Serie: Tipps von der Diako : Gehirnerschütterungen unbedingt auskurieren

Beim Fahrradfahren oder Inline-Skaten sollte stets ein Helm getragen werden.
Beim Fahrradfahren oder Inline-Skaten sollte stets ein Helm getragen werden.

Wiederholte Gehirnerschütterungen stehen im Verdacht, Depressionen, Demenz und Alzheimer auszulösen

shz.de von
09. August 2018, 06:36 Uhr

Der Sommer ist die schönste Jahreszeit. Doch es gilt, bestimmte gesundheitliche Risiken zu beachten. Experten der Diako geben Ratschläge, wie man Gefahren begegnet. Heute: Mögliche Folgeschäden und Verhaltensregeln im Falle einer Gehirnerschütterung.„Viele nehmen Gehirnerschütterungen immer noch nicht richtig ernst“, warnt Dr. Thorsten Lange, Chefarzt der Orthopädie, Sport- und Unfallklinik der Diako. Dabei sei die Gehirnerschütterung eine sehr häufige Verletzung in der Freizeit und beim Sport, gerade auch in den Kontaktsportarten wie Fußball und Handball. Und mit hohen Risiken und Langzeitfolgen verbunden. „Das ist vielen Spielern gar nicht klar, die trotz eindeutiger Symptome oft sogar gleich weiterspielen wollen.“ Zu den Symptomen zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.

„Wenn der Spieler nach einem Zusammenprall einfache Fragen nach dem Spielort oder dem letzten Torschützen nicht beantworten kann, sind das eindeutige Hinweise auf eine Gehirnerschütterung“, sagt Thorsten Lange, der als Mannschaftsarzt auch den deutschen Handball-Meister SG Flensburg-Handewitt betreut. Der Betroffene sei dann sofort aus dem Sportbetrieb zu nehmen. „Das Prinzip gilt bereits bei bloßem Verdacht: When in doubt – take him out“, sagt der Sportmediziner. „Wenn der Spieler dann selbst nicht vom Platz will, sind Trainer, Betreuer oder auch die Eltern gefragt.“ Ein berühmtes Beispiel ist der deutsche Nationalspieler Christoph Kramer, der nach einem Zusammenprall im WM-Finale 2014 nicht mehr wusste, dass er im Endspiel stand und noch 15 Minuten weiterspielte, bis man ihn auswechselte.

Später konnte er sich an nichts mehr erinnern, denn auch Gedächtnislücken gehören zu den Symptomen einer Gehirnerschütterung. Zum Glück finde hier derzeit ein Umdenken statt, so der Mediziner. Die Betroffenen sollten nicht allein gelassen und möglichst in ruhiger Umgebung – ideal wäre ein abgedunkelter Raum – hingelegt werden. Weitere Warnzeichen sind Nackenschmerzen, eine zunehmende Verwirrtheit und Reizbarkeit, wiederholtes Erbrechen und eine Verschlechterung des Bewusstseinszustandes.

„Wenn kein Arzt vor Ort ist, sollte bei diesen eindeutigen Symptomen ein Notarzt oder ein Rettungswagen für den Transport in ein Krankenhaus gerufen werden“, rät Lange. „Eine schwere Gehirnerschütterung gilt es besonders ernst zu nehmen. Daher bleiben diese Patienten in der Regel für etwa 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus.“

Eindringlich warnt der Chefarzt vor Langzeitfolgen, vor allem, wenn Gehirnerschütterungen auf die leichte Schulter genommen und nicht richtig auskuriert werden. So stehen wiederholte Gehirnerschütterungen sogar im Verdacht, Depressionen, Demenz und auch Alzheimer auszulösen. Nach einer Gehirnerschütterung besteht für einige Zeit zudem ein deutlich erhöhtes Risiko, eine weitere Verletzung zu erleiden. Wichtige Voraussetzung für die Genesung ist, dass sich der Betroffene ausreichend schont. „Absolute Ruhe, abgedunkelter Raum, kein Smartphone, kein Fernsehen.“

Besondere Beachtung sollten Eltern einer Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys schenken. „Säuglinge und Kleinkinder können ihre Beschwerden noch nicht äußern, daher ist es für Eltern besonders wichtig, ihr Kind nach einem Sturz oder Unfall genau zu beobachten“, betont Thorsten Lange.






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