Schulden : Geldsorgen in der Neustadt am größten

Trauriger Spitzenreiter: In der Flensburger Neustadt ist die Überschuldungsquote am höchsten.
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Trauriger Spitzenreiter: In der Flensburger Neustadt ist die Überschuldungsquote am höchsten.

Der Norden bleibt mit einer Quote von knapp 27 Prozent das Sorgenkind der Stadt – auch im Umland steigen die Schuldner-Quoten.

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30. Januar 2015, 15:30 Uhr

Flensburg | Fast jeder sechste erwachsene Flensburger (16,4 Prozent) ist überschuldet, steht also Verbindlichkeiten gegenüber, die er durch sein Einkommen in absehbarer Zeit nicht begleichen kann. Die Schere klafft mit Blick auf einzelne Stadtteile weit auseinander – von 11,53 Prozent bis zu 26,80 Prozent. Diese Zahlen wurden gestern mit dem Schuldner-Atlas 2014/15 bei der Creditreform Flensburg vorgestellt.

Die Sorgenkinder der Stadt bleiben die Neustadt und die Nordstadt mit einer Schuldner-Quote, die im Jahresvergleich zwar leicht, um 0,28 Prozent gesunken ist, mit 26,8 Prozent aber immer noch extrem hoch ist. Mehr als jeder vierte Bewohner dieser Stadtteile ist überschuldet, mit den meisten von ihnen hängen ganze Familien in der Schuldenfalle. Die wenigsten Überschuldeten (11,53 Prozent) gibt es auf dem Sandberg, in Jürgensby, Fruerlund, Engelsby und Tarup, dort ist aber ein leichter Anstieg zu verzeichnen (+0,13). „Von einer Trendwende, von einem Schließen der Schuldenschere kann man aber noch nicht reden, die Unterschiede innerhalb der Stadt bleiben extrem“, sagt Michael Bretz, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, der die Zahlen erläuterte.

Stagnierend ist die Quote für Weiche und den Friesischen Berg (12,85). Mürwik, im Jahr 2011 mit 10,61 Prozent noch der Stadtteil mit der niedrigsten Quote, muss einen leichten Zuwachs der Verschuldeten verkraften, um 0,18 auf 13,14 Prozent. Geringe Zunahmen – um 0,08 auf 16,81 Prozent – gibt es auch in den Stadtteilen Westlichen Höhe, Altstadt und Südstadt.

Der Zuwanderung und den steigenden Studentenzahlen ist es zu verdanken, dass Flensburg zu den fünf Kreisen und kreisfreien Städten des Landes mit stagnierenden statt wachsenden Quoten zählt. Doch in absoluten Zahlen ist die Zahl der Überschuldeten auch in Flensburg gestiegen, um 1,5 Prozent von 11  459 auf 11  628 Bürger. Die Mehrheit von ihnen (55,4 Prozent, 6438 Personen) zählt zu den Überschuldeten mit ungünstiger Prognose durch harte Merkmale wie gerichtliche Einträge, Eintrag in die Schuldnerverzeichnisse oder Antrag auf Privatinsolvenz. Diese Gruppe hat überproportional zugenommen, seit dem Jahr 2006 sogar um 13 Prozent.

Im Ranking der Kreise und kreisfreien Städte liegt Flensburg nach Neumünster (16,94 Prozent) auf dem zweitschlechtesten Platz. Etwas besser ist die Lage in den anderen großen Städten Lübeck (15,59) und Kiel (12,03). Nicht gut sieht es im Flensburger Umland aus. In Schleswig-Flensburg stieg die Schuldner-Quote um 0,22 auf 10,67 Prozent, in Nordfriesland um 0,23 auf 10,32 Prozent. Die Zahl der Personen mit harten Merkmalen hat in Schleswig-Flensburg seit 2006 um 25 Prozent, in Nordfriesland um 14,2 Prozent zugenommen. Beide Kreise liegen aber unter dem Landesschnitt von 11,01 Prozent, der in absoluten Zahlen 257  497 Menschen entspricht. Mit einer Entspannung rechnen die Experten nicht. „Besonders in der Neustadt bleibt die Überschuldung ein prekäres und komplexes Problem“, sagt Sven Torben Hanisch, Geschäftsführer der Creditreform Flensburg.

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