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Ärger mit Flensburg School : "Gekaufte" Doktorarbeiten? Uni weist Absolventen ab

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Die Uni verweigert Absolventen der Flensburg School die Einschreibung als Doktoranden. Sie hegt Zweifel an der Eigenständigkeit der Arbeiten - und bangt um ihren Ruf.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 01:03 Uhr

Flensburg | Die Sektkorken knallten, als 2008 ihre Eröffnung gefeiert wurde. Die Gründer der Flensburg School und die Universität als Kooperationspartner klopften sich gegenseitig auf die Schultern, lobten das innovative Konzept einer berufsbegleitenden Weiterbildung als Vorbereitung auf eine Promotion. Doch es hat sich ausgefeiert. Von Kooperation ist schon lange nichts mehr zu spüren - im Gegenteil: Zwischen der Weiterbildungseinrichtung Flensburg School und der Uni brodelt es mittlerweile gewaltig.
Der Stein des Anstoßes: Ein kürzlich auf der Homepage der Uni Flensburg veröffentlichter Senatsbeschluss mit dem Titel "Flensburg School betreibt nicht zulässige Promotionsberatung". Der Senat bewertet die Einrichtung darin als "Institution, die Promotionsberatung betreibt" und "geldwerte Leistungen für Arbeiten erhält, die im Rahmen der Erstellung von Dissertationen einfließen". Mit anderen Worten: Hier werde dem Doktortitel finanziell auf die Sprünge geholfen. Deshalb wird Absolventen der Flensburg School das anschließende Promotionsverfahren an der Uni verweigert - so jüngst im Fall von Frau P. geschehen, deren Antrag nach Angaben der Flensburg School abgelehnt wurde.

42.000 Euro für Unterstützung


In der Tat zahlen die Absolventen der Flensburg School eine Menge Geld für ihre zweieinhalbjährige, meist berufsbegleitende Weiterbildung: 42.000 Euro. Dafür werden sie methodisch und wissenschaftlich auf das Abfassen einer Doktorarbeit im Bereich der Wirtschaftswissenschaften vorbereitet, sollen also die Promotionsfähigkeit erlangen, heißt es in den Statuten. Die eigentliche Promotionsschrift soll allerdings erst nach Abschluss der Weiterbildung an einer staatlichen Hochschule verfasst werden - normalerweise beim gleichen Betreuer.
Das Curriculum der Flensburg School wirkt umfangreich. In regelmäßigen Präsenzblöcken stehen Kurse zu "Wissenschaftlichem Schreiben", "Karrierechecks" oder Präsentationen auf Forscher-Tagungen an. Kontinuierlich müssen Leistungsnachweise erbracht werden. "Wurden diese nicht oder nur unzureichend abgelegt, mussten die Teilnehmer auch mit einer Beendigung rechnen", betont Werner Fröhlich, Gründer der Flensburg School und Management-Professor an der Uni Flensburg. Er hat bereits 2010 nach ersten Querelen alle Ämter an der Weiterbildungseinrichtung niedergelegt, kämpft aber weiterhin für deren Anerkennung. "Die Absolventen haben jahrelang auf hohem Niveau geforscht und jetzt heißt es plötzlich, wissenschaftliche Standards seien nicht eingehalten - das kann doch nicht wahr sein", echauffiert er sich und verweist auf das ursprünglich gemeinsam mit der Universität ins Leben gerufene Projekt. Der Gedanke war damals, zukünftigen Promovenden eine bessere Betreuung und Vorbereitung zu ermöglichen, als es an einer herkömmlichen Universität mit begrenztem Etat und Zeitbudget der Professoren möglich sei, erläutert Fröhlich. "Wir haben die Flensburg School doch gerade gegründet, um kriminellen Machenschaften von Promotionsberatern etwas entgegenzusetzen." Aufgrund ständigen Streits mit der Uni hat der Vorstand allerdings beschlossen, das Angebot zu diesem Sommer auslaufen zu lassen.

"Öffentlichkeit durch Plagiatsaffären sensibilisiert"


"Wir können das Ansehen unserer Universität nicht riskieren", begründet ihr Präsident Werner Reinhart die Abkehr vom einstigen Partner. "Gerade jetzt, da die Öffentlichkeit durch Plagiatsaffären sensibilisiert ist." Die Höhe der Kosten und die Intensität der Betreuung sei der Uni beim Eingehen der Kooperation nicht klar gewesen. Obwohl bereits seit 2009 keine vertragliche Bindung mehr bestehe, erwecke die Flensburg School immer wieder den Eindruck einer Verflechtung. "Die haben sich an keinerlei Absprachen gehalten", erklärt Reinhart. In einem konkreten Fall sei kurz nach der Anmeldung des eigentlichen Promotionsverfahrens eine fast fertige Doktorarbeit vorgelegt worden. Das lasse Zweifel an der Eigenständigkeit der Leistung aufkommen. Er kritisiert auch, dass Promotionen im Anschluss an die Weiterbildung nur an der Flensburger Uni mit möglichst demselben Betreuer erfolgen könne. Ein Aspekt, den auch der Hochschulverband hinterfragt. "Letztlich muss man seinen Doktorvater von seinem Vorhaben überzeugen - das ist eine individuelle Geschichte", sagt dessen Sprecher Matthias Jaroch.
Leidtragende des offenbar auch mit persönlichen Animositäten gewürzten Streits sind die Absolventen, die viel gezahlt haben und nun mit leeren Händen dastehen. Wie Frau P., die eine Klage erwägt. "Für sie ist es ein persönliches Drama", sagt Maja Laumann, Vorsitzende des Trägervereins der Flensburg School. Denn durch die Ablehnung sei die Reputation stark geschädigt. Kein gutes Aushängeschild, um es bei anderen Hochschulen zu versuchen. Und nach Frau P. werden noch viele weitere Absolventen der Weiterbildung ihre Promotion auf dem Sandberg ablegen wollen.
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