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Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 07:47 Uhr

Lesung in Harrislee : Gedenken mit Grauen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Tübinger Autor Hans-Joachim Lang las aus seinem Buch „Die Frauen von Block 10 – Medizinische Versuche in Auschwitz“vor. Die Gemeinde Harrislee erinnerte damit an die Opfer des Nationalsozialismus.

Eine erinnernde Heiterkeit schwingt im Klang des Konzertakkordeons (Meike Salzmann), als erzählte die Musik von Tagen, als noch alles gut war. Getragen tief jedoch verkörpert das Violoncello (Matthias Hahn-Engel) das unaussprechliche Leid, von dem der Tübinger Germanist, Redakteur und Autor Hans-Joachim Lang aus seinem Buch „Die Frauen von Block 10 – Medizinische Versuche in Auschwitz“ erzählt. Mit einem würdigen Programm gedachte die Gemeinde Harrislee der Opfer des Nationalsozialismus. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Harrislee-Bahnhof, der Gleichstellungsbeauftragten und der Bücherei Harrislee hatte Volkshochschulleiter Thomas Pantléon zur berührenden Lesung ins Bürgerhaus geladen.

„Block 10 in Auschwitz – Annäherungen an einen Ort medizinischer Verbrechen an Menschen“ hat der 1951 geborene Lang seinen Vortrag überschrieben. „Die Lebensbedingungen waren so hart, das kann man nicht alles beschreiben, das erträgt man nicht“, sagt Lang. Anhand projizierter Fotos nimmt er mit an den Schauplatz des Grauens, der heute als ein Ort der Stille Raum für Gefühle bietet, „indem man sieht, was man weiß“. Betroffen „betritt“ der Zuschauer den dunklen muffigen Flur, sieht die Säle, in denen 1943/44 je 200 geschorene Frauen in dreistöckigen Holzpritschen auf Strohsäcken eingepfercht waren, fast ohne jemals hinaus an die Luft zu können. Namen und Fotos schaffen schmerzliche Nähe: Lang erzählt von der 23-jährigen Ärztin Dorota Kleinowa, die an der Rampe für Block 10 selektiert wurde, von Luise Bleskow, Eva Golgevit, der Geigerin Alma Rosé, Nichte Gustav Mahlers. Lang berichtet vom Häftlingsarzt Maximilian Samuel, der zum Operieren gezwungen, 1943 erschossen wurde, damit ein NS-Arzt seinen eigenen Namen unter dessen Forschung setzen konnte. Auch die Täter bekommen ein Gesicht, als Hauptakteur der Kieler Gynokologe Carl Clauberg, der an unzähligen Frauen die operationslose Sterilisierung mittels Einspritzung von die Eileiter verklebenden Chemikalien vornahm. „Alle Gefühle wurden aufgelöst in den wahnsinnigen Schmerzen“, schildert eine Insassin von damals, berichtet von den lauten Schreien der ahnungslos der Willkür und Misshandlung ausgelieferten Frauen.


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erstellt am 30.Jan.2014 | 17:00 Uhr

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