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Handewitt : Gemischte Klassen sollen Schule retten

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Es gibt zu wenige Anmeldungen in der Grundschule in Jarplund. Die Gemeinde will nun mit einem neuem Konzept den Standort erhalten. Einige Eltern reagieren skeptisch.

Die Handewitter Gemeinschaftsschule soll einen neuen Namen bekommen. Sie soll entweder nach einer prominenten Persönlichkeit benannt werden oder einen Regionsbezug erhalten. In jedem Fall ist die Bildungsstätte mit drei Standorten eine Schule der Kontraste. Während in Handewitt rund 1000 Kinder und Jugendliche unterrichtet und im Sommer erstmals Abiturienten verabschiedet werden, ist die Grundschule Jarplund auf Zwergenmaß geschrumpft. Nur 64 Kinder lernen dort das ABC. Tendenz fallend. Im September werden vermutlich nur zwölf Erstklässler eingeschult.

Eine Schließung wurde zumindest öffentlich nicht diskutiert. Im Verbund mit der Gemeinschaftsschule ließen sich die kleinen Jarplunder Klassen auffangen. Doch seit Kurzem empfängt man in Handewitt neue Signale aus Kiel. „Das Bildungsministerium tolerierte lange Zeit Klassengrößen von unter 19 Kindern, jetzt wird genauer kontrolliert“, erklärte Schulleiter Andreas Pawellek jüngst im Schul- und Sportausschuss. „Wir sind nun aus dem Stand heraus gezwungen zu reagieren.“

Für Jarplund ist ein neues Konzept nötig, um 78 Lehrer-Wochenstunden und rund 60 Schüler auf drei Lerngruppen zu verteilen. Dabei sollen Erst- bis Viertklässler gemischt werden, um die jährliche Fluktuation zu reduzieren. Weitere Lösungsansätze lauten: vereinzelter Jahrgangs-Unterricht, Stufenpläne für den Lernerfolg und vor allem mehr selbstständiges Lernen.

„Wir brauchen besonderes Arbeitsmaterial, damit die Schüler auch selbstständig arbeiten können“, betonte die stellvertretende Schulleiterin Sabine Rothberg. Die Kosten hierfür lägen im fünfstelligen Bereich. Eine Lehrkraft, die über Erfahrung im jahrgangsübergreifenden Unterricht verfügt, soll im Sommer von Handewitt nach Jarplund wechseln. Im Übrigen betreten auch die Pädagogen mit dem angedachten Konzept Neuland. Hospitationen und Fortbildungen müssen derzeit neben dem normalen Schulalltag ablaufen.

Aus der Elternschaft kamen zunächst Bedenken. „Mein Sohn ist doch kein Versuchskaninchen“, erregte sich ein Vater. Die Schule bat um Geduld. „Kinder gewöhnen sich schneller an neue Strukturen als Erwachsene“, erklärte Sabine Rothberg. „Außerdem halten wir uns an Bildungsstandards, und es gibt Vorbilder in der Region.“ Ein gut besuchter Elternabend verlief zwischenzeitlich weitgehend sachlich – Anzeichen dafür, dass ein Schulterschluss von Schülern, Lehrern und Eltern möglich ist.

Das neue Konzept ist wohl auch alternativlos, wenn das Ende der Jarplunder Grundschule verhindert werden soll. Der kommunale Schul- und Sportausschuss setzte bereits ein einstimmiges Signal, um eine langfristige Planung zu gewährleisten. „Die Gemeinde Handewitt bekennt sich zum Erhalt des Schulstandortes Jarplund, soweit die entsprechenden schulgesetzlichen Vorgaben des Landes eingehalten werden“, heißt es im Empfehlungsbeschluss, der am 19. April dem Gemeinderat vorgelegt wird. Bürgermeister Thomas Rasmussen zeigt sich optimistisch: „Dieses Modell könnte unsere Schullandschaft bereichern.“

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erstellt am 26.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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