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Honig-Manufaktur : „Geile“ Idee: Bienen zu vermieten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier junge Leute gründeten 2013 die Manufaktur „Geiler Honig“ zwischen Flensburg und Glücksburg – und offerieren bald ein neues Angebot. Die Miete eines Völkchens Geiler Bienen für drei Monate kostet 280 Euro.

Munkbrarup | Der Rotwein-Honig ist durchgefallen. Er habe sehr nach Beeren geschmeckt, urteilt Jan Nissen. Am Espresso-Honig feilen der 38-jährige Flensburger und seine drei Mitstreiter noch, auch Sanddorn und Himbeere könnten funktionieren als Geschmacksvarianten. Die klassischen Erstlinge Raps und Sommerblüte jedenfalls gingen weg wie warme Semmeln – unter dem Label „Geiler Honig“. Geil heißt die Gegend und die Adresse der Honig-Manufaktur zwischen Bockholmwik und Rüde.

Der Name ist Programm. Und: „Er lag auf der Hand“, sagt Kristina Nissen und spricht für die vier Freunde. „Den konnte man sich erlauben“, findet die 35-jährige Grafikerin, die gerade schicke, neue Etiketten entwirft für die nächste Honig-Kollektion. Der „homemade“-Style mit selbst ausgeschnittenen Schildchen, die an einem per Hand angebrachten Bändsel hingen, soll mehr Professionalität weichen. Die 80 Kilogramm Honig aus dem ersten Jahr 2013 konnten die vier Freunde noch mit vereinten Kräften ins Glas und dann unters befreundete Volk bringen. Doch in diesem Jahr rechnen sie mit mindestens 200 Kilogramm. Der Bedarf sei da – und zwar nicht nur der Eigenbedarf.

„Wenn ich Rentner bin, möchte ich ein bisschen imkern“, erinnert sich Jan Nissen daran, wie die Geiler-Honig-Geschichte anfing. Kristina habe Sebastian Krupp von diesem Wunsch erzählt, und dieser fragte dann auf einer Party zurück, ob Jan nicht Platz für ein Bienenvolk hätte. Aus einem sind inzwischen zehn geworden. Auf dem Hof der Nissens sind noch zwei davon zu Hause; die übrigen haben die Nachwuchs-Imker auf die Bio-Höfe in der Umgebung verteilt, sagt Kristina Nissen. „Auf dem Land blüht eigentlich nur noch Raps“, erläutert der 36-jährige Sebastian Krupp und bedauert, dass auch die Straßenränder gemäht werden.

Die Raps-Ausbeute der Bienen trennen die vier Freunde. Für die Sorte Sommerblüte danach ergab die Analyse unterm Mikroskop, dass die fleißigen Bienen aus Geil auch vom Spargel und von Erdbeeren genascht haben. Im ersten Jahr und durchs Verteilen der Völker in der Umgebung haben die Manufaktur-Gründer ihre Bienen vor dem Verhungern bewahrt, und auch gegen die Varroamilbe haben sie ein striktes Konzept eingeführt, das den Neulingen zum Glück Ausfälle erspart hat.

„Man hat in der Stadt einen höheren Honigertrag“, weiß der gebürtige Hamburger Krupp, der mit Bienen gewissermaßen aufgewachsen ist, weil sein Vater mehrere Bienenvölker hat. Krupp bringt von Hause aus und auch berufsbedingt die meiste Expertise ins Quartett. Als Landwirtschaftsmeister habe er sich während seiner Ausbildung mit Bienen beschäftigt. Seine Frau Bernadette Krupp (35) ist die vierte und die Marketing-Fachfrau im Bunde der Bienen- und Honigfreunde.

„Wir wollen die Biene den Menschen näher bringen“, erklärt Jan Nissen. Und deshalb haben die vier Freunde eine Idee ausgeheckt, die nach Angaben des Deutschen Imkerbundes von 2003 und aus Bayern stammt und nach den Worten des Präsidenten des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker Bundes, Manfred Hederer, regional immer wieder neu aufgegriffen werde: die Vermietung von Bienenvölkern.

Ab Mai kann jeder Interessent für drei Monate ein Bienenvolk mieten und zu Hause im Garten, auf dem Balkon oder Flachdach unterbringen, sagt Sebastian Krupp, der als Unternehmensberater für landwirtschaftliche Betriebe tätig ist. Zuvor werden die Geiler Imker ihre zehn Völker auf 20 verdoppeln. Das geschieht, indem „man die Bienen dazu bringt, eine neue Königin zu ziehen“, weiß Jan Nissen. Und abhängig vom Nahrungsangebot und Enge im Stock sei die alte Königin weg, kurz bevor die neue schlüpft. „Der Mieter hat keinerlei Arbeit am Bienenvolk; er könnte auch in die Ferien fahren“, erklärt Krupp. Oder aber den Bienen beim Ein- und Ausfliegen zusehen.

Den Standort – geschützt und nach Süden – helfen die Experten mit auszusuchen. Angst brauche man keine zu haben, man sollte sie nur nicht stören, beruhigt Kristina Nissen, Mutter einer kleinen Tochter. Und ihr Mann Jan ergänzt, dass Bienen oft mit Wespen verwechselt werden. Doch seien Wespen Räuber, während Bienen sich nur für Blüten interessierten. Die Miete eines Völkchens Geiler Bienen für drei Monate koste 280 Euro, und als „Belohnung“, so formulieren die Freunde, gebe es bis zu 15 Kilogramm Honig. Und man ist den Bienen und dem Imkern ein Stück näher.

In Kürze freigeschaltet: www.geilerhonig.de

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erstellt am 30.Mär.2015 | 14:30 Uhr

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