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Lesepaten in Flensburg : Gefragte Helfer an zahlreichen Grundschulen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erfolgsprojekt Lesepaten: Seit zehn Jahren helfen Ehrenamtler jungen Schülern beim Lesen / „Nachwuchs“ gesucht

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 08:01 Uhr

„Für mein Rentner-Dasein war das eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.“ Das sagt Harro Thiel zu seinem Beschluss, bei den Flensburger Lesepaten mitzumachen, die vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben wurden. Zusammen mit rund 90 weiteren Personen – die meisten davon über 60 – blickt er auf eine Erfolgsgeschichte zurück, deren Ende nicht abzusehen ist.

Lesepaten unterstützen Grundschullehrer; parallel zum Deutschunterricht üben sie mit einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen das Lesen – und bekommen eine rundweg positive Resonanz. Was sie nicht bekommen, ist Geld: Das Projekt Leseförderung des Fördervereins der Stadtbibliothek ist ein reines Ehrenamt. Aber die Zufriedenheit ist trotzdem sehr hoch; zwei von drei Paten der Anfangszeit sind immer noch dabei, erzählt Hans Carsten Jacobsen, der den Einsatz der Helferinnen steuert und die Seminare organisiert.

Denn die Neuen werden nicht einfach ins kalte Wasser geschubst. So gibt es im November vier Vorbereitungsseminare für Personen, die sich als Lesepaten versuchen wollen. Eine Grundschullehrerin erklärt, wie Kinder heute lesen lernen, Schulrätin Maike Jennert referiert über „Schule und Kindheit heute“, und Schulleiter Volker Masuhr berichtet aus der Schulpraxis. Es folgen mindestens zwei Hospitationen im Unterricht, bevor es ernst wird.

„Wir sind keine Vorleser, wir sind eher Lesetrainer“, sagt Helmut Dahmer, der vor seiner Pensionierung selbst Pädagoge war. „Ich verstehe uns als Mutmacher“, ergänzt Beate Paschen, die in Engelsby Schulpatin ist. „Viele Kinder werden abgehängt und bleiben auf der Strecke, und zwar nicht nur Migrantenkinder. Es wird zu Hause einfach weniger gelesen.“

Für die Kinder ist eines ganz wichtig, sagt Dahmer: „Du hast Zeit – die zu Hause oft nicht da ist.“ Er rede oft erst allgemein mit den Kindern, die dieses und jenes fragen. Da gehe es schon mal um die verletzte Pfote des Hundes oder um das Problem, das die Freundin mit ihrem neuen Stiefvater hat. Da sei es nicht von Nachteil, wenn der Lesepate schon etwas älter sei und entsprechend Lebenserfahrung mitbringe, sagt Dahmer.

„Die Kinder spüren die Zuwendung“, weiß auch Jacobsen. „Sie merken, dass man Zeit mitgebracht hat“, hat Harro Thiel erfahren. Am Ende eines Schuljahres bekam Helmut Dahmer von den Kindern einer Klasse eine dicke Mappe mit Zetteln, auf der stand: „Mit dir macht Lesen Spaß“. Als viel beschäftigter Pensionär steh für ihn fest: „Von allen Aktivitäten wäre diese die letzte, die ich streichen würde.“

Der Lesestoff werde mit den Lehrern abgesprochen. Man könne aber auch etwas aussuchen, was die Kinder interessiert und damit motiviert, denn nicht alle haben Lust zu lesen. Und oft ist es auch die KiNa-Seite aus der Zeitung.

Hin und wieder werden die Lesepaten auch gefragt, ob sie an einem Wandertag teilnehmen oder den Vorlesewettbewerb mit gestalten würden. Eine Patin kam so gut an, erinnert sich Jacobsen, dass sie von der Schule als Honorarkraft „abgeworben“ wurde.

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