Metaller in Flensburg : Gemeinsam im Warnstreik

Vom Warnstreik ins Wochenende: Die Metaller an der Batteriestraße legten zwei Stunden die Arbeit nieder.
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Vom Warnstreik ins Wochenende: Die Metaller an der Batteriestraße legten zwei Stunden die Arbeit nieder.

Bei der FSG geben sich Kernbelegschaft, Leih- und Werkarbeiter solidarisch

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13. Januar 2018, 08:24 Uhr

Wenn der Flensburger IG-Metall-Chef schon um fünf Uhr vor dem Werfttor steht, dürfte der Tarifkonflikt der Metallindustrie in eine spannende Phase kommen. Gewerkschaftschef Michael Schmidt hatte die 650 Beschäftigten der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) gestern zu einem zweistündigen Warnstreik aufgerufen – und bis auf rund 30, die um 11.15 Uhr noch in einer Jubilarehrung waren, seien die Metaller ganz überwiegend dem Aufruf gefolgt. Sogar aus der Verwaltung, die an der Batteriestraße 200 Meter weiter Richtung Norden liegt: „Auch in der Verwaltung gibt es viele Frauen, die gerne das Recht auf Rückkehr zur Vollzeit hätten“, erklärte FSG-Betriebsratschef Ralf Sasse. Darum geht es in dem Tarifkonflikt nämlich neben der Forderung nach sechs Prozent Lohnzuwachs.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Schmidt wird nicht müde, die besondere Stimmung der Flensburger Werft (Organisationsgrad 83 Prozent) zu betonen. Nach Angaben von Betriebsratsvize Thomas Jansen seien tatsächlich alle rund 200 Leiharbeiter sowie immerhin 60 Prozent der 435 Kollegen, die über Werkverträgen an den Schiffen arbeiten, in den Warnstreik gezogen. Dabei ist es schwer vorstellbar, dass überall in der Belegschaft goutiert wird, wenn auf den Mitarbeiterparkplätzen immer mehr Autos aus Polen, Bulgarien oder Rumänien stehen.

Seit vergangenem Mittwoch jedenfalls sei die Stimmung wieder gut, sagt Ralf Sasse zur Nachricht über die beiden Schiffsbestellungen der TT-Line aus Tasmanien. Zuvor sei es schon eine schwere Zeit gewesen, seitdem Sanierer Rüdiger Fuchs mit Gewerkschaftern und Betriebsräten den Sanierungstarifvertrag bis 2019 aushandelten, dem 100 feste Jobs zum Opfer fielen und die für alle verbliebenen Kollegen 5,54 Prozent unter dem Tarifvertrag bedeuten.

Ob ein mögliches Verhandlungsergebnis überhaupt übernommen werde? „Natürlich“, sagt Michael Schmidt, „aber eben gut fünf Prozent unter der Fläche.“ Wenn Ende 2019 die Sanierung auslaufe, werde man aber zum alten Tarif zurückkehren.

Wenn es wirklich ernst werden sollte im Tarifkonflikt der Metaller: Ob ein echter, womöglich längerfristiger Streik in der besonderen Situation der Flensburger Werft überhaupt vermittelbar sei, wird Schmidt noch gefragt: „Auch die Automobilindustrie brummt ohne Ende“, sagt er und fragt zurück: „Wo ist es vermittelbar?“

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