Jüdische Gemeinde : Gedenkstein für die Opfer der Shoa

Letzte Ehre für die 42 namentlich bekannten Flensburger Holocaust-Opfer: Die Granitstele auf dem jüdischen Friedhof der Stadt.
Letzte Ehre für die 42 namentlich bekannten Flensburger Holocaust-Opfer: Die Granitstele auf dem jüdischen Friedhof der Stadt.

Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar enthüllt ein Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof auf dem Friedenshügel. Die Stele ist das Produkt eines studentischen Wettbewerbs.

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09. November 2013, 14:27 Uhr

Welch ein Kontrast: Während über ein besonders dunkles Kapitel deutscher Geschichte gesprochen wird, lacht die Sonne vom blauen Himmel herab. Gestern Vormittag wurde auf dem jüdischen Friedhof auf dem Friedenshügel in Anwesenheit vieler Bürger mit Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar an der Spitze ein 1,80 Meter hoher Gedenkstein zur Erinnerung an die Holocaustopfer enthüllt. Seine Form symbolisiert den vom Terrorregime der Nationalsozialisten ausgelösten Zivilisationsbruch.

Mit der Aufstellung der Granitstele ging ein Herzenswunsch der jüdischen Gemeinde in Erfüllung. Kunststudentinnen der Flensburger Universität hatten verschiedene Entwürfe erarbeitet. Realisiert wurde der von Jennifer Wasmund: ein schlanker, blank geschliffener Granitstein, dessen Kopfende auf eine schiefe Ebene geraten ist und ganz abzurutschen droht. Der Stein trägt auf der nach außen gerichteten Seite die Inschrift „Den Opfern der Shoa“; auf der dem Gräberfeld zugewandten Seite wird diese Inschrift in hebräischen Buchstaben wiederholt. Auf allen vier Seiten prangt der Davidstern. An der Finanzierung haben sich viele Flensburger Institutionen und Privatpersonen beteiligt. Mit ihrem Engagement wollten sie zum Ausdruck bringen, dass es ein Anliegen der gesamten Bürgergesellschaft sei, ein solches Denkmal zu errichten.

„Wir danken den vielen Förderern und Unterstützern, die uns dabei halfen, in einer recht kurzen Zeit die Idee von einem ehrenden Gedenken an die Opfer des Holocaust zu verwirklichen“, betonte Gershom Jessen, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. Mit dem Gedenkstein werde den 42 namentlich bekannten Flensburger Holocaustopfern die letzte Ehre erwiesen, „da wir ihnen wenigstens symbolisch auf der geweihten jüdischen Erde ihren rechtmäßigen Platz geben – den Platz, dessen sie von den Quälern beraubt wurden, als sie nach Giftgas und Kugelhagel in KZ-Krematorien endeten“. Erinnert werden solle zugleich an alle unschuldigen Opfer der Shoa: Sechs Millionen niederträchtig zerschlagene Hoffnungen. An der Seite des immer währenden Gedenkens müsse die stete Mahnung stehen, dass sich solch ein Menschheitsverbrechen nie wiederholen darf.

„Wo es Opfer gab, gab es auch Täter und eine Gesellschaft, die das zuließ“, betonte Martin Lätzel aus dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa und konstatierte einen kollektiven Werteverfall, der Raub und Mord zugelassen habe. Thomas Rasmussen, Geschäftsführer der Flensburger Friedhöfe und Förderer des Gedenksteinprojekts, hob hervor, dass sich Nazi-Verbrechen auch vor unserer Haustür ereignet hätten. Er verwies auf ein Gräberfeld, auf dem zahlreiche namentlich unbekannte KZ-Opfer bestattet seien.

Einen Gedenkstein für die Opfer der Shoa zu gestalten, sei für ihn und seine Studentinnen eine große Herausforderung gewesen, erläuterte Werner Fütterer, Lehrkraft im Fach Bildende Kunst an der Flensburger Uni. Rabbiner Shaul Nekrich sprach das Kaddisch-Trauergebet.

Das Gedenken an die Pogromnacht in Flensburg vor 75 Jahren findet seine Fortsetzung am heutigen Sonnabend um 19 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses. Der Abend steht unter dem Motto „Die Shoa brennt in unseren Herzen“ und wird im Wesentlichen von Jugendlichen gestaltet. „Der Morgen danach“ lautet die Überschrift einer Gedenkveranstaltung in der St. Nikolaikirche am Sonntag um 12 Uhr.

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