zur Navigation springen

Baustellen in Flensburg : Geisterfahrer im kontrollierten Chaos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Täglich gibt es Falschfahrer-Alarm auf der Tangenten-Baustelle in Flensburg - und die Ausweichstraßen leiden unter Verkehrslast.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Flensburg | Die inzwischen angelaufenen Sanierungsarbeiten des Landesbetriebs Verkehr an der südlichen Osttangente haben die erwarteten Verkehrsprobleme nach sich gezogen. Die verbliebenen Wege nach und aus Flensburg sind zur Rushhour verstopft, dazwischen läuft’s zäh. Und das ist erst der Anfang. Heute beginnt das Technische Betriebszentrum auf der Westlichen Höhe mit eigenen Straßensanierungsarbeiten.

Zwei Testfahrten. Es ist 10.15 Uhr. Auf ins Abenteuer Tangente! Startpunkt ist die Westliche Höhe – jener Stadtteil also, der über Monate durch synchronisierte Ausgrabungen vom übrigen Stadtgebiet fast hermetisch abgeriegelt war. Übrig geblieben sind Baustellen und Barrikaden an Wrangel- und Goerdelerstraße, heute ist die Mühlenstraße dran. Nun geht es über die Emil-Nolde-Straße mit Tempo 30 via Marienallee zur B200. Grüne Welle, grüner Pfeil, freie Fahrt. Rechts ab Richtung Flensburg-Süd. Jetzt müsste er kommen, der Stau. Doch das Schild „Starke Verkehrsbehinderung“ steht in krassem Widerspruch zur Realität. Der Verkehr fließt wie zu besten Tagen, nur vereinzelt sind Bauarbeiter und TBZ-Fahrzeuge zu sehen. Die Autofahrer fädeln sich ohne Hast in die Abbiegespur zum Fördepark ein. Erst in der Schleswiger Straße wird es zähflüssig, der Stau reicht von der Ampel am Brauereiweg bis hoch zur Eisenbahnbrücke. Aber selbst das ist nicht ungewöhnlich. Das Verkehrs-Chaos, es ist ausgeblieben – zumindest an diesem Vormittag.

Sechs Stunden später, eine andere Route, ähnliche Erkenntnisse. Von Tarup nach Westen, Richtung Fördepark geht es erstaunlich flott. Eigentlich sollte im Zuge des beginnenden Feierabendverkehrs die gewohnte Blechlawine unterwegs sein, aber die Osttangente ist so leer wie eine dänische Provinzstraße nachts um halb eins. Wo sind die ganzen Leute? Zwei Kreuzungen weiter, Eckernförder Landstraße, Ecke Schleswiger Straße wird es klar: Hier sind die ganzen Leute! Ein Lindwurm von Autos quält sich zu Tal, mit Auflockerungen reicht der Rückstau bis zum Förde Park. Dort herrscht permanent dicke Luft. Der Kundenverkehr kommt nicht vom Parkplatz weg. Immer wieder versuchen genervte Autofahrer ein Last-Minute-Ticket auf die Kreuzung zu lösen. Wildes Gehupe, gebührenpflichtige Gesten, Stillstand sind die Folge.

Und das alles nur aus einem Grund: Seit Montag geht es auf der Osttangente zwischen Abfahrt Förde Park und Kreuzung Eckernförder Landstraße nur noch einspurig in Richtung Westen voran. Wer in die andere Richtung will, muss ausweichen. Schleswiger Straße, Husumer Straße, die B 199 im Bereich Friedenshügel, schlimmer noch im Teilstück Zur Exe ächzen unter dem zusätzlichen Verkehrsaufkommen. „Es ist zur Zeit nicht einfach“, sagt Polizeisprecher Matthias Glamann.

Bislang gab es für die Polizei bei Einsatzfahrten keine Probleme, schnell ans Ziel zu kommen. „Die Leitstelle gibt bei jeder Fahrt Navigationshilfe “, sagt Glamann. Die hätten einige Autofahrer gut gebrauchen können, die als Geisterfahrer strandeten. Die Polizei hat es seit Montag reihenweise mit Falschfahrern zu tun, von denen allerdings nicht alle irrtümlich in Schwierigkeiten geraten sind. Seit der Absperrung am Sonntag registrieren Glamann und seine Kollegen mehrfach täglich Falschfahreralarm. Ein Golf, der auf der Südspur Richtung Norden fuhr, rückwärts fahrende Autos, ein verirrtes Paar auf der falschen Spur unterwegs zur B 200 – und immer wieder auch vorsätzliche Verkehrsverstöße. Glamann berichtet von einer Kolonne von zehn Autos, die die Absperrung auf der Tangente durchbrochen hatte. Das war am Montag. Am Dienstag waren es sieben Fahrzeuge, die in den Gegenverkehr geraten waren.

Auch der ÖPNV leidet. „Montag war der schlimmste Tag“, berichtet eine Mitarbeiterin in der Fahrdienstleitung der Afag. Die ist mit ihren Linien 14 und 15 besonders betroffen. Um den Fahrplan halbwegs zu halten, wurde ein zusätzlicher Bus am ZOB stationiert, der wartende Passagiere aufnimmt, falls der reguläre Bus im Stau steckt. Der Stand-by-Bus wird bis Freitag im Einsatz bleiben.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen