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Flensburger Frauenhilfe : Gemeinsames Haus für Einrichtungen gegen Gewalt an Frauen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie helfen Frauen, mit den schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens zurecht zu kommen - und arbeiten jetzt alle unter einem Dach: Frauenhaus, Frauennotruf, die Beratungsstelle Wilma und das Netzwerk KIK.

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 11:23 Uhr

Auf dem Papier sind sie schon lange unter einem Dach, jetzt trifft das auch ganz wortwörtlich zu: Frauenhaus, Frauennotruf, die Beratungsstelle Wilma und das Netzwerk KIK sind seit 2012 im Verein „Hilfe für Frauen in Not“ fusioniert. Jetzt sind die vier Einrichtungen in einer 170 Quadratmeter-Wohnung im Nikolaikirchhof 5 zusammengezogen, gleich neben der Kirche am Südermarkt.

Neun hauptamtliche Mitarbeiterinnen arbeiten hier gegen Gewalt an Frauen. Finanziert werden sie durch Mittel von Stadt und Land sowie durch Spenden. Nur das Frauenhaus ist an seinem alten Standort geblieben, aber verwaltet wird es vom Nikolaikirchhof aus. Entstanden sind hier großzügige, helle Räume, damit sich die Besucherinnen wohlfühlen. Einziges Problem: Für die alten Räume an der Harrisleer Straße sind noch keine Nachmieter gefunden, und derzeit muss der Verein doppelt Miete zahlen.

Die Beratungsstelle Wilma und das Frauenhaus richten sich an Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Das trifft nach ihren Zahlen auf etwa jede dritte bis vierte Frau zu. Dabei geht es um körperliche Gewalt, aber in der Beratungsstelle fassen die Mitarbeiterinnen den Begriff noch weiter: „Es gibt keine körperliche Gewalt ohne vorhergehende psychische Gewalt, bei der die Frau ihr Selbstbewusstsein verliert“, erklärt Kerstin Mützel.

Die meisten Frauen kämen von sich aus in die Beratungsstelle, wollten Beratung oder Hilfe. Es gebe aber auch Fälle, in denen die Mitarbeiterinnen von der Polizei benachrichtigt werden, sagt Mützel: „Immer dann, wenn die Beamten bei einem Fall häuslicher Gewalt das Gefühl haben, dass sich die Situation für die Frau wieder verschlechtern wird, sobald sie das Haus verlassen haben.“ Dann erhält der Täter eine sogenannte polizeiliche Wegweisung, muss seine Wohnung also für 14 Tage verlassen, damit die Frau die Möglichkeit hat, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Dann erhalten wir die Kontaktdaten der Frau und bieten ihr Hilfe an“, erklärt Suse Steinhoff. Etwa 600 Gespräche führen sie und ihre Kolleginnen pro Jahr. Darunter viele mit ehemaligen Frauenhaus-Bewohnerinnen, „denn die Schädigungen sind langfristig.“ Das treffe auch auf Kinder zu, denn die psychischen Folgen häuslicher Gewalt würden für die Kinder ebenso schlimm sein wie für ihre Mütter.

Beim KIK-Netzwerk – die Abkürzung steht für „Kooperations- und Interventionskonzept“ – arbeitet Ute Löcher für eine Vernetzung aller Einrichtungen und Institutionen in Flensburg, die sich mit dem Thema häuslicher Gewalt befassen. Der Frauennotruf dagegen setzt sich für Frauen ein, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Das müssen nicht immer Vergewaltigungen sein, auch Belästigungen und Berührungen können Traumata auslösen – häufig auch noch Jahre später, wie Frauennotruf-Mitarbeiterin Ursel-Marie Thomsen sagt. Ihre Klientinnen, wie sie sie nennt, kommen aus allen Bevölkerungsschichten. Nur Migrantinnen kommen kaum zu ihr: „Das Thema Sexualität ist in vielen Kulturen noch zu sehr tabuisiert.“ Thomsen und ihre Kollegin führen etwa 1000 Beratungsgespräche im Jahr, häufig leiten sie zu Psychologen weiter. Ebenso wie bei der Beratungsstelle Wilma muss übrigens hier niemand seinen Namen nennen, wie Thomsen sagt: „Hier können die Frauen vollkommen anonym bleiben.“

 

Wer Kontakt zum Frauennotruf aufnehmen will, kann montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr zur offenen Beratung kommen, unter 0461-90908200 anrufen oder eine Mail schreiben: frauennotruf@fin-flensburg.de. Kontakt zur Beratungsstelle Wilma und zum Frauenhaus gibt es unter 0461-90908220 bzw. 0461-46363. Wer für den Verein spenden will, kann auf das Konto mit der IBAN DE68217500000140116273 bei der Nord-Ostsee Sparkasse überweisen.

 

 

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