Gemeinsam gegen den Krebs

Leitungsteam der Strahlentherapie am neuen Linearbeschleuniger (v.li.): Frank Ahrenberg (leitender Medizinphysiker), Dr. Carmen Timke (leitende Oberärztin), Dr. Hans-Jürgen Brodersen (Chefarzt) und Diana Nainzadeh (leitende MTRA).
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Leitungsteam der Strahlentherapie am neuen Linearbeschleuniger (v.li.): Frank Ahrenberg (leitender Medizinphysiker), Dr. Carmen Timke (leitende Oberärztin), Dr. Hans-Jürgen Brodersen (Chefarzt) und Diana Nainzadeh (leitende MTRA).

Zertifizierung des Onkologischen Zentrums Nord, neues Diagnosegerät und ein Linearbeschleuniger für 2,5 Millionen Euro für das St. Franziskus-Hospital

shz.de von
18. Juni 2015, 18:02 Uhr

Flensburg will mit den Entwicklungen in der Versorgung an Krebs erkrankter Menschen Schritt halten. Gleich drei Schritte ist das St. Franziskus-Hospital jetzt vorangekommen: die Zertifizierung des Onkologischen Zentrums Nord und die Anschaffung zweier hochmoderner Geräte.

Schwarz auf weiß liegt nun die erfolgreiche Arbeit dieses Zentrums vor, denn kürzlich gelang die Zertifizierung der onkologisch relevanten Abteilungen des Klinikverbundes durch die in Fachkreisen angesehene DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämato-/Onkologie). „Das bedeutet uns sehr viel, weil es zeigt, dass unsere Verfahrensabläufe und -standards den hohen Anforderungen der DGHO entsprechen. Und diese Anforderungen sind – auch im internationalen Vergleich – extrem hoch“, stellt Professorin Nadezda Basara heraus. Die Chefärztin der Medizinischen Klinik I am St. Franziskus-Hospital und Leiterin des Onkologischen Zentrums fügt hinzu: „Das Gelingen dieser Zertifizierung zeigt auch, wie sehr Franziskus und Diako in den letzten Jahren zusammengewachsen sind.“ Anderenfalls wäre eine Leistung, der intensive und verlässliche Vorbereitung vorausging, nicht möglich gewesen. „Alle Mitarbeiter aller onkologisch tätigen Teams im Klinikverbund haben ihren Beitrag geleistet“, freut sich auch Dr. Janka Benk, Oberärztin der Medizinischen Klinik I. Sie unterstreicht die Bedeutung aller Berufsgruppen und aller Fachabteilungen in der Behandlung von Krebserkrankungen.

Außerdem hat das St. Franziskus seine Ausrüstung um ein neues Diagnosegerät für die Onkologie, ein sogenanntes FACS (fluorescence-activated cell sorting, sprich: Fax), und einen neuen Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie erweitert. Das FACS arbeitet mit dem Messverfahren der „Durchflusszytometrie“ (Zytometrie bedeutet Zell-Vermessung). Dieses erlaubt die Analyse von Zellen, die in hohem Tempo einzeln an einer elektrischen Spannung oder einem Lichtstrahl vorbei fließen. Form, Struktur und Färbung der Zellen rufen unterschiedliche Effekte hervor, wodurch sich auf spezielle Eigenschaften der Zelle schließen lässt. Das Ergebnis sind quantitative Informationen über jede analysierte Zelle. Durch die Analyse einer großen Anzahl von Zellen innerhalb eines sehr kurzen Zeitintervalls erhält man schnell repräsentative Informationen über Zell-Populationen.

Die wesentliche Botschaft vermittelt Dr. Karen Rußwurm, Fachärztin der Medizinischen Klinik I am St. Franziskus-Hospital: „Der Nutzen für den Patienten liegt auf der Hand. Es ist der bei der Behandlung an Krebs erkrankter Menschen so wertvolle Faktor Zeit. Dieses Gerät vor Ort zu haben, spart uns ebendiese bei der Diagnosestellung.“ Bisher war ein aufwendiges Verschicken der Zellproben nach Kiel notwendig.

„Wir waren immer zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Kiel. Das Gerät direkt bei uns einsetzen zu können, bietet aber viele Vorteile“, macht Chefärztin Basara deutlich. Sie zeigt sich sehr dankbar, dass die Stefan-Morsch-Stiftung, die sich bereits mit einem hohen finanziellen Beitrag bei der Einrichtung der Stammzelltransplantationseinheit beteiligt hat, nun auch dieses Gerät finanziert.

Die Strahlentherapie am St. Franziskus schließlich ist um einen neuen Linearbeschleuniger vom Typ Siemens Artiste reicher. Er ersetzt ein älteres Gerät, das seit Herbst 2011 in Betrieb ist, und ist nahezu baugleich. Mittels Linearbeschleuniger werden die Tumore von Krebspatienten bestrahlt und unschädlich gemacht, währenddessen das gesunde umliegende Gewebe geschont wird.

Die sogenannte IMRT und IGRT-Technik (intensitätsmodulierte und bildgestützte Strahlentherapie) wird eingesetzt, wenn der Tumor sich in der Nähe besonders strahlenempfindlicher Organe befindet. „Die gesamte Palette hochmoderner Bestrahlungstechniken, wie zum Beispiel die intensitätsmodulierte Strahlentherapie mit bildgeführter Präzisionseinstellung mittels cone-beam CT vor jeder einzelnen Behandlung ist damit möglich“, zeigt sich Chefarzt Dr. Hans-Jürgen Brodersen begeistert. Im Falle eines Geräteausfalls steht zudem ein gleichwertiges Ersatzgerät zur Verfügung. „Der neue Linearbeschleuniger und die dazugehörige Planungssoftware haben einen Gesamtwert von 2,5 Millionen Euro. Diese große Investition zeigt, dass wir unseren onkologischen Schwerpunkt nachhaltig stärken und ausbauen werden“, ergänzt Klaus Deitmaring, Geschäftsführer der Malteser Norddeutschland gGmbH.

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