Komplizierte Bahnunterführung : Gefährlicher Engpass unter der Brücke

Kein Platz für Fußgänger und Radfahrer: Die Politik fordert eine sofortige Lösung zur Entschärfung des Gefahrenpunktes in der Heinrichstraße. Foto: Dewanger
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Kein Platz für Fußgänger und Radfahrer: Die Politik fordert eine sofortige Lösung zur Entschärfung des Gefahrenpunktes in der Heinrichstraße. Foto: Dewanger

Ausschuss beschließt Sofortmaßnahmen - auch wenn dabei eine Fahrspur geopfert wird. "Unvernünftige Fußgänger" in der Kritik.

shz.de von
13. Juni 2013, 09:42 Uhr

Flensburg | "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert". Stefan Thomsen, Grünen-Ratsherr in spe und am Dienstag Leiter des Planungsausschusses, warnte vor Unfällen mit gravierenden Folgen in Flensburgs kompliziertester Bahnunterführung. Jetzt soll hier ganz schnell etwas passieren, am besten noch vor der Sommerpause. Womöglich wird sogar eine der beiden bergab führenden Autospuren aufgegeben, um mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen.

2011 wurde hier von der Stadt ein Provisorium etabliert, das seitdem immer wieder Fußgänger und Radfahrer zu - verbotenen - gefährlichen Aktionen verleitet. Auf der südlichen, im Foto der linken Seite der Unterführung gibt es nur einen ultraschmalen Streifen mit Bordstein, der nicht begehbar, aber verkehrsrechtlich vorgeschrieben ist, wie Thomas Hansen, Sprecher des Planungsfachbereichs, erklärt. Für Fußgänger ist diese Passage in beide Richtungen gesperrt; sie müssen auf die andere Straßenseite wechseln. Radfahrer können, vom Deutschen Haus kommend, auf der Autospur passieren, wenn ihre Ampel Grün zeigt. Die Situation stellt aus Sicht der Grünen "eine massive Gefährdung dar, bei der es bei unveränderter Situation in Kürze zu Unfällen mit Personenschaden kommen wird."

Das sieht Arne Rüstemeier, planungspolitischer Sprecher der CDU, anders. "Bei einer Ortsbesichtigung haben wir zwar Fußgänger und Radfahrer beobachtet, die in gefährliche Situationen hätten geraten können. Das lag aber ausschließlich daran, dass diese Fußgänger und Radfahrer jeweils selbst die Verkehrsregeln missachteten", so Rüstemeier. Dennoch stimmten die CDU-Vertreter im Planungsausschuss - bei Abwesenheit Rüstemeiers und Enthaltung des SSW - für den Vorschlag der Grünen, der ausdrücklich eine Reduzierung der Fahrspuren für den Kfz-Verkehr in Kauf nimmt.

Jetzt müssen Stadtplanung, TBZ und Landesbetrieb Verkehr in kürzester Zeit einen Lösungsvorschlag erarbeiten, wie die Situation für Fußgänger und Radfahrer sicherer gemacht werden kann. Auf den ersten Blick kommen nur zwei Lösungen in Frage: eine physische Sperrung des schmalen Wegs durch eine Art Barriere oder ein markierter Fuß- und Radweg auf der Fahrbahn.

Doch die ganze Geschichte wird noch komplizierter. Schon 2007 wurde beschlossen, für Radfahrer und Fußgänger einen Tunnel im Bahndamm zu bauen. Der lässt seit Jahren auf sich warten, obwohl das Geld zur Verfügung steht. Angesichts der miserablen Finanzlage der Stadt gibt es Bestrebungen in der Politik, das Geld doch noch einzusparen. Deshalb fasste der Finanzausschuss im April einen schwer umsetzbaren Beschluss: Einerseits sieht er die Freigabe der Mittel für den Tunnel vor (430 000 Euro, 85 Prozent davon trägt das Land), andererseits zielt er auf eine Möglichkeit ab, diese Ausgaben doch noch zu vermeiden.

"Wir waren nie für den Durchstich", sagt deshalb Edgar Möller (SSW), "das Problem sind unvernünftige Fußgänger". "Wir blamieren uns vor den Touristen", beklagt dagegen Rüdiger Strauchmann (Akopol), der sich vehement für das von ihm ausgemalte Provisorium mit neuen Markierungen auf der Fahrbahn stark machte.

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