Hofkultur Flensburg : Genre-Mix im Kulturdenkmal

<p>Liebliche Musik in einer lauen Sommernacht - auch Teresa Bergman und Band waren begeistert vom Ambiente am Güterbahnhof.</p>
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Liebliche Musik in einer lauen Sommernacht - auch Teresa Bergman und Band waren begeistert vom Ambiente am Güterbahnhof.

Teresa Bergman und ihre Band präsentieren einfallsreiche Lieder im zauberhaften Ambiente des Güterbahnhofs

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03. August 2018, 05:43 Uhr

Stage Dive?, fragt Pianist Matt Paull auf Facebook unter seinem Foto, das sein Instrument und die Bühne zeigt, auf der er den Mittwochabend zubringen wird. Die Wasser-Installation im Metallbett direkt zu Füßen der Band um Sängerin Teresa Bergman sieht einladend aus, nur etwas flach. Drumherum haben die Veranstalter der Hofkultur 200 Stühle für die Gäste aufgebaut. Nochmal rund 50 Menschen mehr sitzen, stehen oder lustwandeln auf ehemaligen Verladerampen der früheren Güterabfertigung der Bahn. Ein Unternehmerehepaar sanierte in den Jahren 2010/2011 das denkmalgeschützte Gebäudeensemble in Hufeisenform, machte ein Gewerbezentrum daraus und setzte mit dem liebevoll angelegten Garten im Innenhof dem Kulturdenkmal die Krone auf.

Das allein ist für viele Zuhörer eine Entdeckung, Teresa Bergman für manch andere auch. Die Hofkultur bespielt den Güterbahnhof nicht zum ersten Mal, Bergman aber ist neu in Flensburg. Die Neuseeländerin aus Wellington lebt seit Jahren in Berlin und macht dort einfallsreiche Großstadtmusik.

Bergman ist grundsätzlich klar in der Stimme, mal körperlich tief, auch jubelnd hoch im Kopf, sie baut Lachen in ihre Songs ein und Flüstern oder ein überdrehtes „Oh my god“, wenn sie ihre kleine Schwester veräppelt, die auf alles Amerikanische abfährt, einschließlich der Kardashians. Ihre Stimme ist das Pfund der Rothaarigen, doch von den vielen Vergleichen mit anderen Sängerinnen trifft keiner genau.

Teresa klingt nicht wie Adele und auch nicht wie Zaz, vielleicht kann sie so emotional sein wie die eine und so verrückt wie die andere, doch hat sie, was als Kompliment gilt, ihre eigene Stimme gefunden. Ihre Kompositionen sind reichhaltig, mäandern von Folk bis Jazz nach Funk über Pop. In einem Song kann jedes Genre drin sein. Sie selbst setzt auf der E-Gitarre Akzente, wird wärmer mit der akustischen. Matt malträtiert mitunter sein Keyboard wie ein Perkussionsinstrument, meist behandelt er es jedoch pfleglich, entlockt ihm wundervoll wimmernde Orgelharmonien und erinnert an Ray Manzarek. Tobias Kabiersch wechselt zwischen Kontra- und E-Bass; seine Soli sind schön, das Zusammenspiel mit Schlagzeuger Pier Ciaccio aus Kalabrien sehr fein, einen Song eröffnet dieser mit einem schicken Alleingang.

Einfallsreich sind auch die Geschichten zwischendurch. Sie habe ihre Shaker vergessen, sagt Bergman entschuldigend, um sogleich einen Behältnis voller Röstzwiebeln stolz in die Höhe zu halten als Ersatz. Da ist von alternativen Verdienstmöglichkeiten die Rede für mittellose Musiker, die ihre Wohnung in der Hauptstadt an schlüpfrige Filmproduktionsfirmen vermieten... Das Liebeslied – zufällig mit einer Neuseeländerin als Protagonistin – handelt von einer guten Beziehung, mit der es bergab geht, sobald die beiden die Sprache des anderen verstehen. Und die anglophone Frontfrau nennt den Verkaufsstand vorn am Eingang nicht Merchandise, sondern „Andenken-Station“.

Dass sie die Vinyl-Alben mit Liebe gemacht haben, glaubt man ihr und den Herren sofort. Die 31-jährige Bergman muss über die Paradoxie lachen, Nostalgie für eine Zeit zu empfinden, in der sie noch gar nicht auf der Welt war. Dabei zitiert sie ohne Unterlass und covert einmal sogar die Beatles. Eine magische Nacht, meint sie hinterher. Durchaus.

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