Frühere Flensburger Klinik : „Geisterhaus“ erwacht zu neuem Leben

Diese Animation vermittelt einen Eindruck davon, wie das Gebäude sich präsentieren wird.
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Diese Animation vermittelt einen Eindruck davon, wie das Gebäude sich präsentieren wird.

Das historische Mehrfamilienhaus Wrangelstraße 4 wird nach Jahrzehnten des Verfalls komplett saniert.

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09. Juli 2015, 12:20 Uhr

Flensburg | Jahrelang lag es im Dornröschenschlaf – und verfiel. In dem einst schmucken Haus Wrangelstraße 4 nistete hartnäckig der Schwamm. Bis Ende der sechziger Jahre diente die frühere Klinik noch als Wohngebäude, dann wurde es an einen Makler verkauft. Seitdem haben sich diverse Besitzer daran versucht – ohne Erfolg. Doch der neue Eigentümer macht nun Nägel mit Köpfen. In das „Geisterhaus“ auf der Westlichen Höhe kehrt das Leben zurück.

Was Stefan Densch sah, verschlug ihm die Sprache. Und viele hätten sich mit Grausen abgewandt: Zerschlagene Fenster in der denkmalgeschützten neugotischen Fassade, verrottete Böden, zertrümmerte Waschbecken und Duschen. Doch abschrecken konnte ihn das nicht. Ende 2013 erwarb eine extra gegründete GmbH als Tochterunternehmen von Densch    &    Schmidt in Verbindung mit der Baufirma Davidsen, die auch als Generalunternehmer zeichnet, das marode Gebäude. Ihre Mission: Totalsanierung!

Im Sommer des nächsten Jahres wurde mit der – bis auf wenige Elemente – kompletten Entkernung begonnen. Jetzt wuseln unablässig Handwerker auf der Baustelle herum – und schon bald sollen hier sieben hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. Derzeit werden die alten Fenster an dem seitlichen Zugang in ihrer Original-Größe wiederhergestellt. Eine freiwillige Leistung des Bauträgers, während die Gestaltung der Front in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz vonstatten geht.

Denn es handelt sich bei dem von dem Flensburger Architekten Alexander Wilhelm Prale entworfenen Werk um ein Kulturdenkmal mit besonderer Bedeutung. „Alte Bausubstanz bleibt also erhalten“, betont Densch.

Nachbarn wie Jörg Stahl zeigen sich erleichtert. „Wir sind alle sehr froh, dass hier endlich etwas passiert“, sagt der Eigentümer des Hauses Wrangelstraße 6. „Und ich habe den Eindruck sowie die Hoffnung“, dass es sehr ordentlich wird“. Denkmalschützer Eiko Wenzel kann dem nur beipflichten. „Das Haus war Anlaufpunkt für Vandalismus, Teile drohten ständig auf das benachbarte Grundstück zu stürzen.“ Insofern sei er froh, dass diese „Belastung für die gesamte Straße“ bald ein Ende haben werde. „Bis auf die geschützte Fassade gibt es an dem mehrfach gründlich umgebauten Haus nichts Erhaltenswertes.“

Die Gesamtwohnfläche des Objekts beträgt 1000 Quadratmeter, wobei die sieben entstehenden Wohnungen zwischen 110 und 220 Quadratmeter groß sind. Letzteres gilt für das Penthouse: Von der Dachterrasse führt eine Treppe zur Skylounge, der Blick wandert über die Förde bis hinüber nach Dänemark. „Hier würde ich auch gern wohnen“, entfährt es Stefan Densch bei einem Rundgang. Er weist nach oben. Die lichte Raumhöhe von gut drei Metern wurde beibehalten, allerdings sind die Decken nicht mehr aus Holz, sondern aus Stahlbeton. Der gesamte Komplex ist barrierefrei gestaltet, ein Fahrstuhl gehört dazu.

Gärten sollen nicht nur zur Wrangelstraße hin, sondern auch auf dem rückwärtigen Gelände angelegt werden, wo jetzt noch zwei Stadthäuser stehen. „Die reißen wir ab“, kündigt Densch an. Auch neun Garagen befinden sich hier – sie werden nachgerüstet, so dass sie dem heute üblichen Standard entsprechen. Während mit der Fertigstellung im 4. Quartal dieses Jahres gerechnet wird, will Densch  &    Schmidt mit der Vermarktung unmittelbar nach Abschluss des Rohbaus Anfang August beginnen. Sorgen über Abnehmer machen sich die Investoren nicht: „Wir haben bereits über 70 Anfragen.“

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