St. Johannis und St. Jürgen : Gepflegte Kleinteiligkeit in der östlichen Altstadt

Idylle pur: St. Jürgen mit seinem Gängeviertel und das benachbarte St. Johannis-Viertel sind beliebte Quartiere.
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Idylle pur: St. Jürgen mit seinem Gängeviertel und das benachbarte St. Johannis-Viertel sind beliebte Quartiere.

Die östliche Altstadt profitiert vom benachbarten Campus / Skepsis über städtische Parkhauspläne für die Wilhelmstraße

shz.de von
08. Januar 2018, 13:55 Uhr

Seit drei Jahren sind die Stadtteilforen in Flensburg politische Vertretungen der Quartiere. Grund genug für das Tageblatt, zum Jahresbeginn Bilanz zu ziehen und zu fragen, wo im Stadtteil der Schuh drückt. Heute: der Verein zur Erhaltung der östlichen Altstadt St. Jürgen / St. Johannis.

Johannisviertel und Jürgensby sind zwei Stadtteile, die eng mit Geschichte und Entwicklung der Stadt verbunden sind – sie sind die Viertel der Fischer und Seeleute. Heute sind sie beliebte Wohnquartiere – besonders für die jüngere Flensburger Bevölkerung, wobei St. Johannis vom Campus um die Ecke profitiert. 35,3 Prozent der Wohnbevölkerung hier sind – mit steigender Tendenz – zwischen 18 und 30 Jahre alt. Die Foren in beiden Stadtteilen sind zum Teil in überlappenden Gebieten tätig. Der Statistik-Teil für den Sandberg erscheint daher mit dem Forum Jürgensby-Sandberg. Unsere Fragen beantworteten die Vorstandsmitglieder Brigitte Noah, Ute Rasmussen und Peter Jensen

Wie würden Sie das Besondere an Ihrem Stadtteil/Viertel beschreiben?

Nach wie vor sehen wir die beiden östlichen Altstadtviertel St. Johannis und St.Jürgen als einen sehr charmanten und lebenswerten Stadtteil, mit funktionierender Nachbarschaft und dem Bewusstsein, all dieses zu erhalten und nicht durch schlecht durchdachte Planungen zu (zer)stören.

Auf welchem Gebiet hat sich im Stadtteil im Jahr 2017 etwas bewegt?

2017 wurden einige Projekte umgesetzt. Die drei verrotteten Bänke auf dem Margarethenplatz wurden auf unsere Anregung hin vom TBZ ersetzt und eine vierte von uns
gesponsert. Das Mauseloch wurde ebenfalls auf unsere Anregung hin und auch mit finanzieller Unterstützung wieder benutzerfreundlich gestaltet. Das TBZ ebnete das Pflaster, und die Verwaltung entschied sich für die jetzige Ausgestaltung. Die Frage der besseren Ausleuchtung ist noch ungeklärt. Zu unserer großen Freude wurde die Beleuchtung der St.-Jürgen-Straße fertig. Nunmehr sparen LED-Leuchtmittel in den alten Laternen auch noch viel Energie ein. Wie wir alle finden, eine wunderbare Stimmung.

Was ist dagegen das größte Thema, das 2017 im Stadtteil liegen geblieben ist?

Der schlechte Zustand des Natursteinpflasters bewegt uns seit längerem. Die Stadtteilforen wurden 2017 zu mehreren Veranstaltungen und Workshops zum Thema
„Masterplan Mobilität“ eingeladen. Dort drangen wir immer wieder darauf, dass in den alten Stadtvierteln das Natursteinpflaster auch gepflegt wird und barrierefrei zu nutzen sein muss. Wir machten eine Begehung und erstellten für alle Straßen eine Mängelliste. Diese ging an das TBZ mit der Bitte um Reparatur. Das wurde uns auch versprochen, aber angefangen wurde noch nicht. Das Problem liegt auch darin, dass, wenn man in diese alten Straßen glatte Streifen einziehen würde und sie somit wirklich barrierefrei machen würde, es keine Reparatur mehr wäre! Die Verwaltung und die Entwickler des Masterplans Mobilität wissen um das Problem. Wir bleiben dran. Völlig überrascht wurden wir von dem Aufstellungsbeschluss zu einer Bebauungsplanänderung für die Parkplätze an der Wilhelmstraße. Zwei Parkdecks und darüber nicht störendes Gewerbe und Wohnen – das erscheint uns für unser kleinteiliges Viertel zu viel. Wohnen ja, aber nicht eine Verdoppelung der Parkflächen. Dies würde auch den Masterplan Mobilität konterkarieren.

Wie soll es mit diesem Thema weitergehen und wie könnte es vorankommen?

Unsere Bemühungen, mit den Vertretern der Parteien im Planungsaussschuss ins Gespräch zu kommen verlief, bis auf die WiF, nicht erfolgreich. Der Verwaltung konnten wir unsere Bedenken und Vorschläge vorbringen. Die Kommunalwahl bietet sicher Gesprächsbereitschaft.

Welches weitere Thema wollen Sie 2018 anpacken?

Die Beleuchtung des Gängeviertels, der kleinen und großen St.-Jürgen-Treppe. Natursteinstraßen und Wilhelmstraße bleiben oben auf. Ebenso das künftige Sanierungsgebiet Hafen-Ost. Es darf nicht erneut eine städtebauliche Häppchenpolitik passieren. Der Sanierungsträger muss die Chance nutzen, für einen ganzheitlichen Entwurf mit Wettbewerben Fördergelder einzuholen. Die Bürgerbeteiligung mit vielen Ideen darf nicht verloren gehen, das Nahversorgungszentrum Hafermarkt sollte wieder aufgegriffen werden.


Wie zufrieden sind Sie mit dem Kontakt zwischen Forum und Rathaus?

Der Kontakt mit der Verwaltung entwickelt sich vor allem mit und über Frau Gieselmann positiv.

Wie beurteilen Sie das erste Amtsjahr der Oberbürgermeisterin mit Blick auf den Einsatz für Ihren Stadtteil?

Die Oberbürgermeisterin zeigte sich unseren Problemen gegenüber verständnisvoll und unterstützend.

Was wünscht sich Ihr Stadtteilforum von der neuen Flensburger Ratsversammlung, die im Frühjahr gewählt wird?
Wir wünschen uns Weitsicht und Kenntnis im Bereich Stadtplanung, Stadtentwicklung und Verkehrsplanung. Wahrnehmung der Stadtteilforen und Begrüßung von echter, konstruktiver Bürgerbeteiligung.

Welches Thema in Ihrem Stadtteil hätte mehr Aufmerksamkeit verdient?
Mehr Aufmerksamkeit hätten verdient der Pflegezustand der Natursteinstraßen, die Reduzierung des Parksuchverkehrs, Sanierung der großen St.-Jürgen-Treppe, besser funktionierende Grünpflege.

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