"Urban Gardening" : Gemüseanbau für ein besseres Leben

Sie sehen ihr  Projekt als Experiment: Anja Pfaff, Pastor Ingo Gutzmann und Katharina Prinz (v.l.). Foto: Kirchenkreis
1 von 2
Sie sehen ihr Projekt als Experiment: Anja Pfaff, Pastor Ingo Gutzmann und Katharina Prinz (v.l.). Foto: Kirchenkreis

Kirchenkreis startet im Frühjahr ein Projekt "Urban Gardening". Gemüseanbau im öffentlichen Raum als Initialzündung für Stadtteilprojekte.

Avatar_shz von
06. März 2013, 07:39 Uhr

Schleswig-Flensburg | Früher waren Gärten nicht nur ein Ort der Ruhe, umgeben von gepflegten Büschen, Blumen- und Staudenbeeten, sie dienten auch der Versorgung. Kartoffeln, Mohrrüben, Salate und Obst wurden nicht fürs Auge angebaut, sondern um Familien ernähren zu können. Auf dem Land sind Gemüsegärten noch heute allgegenwärtig, in der Stadt jedoch gibt es Obst und Gemüse meist nur noch im Supermarkt. Das ist ein Hintergrund für eine neue Aktion des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg - aber nicht der entscheidende. Mit ihrem Projekt "Urban Gardening" wollen die Initiatoren auch Räume für mehr Miteinander und Kommunikation schaffen. "Wir wollen mit den Teilnehmern die Welt ein bisschen verbessern ", sagen sie. Pflanzaktionen sind in Kappeln, Schleswig und Flensburg geplant. Die Hoffnung ist, damit Stadtteilprojekte anzuschieben.

Beim "Urban Gardening", das weltweit inzwischen in vielen großen Städten zuhause ist, wird auf öffentlichen Flächen Gemüse gepflanzt, damit alle, die brauchen und wollen, sich dort bedienen können. In Kiel wurde beispielsweise im vergangenen Jahr in der Innenstadt ein Gemüserondeel angelegt, das von Anwohnern gehegt und gepflegt wird. Das Gemüse darf jeder ernten, über das Projekt informiert eine Schautafel. In der wirtschaftlich hart gebeutelten US-Metropole Detroit etwa kämpfen Menschen straßenzügeweise auf diese Art und Weise gegen Armut und Vereinsamung.

In Schleswig haben die Organisatoren des Projektes, Pastor Ingo Gutzmann sowie Katharina Prinz und Anja Pfaff vom Kirchenkreis, die Gewoba Nord als Partner gewinnen können. Das Wohnungsbauunternehmen stellt Pflanzflächen (50 Quadratmeter) zwischen Mietshäusern im Stadtteil Friedrichsberg im Bereich der Erikstraße zur Verfügung. Der Standort wurde bewusst gewählt, sagt Pfaff. Das Wohngebiet am Rande der Stadt gilt als sozialer Brennpunkt, ist geprägt von Leerständen und hohem Migrantenanteil. "Wir wollen dahin gehen, wo es die Menschen brauchen können und durchaus einen Ernte bedarf haben. Außerdem wollen wir ein Zeichen setzen gegen die wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich, den Lebensraum verschönern, beleben und bereichern."

In Flensburg bringen alle, die helfen wollen, die Pflanzen auf dem Marienkirchhof in der Nähe des Nordermarktes direkt an der Fußgängerzone aus. Pfaff: "Uns nützt schließlich kein Hinterhof, wo niemand das Projekt wahrnimmt." Und in Kappeln laufen Gespräche, damit das Gemüse rund um das Begegnungszentrum BeZ im Stadtteil Ellenberg wachsen kann.

Von Freitag, 31. Mai, bis Donnerstag, 6. Juni, laden die Initiatoren nach Neukirchen zu einer Urlaubswoche ein, Motto: "Gerechtigkeit - Gemeinschaft - Gebet - gutes Leben". Im Rahmen dieser Veranstaltungen beginnen auch die Pflanzaktionen. Zuvor gibt es, ebenfalls im Haus Neukirchen, Vorbereitungstreffen am 11. März, 22. April und am 13. Mai jeweils von 16.30 bis 19 Uhr. Anmeldungen zur Urlaubswoche unter Tel. 04642 / 91 11 25 oder gerechtigkeit@kirche-slfl.de. Hier können sich auch an den Pflanzaktionen Interessierte melden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen