Führung in Flensburg : Geheimnisse der nördlichen Altstadt

Darf nicht fehlen – das Nordertor.
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Darf nicht fehlen – das Nordertor.

Neue Stadtführung unter der Leitung von Rotraut Sembal-Klang führt in versteckte Winkel zwischen Duburg und Nordertor

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08. November 2017, 06:19 Uhr

In idyllische Winkel von Flensburgs nördlicher Altstadt, auf steile Treppenwege und versteckte, von alten Bäumen beschattete Wege führt Gästeführerin Rotraut Sembal-Klang die interessierte Gruppe Hiesiger und Reisender. Neu im Programm der Tourismus-Agentur ist die Stadtführung „Flensburg hinter den Kulissen“, die zwischen der Norderstraße, dem westlichen Steilufer und dem Nordertor auch vielen Flensburgern unbekanntes Terrain eröffnet.

Treffpunkt ist vor dem von der dänischen Minderheit genutzten Aktivitetshuset in der Norderstraße. Die lange Achse Norderstraße, Große Straße, Holm, von denen beidseitig die Höfe abgehen wie Gräten bei einem Fisch: „Flensburgs Altstadt hat die Form eines Bratherings“, erklärt Sembal-Klang lächelnd. Liebevoll sanierte, farblich gefasste Häuser säumen die Straße. In dicken Bündeln baumeln über den Köpfen die weit über die Stadtgrenzen berühmten hängenden Schuhe, die es schon fast zum Flensburger Wahrzeichen geschafft haben und Anlass sind für allerlei Anekdoten. Doch Flensburgs historischer Norden hat noch mehr Geheimnisse zu bieten: Versteckt in Haus- und Hofeingängen, zu Füßen von Treppen gibt es immer wieder niedliche gemalte Katzen zu entdecken, mal kuschelig schlafend zusammengerollt, mal fröhlich keck. An der einstigen Rotlichtmeile des Oluf-Samson-Ganges auch kokett mit Stola. Ein geheimnisvoll unbekannter Maler oder eine Malerin mit den Initialen N.M. soll nachts, wenn alles schläft, die kleinen Kunstwerke erschaffen.

Der bezaubernden Atmosphäre des Oluf folgen in Etappen die 146 Stufen der Marientreppe hinauf zur westlichen Höhe. Zu entdecken sind verwunschene kleine Wiesen, alte Obstbäume, immer wieder Treppen, die Puppenstuben-Idylle der rückseitigen Hinterhäuser, Gärtchen und Höfe, der Blick auf den Turm der Marienkirche. Es beginnt zu dämmern an diesem Novembernachmittag. Erste erleuchtete Fenster verstärken den schummerigen Zauber. Buntes Herbstlaub schmückt den Rummelgang, hoch im Baum ruft eine Elster. Am Fuß der Höhe, auf der Hausherrin Margarethe in der Duburg residierte, lässt Sembal-Klang das mittelalterliche Flensburg wieder auferstehen. Weiter hinauf geht es zu den Straßen, die an Flensburgs Burgenzeit erinnern: Schloßwall, Ritterstraße, Burgfried.

Weit streift der Blick von der Aussichtsplattform an der Duborg-Skole über die Förde bis zum dänischen Ufer. „Hier geht es für die Segler hinaus in die dänische Südsee“, weckt die Stadtführerin einen Hauch Sommersehnsucht. Sie erklärt die spannende eiszeitliche Geologie der Förde. Flensburg habe 23 Bäche und viele Brunnen: „Als damals in der Abendstille die Brunnen plätscherten – das muss unglaublich gewesen sein.“ Flensburg habe ein ausnehmend gutes Fließwassersystem und sehr gutes Wasser.

An der idyllisch steilen Schloßstraße mit ihren bunten Häusern erinnert Sembal-Klang an die hier einst stehende St. Gertrud-Kirche, die viele soziale Aufgaben, etwa die Versorgung der Pestkranken, übernommen hatte und mit der Reformation „verschwand“. Dicht vorbei an einem schön instand gesetzten Haus mit Spitztonnendach zweigen geht es links in den verborgenen, fast einen Hektar großen Collundspark. Das Gelände zwischen Schloß- und Duburger Straße diente einst der Versorgung der Burg mit Gemüse. Hier stand eine Brotfabrik, die 1917 von der hungernden Bevölkerung geplündert wurde. „3000 Brote haben sie sich genommen“, berichtet Sembal-Klang. Ein Labyrinth romantischer Pfade und Treppen, eine Ruine erwarten den Spaziergänger heute, bevor er die Duburger Straße hinabgeht und vor dem markanten Backsteinbau des Nordertores steht, das bis zur Entstehung der Neustadt die nördliche Stadtgrenze markierte.


Nächste Nordstadtführung: 24. November, 15 Uhr.

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