Comenius-Schule : Gegen Gewalt und Intoleranz

Breakdancer nach vorn! Mädchen und Jungen aus dem Raum Flensburg erproben sich in Tanz und Körpersprache – Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht.
Breakdancer nach vorn! Mädchen und Jungen aus dem Raum Flensburg erproben sich in Tanz und Körpersprache – Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Ein vorbildliches Tanz-Projekt der Flensburger Comenius-Schule in Kooperation mit regionalen Partnern wird mit 32 000 Euro gefördert.

Gunnar Dommasch von
01. Juli 2015, 11:30 Uhr

Flensburg | Prosa der „Einstürzenden Neubauten“ tönt aus den Lautsprechern. Intro für eine Performance der besonderen Art. Motto: „Wir leben Vielfalt“. Noch stehen die Protagonisten starr auf der Bühne. Musik setzt setzt ein. Rasante Rhythmen mit Rap- und Hip-Hop-Elementen.

Jetzt kommt die Gruppe in Fahrt. Während Breakdancer halsbrecherische Bewegungen auf die Bretter bringen, nehmen andere Schüler Pinsel und Farbeimer zur Hand. Es entsteht ein Transparent mit bunten Lettern – „Freedom“. Das ganze Projekt wird mit Kameras einfangen. Es ist nicht zu übersehen: Hier wird ausgelebt, was im Schulalltag verloren geht.

Für die Choreografin Stela Korljan ist ihr „TotalTanzTheater 2.0“ Herausforderung und Herzensangelegenheit zugleich. Die Comenius-Schule mit Projektleiter Jens Koll arbeitet dabei eng mit dem TSB Flensburg, dem Kinder- und Jugendbüro Flensburg, dem Projekt „Sport gegen Gewalt“ und dem Arbeitskreis Ausländische Arbeiterkinder (AAK) zusammen. „Wir wollen Mädchen und Jungen mit ihren Talenten und kulturellen Hintergründen nicht nur auf die Theaterbühne, sondern auch auf die politische Bühne holen“, betont Koll. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche aus der Region. Mit im Boot sind beispielsweise die Theodor-Storm-Schule (Husum) und Einrichtungen in Sonderburg sowie Tondern. Insbesondere sei man bestrebt, Flüchtlinge in das Projekt zu integrieren. Diese seien angehalten, Texte und Songs selbst zu verfassen. „Wir wollen sie in unsere Mitte nehmen“, sagt der Lehrer. „Gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz!“

Das friedliche Miteinander hat auch die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange tief beeindruckt. Es sei schwer, Antworten auf die Probleme zu finden, die sich etwa in Syrien oder Afrika auftun“, sagte sie bei einem Besuch in der Schule, in der sich ohnehin zahlreiche Nationalitäten widerspiegeln. Deshalb müsse man die Frage in den Mittelpunkt stellen: Wie kann ich vor Ort Frieden schaffen. „Und das“, so Simone Lange, „geht nur, wenn man Vielfalt lebt.“ Das Projekt, betonte sie, sei in „extrem guten Händen“ und sie hätte nicht übel Lust, in der einen oder anderen Szene mitzuwirken. „Man merkt, dass hier alle für die Idee brennen. Für eine bunte Welt!“ Sie bezog Schulleiter Thomas Nonn ausdrücklich mit ein.

Stela Korljan legt neben dem Tanztraining Wert auf intensive Schulung der Körpersprache. „Träume, Visionen oder auch Ängste werden so artikuliert“, sagt die ehemalige Ballett-Chefin des Landestheaters. Darüber hinaus gibt es szenische Improvisationen zu intern ausgewählten Themenfeldern.

Um den Teilnehmern Einblicke in die Arbeit hinter der Bühne zu liefern, werden auch Film und Fotografie gelehrt, Einblicke in die Kostümschneiderei gewährt und Bühnenbau betrieben. Es werden zudem Kurse und Workshops, Exkursionen, Theater- und Musicalbesuche oder Fahrten zu Ausstellungen angeboten. „Im Idealfall“, so Jens Koll, „entwickeln die Jugendlichen aus dem Erleben potenzieller Arbeitsfelder sogar berufliche Perspektiven.“

Und die wissen es zu schätzen: „Es ist toll, dass wir hier eigene Ideen einbringen können“, zeigt sich Lea (16) begeistert. „Man muss sich nicht verstellen, man zeigt einfach, was man kann.“ Und Patryk pflichtet ihr bei: „Wir sind kreativ“, sagt der 16-Jährige selbstbewusst, „und setzen das auch um.“

Dazu verhelfen ganz praktisch auch die 32  000 Euro, mit denen das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt aus dem Programm „Kultur macht stark“ bezuschusst. So kann jeder partizipieren – sei es über einen Zuschuss zu Reisekosten oder andere Zuwendungen. Und auch dem, der keine Schuhe hat zum Tanzen, kann geholfen werden.

>Weitere Informationen und Anmeldungen für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren per E-Mail an: koll@comenius.flensburg.de oder telefonisch 0461/851563. Eine Abschlusspräsentation ist für den 4. Oktober in der Waldorfschule geplant.




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