aber Gravenstein bleibt außen vor.

„Das ist kein böser Wille“, sagt Martin Schulz, Geschäftsführer des Flensburger Museumshafens. Er stellt nüchtern fest, dass sich seit den 90er Jahren vieles geändert hat – auch das Alter der Schiffseigner. Früher seien regelmäßig Traditionsschiffe aus Flensburg in Gravenstein gewesen - privat motiviert. Früher hätten es die Behörden im grenzüberschreitenden Verkehr nicht so peinlich genau genommen. Es sei aber heute schlechterdings unmöglich, mit zahlenden Gästen an Bord in dänischen Häfen festzumachen. Und die seien notwendig, denn der Betrieb der Schiffe ist enorm teuer geworden. „Die legen ihre Segler als Dekoration nur hin, wenn sie auch etwas davon haben.“ Schulz, der schon an einigen Meetings des Forums teilgenommen hat, rät, einen Mittler zu installieren, warum nicht jemanden, der Apfelfahrt und Apfelfestival als grenzüberschreitendes Projekt definiert und um EU-Mittel wirbt. Seine eigenen Möglichkeiten aber seien beschränkt. „Ich bin nur der Geschäftsführer des Museumshafens, nicht der Kerkermeister, der den Leuten befehlen kann, nach Gravenstein zu fahren!“

Als Touristiker ist Gorm Casper, Geschäftsführer der Tourismus Agentur Flensburger Förde (TAFF) vom Gedanken einer Vernetzung der Feste in Gravenstein, Glücksburg, Kollund und Flensburg sehr angetan. „Wir können helfen, das alles zusammenzuführen.Ich biete da jede Unterstützung an“, sagt er, einschließlich der Suche nach weiteren Fördermitteln.

Dann aber nachhaltig, mahnt jemand, der sich schon ganz konkret mit Schiffsverbindung beschäftigt hat. Frank Petry, Hafenkapitän und Vorstandsmitglied im Förderverein Alexandra, hatte den Gedanken einer Apfeltour Flensburg – Glücksburg – Gravenstein-Kollund durchgerechnet. Aber auch er kam unter dem Strich zu einem ernüchternden Ergebnis: Im Tagesbetrieb kostet die Alexandra 4000 Euro, Dänemark anlaufen darf das Schiff mit nur 85 zahlenden Passagieren. Macht einen Ticketpreis von 47 Euro pro Person. Schwerer noch wiegt für ihn: Traditionell ist auf der Alex ab 1. Oktober der Kessel aus und das Schiff wird mit viel Eigenarbeit winterfest gemacht. Da noch zwei Wochen auf die Apfelfahrt zu warten, sei den ehrenamtlichen Helfern nur schwer schmackhaft zu machen. Klar. Geld hilft immer, aber EU-Fördermittel laufen in aller Regel nach drei Jahren aus. „Und dann?“ Trotz aller Zweifel: Auch Petry würde sich einem grenzüberschreitenden Gespräch nicht verweigern. „Da müssen wir alle gemeinsam rangehen.“

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