Holmpassage Flensburg : Geisterhand auf dem Damen-WC: Kundin empört sich über Rollenwechsel

Corpus delicti: Nur auf der Damentoilette können die Rollen von hinten getauscht werden. Die Herren dürfen sich sicher fühlen.
Corpus delicti: Nur auf der Damentoilette können die Rollen von hinten getauscht werden. Die Herren dürfen sich sicher fühlen.

Als Anne M. die Toilette in der Holmpassage benutzte, öffnete sich plötzlich die Verkleidung des Klorollenhalters.

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19. Mai 2018, 05:46 Uhr

Flensburg | Anne M. (Name geändert) ist immer noch geschockt. Sie hatte vor einigen Tagen beim Gang durch die Fußgängerzone ein dringendes Bedürfnis verspürt. Da die öffentlichen Toiletten in der Stadt rar gesät sind, war sie froh über die Alternative in der Holmpassage. Schnell die Treppen hinauf, Tür zu und ab aufs WC.

So weit, so gut... Doch statt der erhofften Erleichterung spielte sich vor den Augen der Flensburgerin nun eine filmreife Szene ab, die Assoziationen an eine unfreiwillige Peep-Show wachruft. Der Schreck sitzt tief.

Noch während sie die Toilette nutzte, vernahm sie unversehens ein metallisches Geräusch, dann tat sich plötzlich neben ihr in Höhe der Halterung für die Klopapierrollen ein heller Lichtschein auf. Eine Hand erschien in der Öffnung. „Ich konnte es nicht fassen“, schildert die entsetzte Kundin, die sich auf dem Örtchen allein und ungestört wähnte. Denn die Tür hatte sie selbstredend verschlossen. „Ich rechnete doch nicht damit, gesehen zu werden.“

Um der Sache auf den Grund zu gehen, bückte sich Anne M. ein wenig – und sah in ein Gesicht. Sekundenlang blickten zwei Augenpaare sich ungläubig an, dann verschwand der Spuk so schnell, wie er gekommen war. Dennoch, behauptet die überraschte WC-Gängerin, habe die Mitarbeiterin tatsächlich noch schnell und pflichtbewusst die Papierrollen gewechselt.

„Das ist sehr unglücklich gelaufen“

Was steckt – im wahrsten Sinne des Wortes – dahinter? Hinter den Wänden mit dem Toilettenpapier gibt es einen rückwärtigen Raum. Von dort aus kann eine Metallplatte abgenommen werden, um die Rollen auszutauschen. Das ist natürlich nur bei unbesetzten Kabinen vorgesehen, versichert Gerda Thomas, Geschäftsführerin der Holmpassage, die zum Jahreswechsel 2016/17 von der Corestate Capital Group (Luxemburg/Frankfurt) übernommen worden war. Ihr ist der Zwischenfall inzwischen auch zu Ohren gekommen. „Das ist sehr unglücklich gelaufen.“ Allerdings gehe sie zu 100 Prozent davon aus, „dass so etwas zuvor noch nie vorgekommen ist“. Sie habe nun Anweisung an das Personal gegeben, den Rollentausch nur noch morgens vorzunehmen, bevor die Türen sich öffnen oder aber, wenn nötig, wenn man sich zuvor felsenfest überzeugt habe, dass die Kabine nicht belegt ist. Der Raum sei im Übrigen Fremden nicht zugänglich.

Anne M. lässt den Vorfall nicht auf sich beruhen. Sie ging zur Mobizentrale, um zu fragen wer für die Toiletten zuständig ist. Später rief sie noch bei der Polizei an und fragte, was in diesem Fall zu tun sei. „Ich finde, so etwas geht gar nicht!“, schimpft sie. „Schließlich arbeiten auch Männer dort.“ Sie mag sich gar nicht vorstellen, wie oft sie oder andere Gäste schon beobachtet wurden, ohne es zu bemerken.

In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, die Kundin sei sofort zur Polizei gegangen. Später stellte sie aber klar: Sie ging zur Mobizentrale und rief später bei der Polizei an. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert. Außerdem wurde ihr Name geändert.

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