Personalentscheidung in Flensburg : Gegenwind für Bücherei-Personalie

Im Boom: Die Stadtbibliothek kommt bei den Nutzern gut an. Foto: Staudt
Im Boom: Die Stadtbibliothek kommt bei den Nutzern gut an. Foto: Staudt

Fachverband kritisiert Besetzung der Leitung der Stadtbibliothek / Büchereiverein sieht Grundlage für Förderung entzogen

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03. April 2018, 06:45 Uhr

Kaum war die Nachricht über die Neubesetzung der Spitze der Flensburger Stadtbibliothek heraus (wir berichteten), gibt es aus Fachkreisen Kritik an der Auswahl. Die designierte neue Leiterin Gudrun Kraemer hat sich im Auswahlverfahren gegen zehn Bewerber durchgesetzt, war zuvor Verwaltungsleiterin der Gesundheitsdienste und ist selten öffentlich in Erscheinung getreten.

„Der Landesgruppenvorstand des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. (BIB) bedauert, dass diese aus unserer Sicht sehr wichtige und in den letzten 13 Jahren überdurchschnittlich starker Fluktuation ausgesetzte Leitungsposition damit zukünftig von einer fachfremden Verwaltungskraft geleitet werden soll“, heißt es in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Simone Lange, den Jens A. Geißler unterzeichnet hat, der Vorsitzende der BIB-Landesgruppe. Demnach sind in der Vita Kraemers „weder adäquate Qualifikationen für das Leiten einer öffentlichen Bibliothek“ deutlich noch „wesentliche fachliche Berührungspunkte“ mit den Bereichen Bildung und Kultur“. „Aus gutem Grund“, schreibt Geißler, fordere auch das Bibliotheksgesetz des Landes qualifizierte Leitungen für Bibliotheken. Wörtlich verlangt das Gesetz: „Öffentliche Bibliotheken sollen hauptamtlich von bibliothekarischen Fachkräften geführt werden.“ Der BIB bittet die Entscheider, eine Lösung zu finden, „in der die für diese herausgehobene Position notwendige Professionalität (...) an erster Stelle steht.“

Die gesetzlichen Vorgaben wertet Christian Reimer aus der Pressestelle der Stadtverwaltung als „Soll-Vorschrift“, die zwar im Regelfall gelte, jedoch nicht zwingend sei. Flensburg bilde eine Ausnahme, erklärt Reimer. Eine interne Prüfung habe ergeben, dass die Leitungsaufgaben in der Stadtbibliothek zu 75 bis 80 Prozent „organisatorischer, betriebswirtschaftlicher und personeller“ Art seien. Demzufolge sei es sinnvoll, eine Person mit ausgeprägten Management-Kompetenzen mit der Leitung zu betrauen. Die bibliothekarischen Kompetenzen bringe der Stellvertreter mit. Künftig werde es deshalb so etwas wie eine „Doppelspitze“ geben.

Im offenen Brief nennt Jens Geißler zudem die „fachliche Qualifikation der Leitung“ ebenfalls als Voraussetzung, damit die Förderung öffentlicher Bibliotheken durch den Büchereiverein Schleswig-Holstein greifen kann. Oke Simons, stellvertretender Direktor der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, schickt voran, dass die Verantwortung der Organisation ihrer Verwaltung natürlich der Stadt obliege. Für den Büchereiverein Schleswig-Holstein müsse jedoch geklärt werden, wer zukünftig die bibliotheksfachliche Verantwortung übernehme, etwa im Bereich Bestandsaufbau, gibt Simons zu bedenken und fragt: „Wer wird die fachliche Vertretung der Stadtbibliothek in Richtung Büchereiverein sein?“ Eine Verwaltungsfachkraft werde sich die Fachkenntnisse nicht so schnell aneignen können, zugleich dürfe das Defizit nicht zu Lasten des Personals gehen. Neben Personalentscheidungen werden vor allem „strategische Entscheidungen für die Weiterentwicklung der Bibliothek“ zu einem „erheblichen Anteil“ auf Basis bibliothekarischer Fachkompetenz herbeigeführt. Oke Simons: „Die Stelle der Bibliotheksleitung kann aufgrund der Besetzung mit einer Verwaltungsfachfrau ohne einschlägige Fachkenntnisse laut Büchereivertrag mit der Stadt Flensburg vom Büchereiverein in Zukunft nicht gefördert werden.“

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