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Flensburg : Geduldsspiele in der Zulassungsstelle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Krankheit, Urlaub, unbesetzte Stellen: An der Gutenbergstraße war in dieser Woche Schneckentempo angesagt. Eine Besserung ist erst mittelfristig in Sicht.

Flensburg | Wer in der Zulassungsstelle in der Gutenbergstraße 23 beschäftigt ist, dürfte gestern Abend, nach dem Schlagen der Haustür ins Schloss, drei Kreuze gemacht haben. Grippewelle, Urlauber, unbesetzte Stellen – die Mitarbeiter dürften sich gefühlt haben, als seien sie einer „Mission Impossible “ so gerade noch lebend entronnen. Und nicht nur die. Wer auf der anderen Seite des Tresens der gemeinsamen Zulassungsstelle von Stadt und Kreis etwas Wichtiges zu erledigen hatte, brauchte Nerven wie Stahlseile und Zeit für eine gefühlte Unendlichkeit.

Jan Wiese, in Schleswig als Fachdienstleiter für die Flensburger Filiale mit zuständig, beschönigt nichts. „Diese Woche war schlimm, Richtig schlimm!“ Im Normalbetrieb erledigen hier 16 Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter ihren Job. Normalerweise lässt sich hier die bei der Eröffnung der gemeinsamen Zulassungsstelle mal angestrebte Bearbeitungszeit von 20 Minuten pro Vorgang auch erreichen. Aber davon waren Sachbearbeiter und Kunden in dieser Woche weit entfernt. „Wer früh da war, kam schnell wieder raus“, sagt Wiese. Aber das betraf nur die Wenigsten. Der Grund: In der vergangenen Woche war die Mannschaft nahezu halbiert. Zwei Urlauber, fünf Kranke, eine Stelle nicht besetzt. Das summiert sich zu einem Personaltableau das gegen ein Tagesgeschäft mit langsam anziehenden Zahlen bei den Anmeldungen von Motorrädern und Wohnmobilen keine Chance hatte. „Wir hatten Bearbeitungszeiten von drei Stunden und mehr.“ Ärgerlich für Leute, die nichts ahnend in der Gutenbergstraße strandeten. Karsten C. aus Kappeln etwa, für den ein simpler Zulassungsakt im nahen Flensburg als Tagesreise endete. „Krankheit, Urlaub – alles gut und schön. Die Überarbeitung ist auch nachzuvollziehen. Aber man hätte auf die Probleme wenigstens im Internetauftritt des Kreises hinweisen können.“

Wer nicht unverrichteter Dinge wieder die Heimreise antreten wollte, musste also ausharren. Sitzfleisch, Stehvermögen – das galt auch für die Sachbearbeiter-Seite. „Wir haben den Anspruch, alles, was wir annehmen, auch fertig abzuarbeiten“, so Wiese. Das bedeutete für seine Rumpfmannschaft, dass sie reichlich Überstunden ansammelte. Um das Zeitspiel nicht zu übertreiben, zog die Dienststellenleitung in der Gutenbergstraße gestern gegen 11 Uhr schon die Reißleine. Da waren 105 Wertmarken für 105 Sachbearbeitungsvorgänge gezogen worden. Annahmeschluss! Noch bis in den Nachmittag langweilten sich die Wartenden auf dem Parkplatz. Immerhin wurden alle abgefertigt. Den Tresen – wie in Lübeck geschehen – einfach pünktlich schließen und Feierabend machen, wird es in Flensburg nicht geben, verspricht Jan Wiese.

Der Fachdienstleiter hofft jetzt auf die nächste Woche. So langsam soll der Personalstand wieder wachsen – mit Betonung auf langsam. Die Wiederbesetzung einer wegen der vielen Flüchtlinge an die Ausländerbehörde abgewanderten Stelle ist angelaufen, nächste Woche kommen zwei Kranke zurück, dann kann Wiese vielleicht die Kollegin wieder in Schleswig behalten, die letzte Woche als Feuerwehr nach Flensburg musste. „Im Mai oder Juni sind wir wieder komplett.“

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erstellt am 19.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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