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Tierisch gut! : Gedächtniskünstler aus der Tierwelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Sommer-Ausstellung im Naturwissenschaftlichen Museum veranschaulichen Biologen der Uni, was kluge Tiere alles können.

Auf einem Monitor leuchten die Ziffern 1 bis 9 auf, kreuz und quer über den Bildschirm verteilt. Ein Schimpanse blickt kurz darauf und berührt die Eins. Sofort überdecken Kästchen die übrigen Zahlen. Dennoch ist der Schimpanse in der Lage, in Windeseile, nacheinander und in der richtigen Reihenfolge die Stelle auf dem Monitor anzutippen, wo gerade noch die anderen acht verbleibenden Nummern aufblinkten. Ein kurzes Video des Versuchs des japanischen Forschers Tetsuro Matsuzawa von der Universität Kyoto ist Teil der Sonder-Ausstellung, die ab Sonntag 11.30 Uhr im Naturwissenschaftlichen Museum in Flensburg zu sehen sein wird. Werner Barkemeyer als Hausherr betont, dass Idee, Konzept und Gestaltung von der Biologie-Abteilung der Uni stammen, während sein Haus die technische Unterstützung leistete.

Der Titel und die große Frage hinter der Schau: „Intelligenz-Bestien: Wie schlau sind die klügsten Tiere?“ Um es vorwegzunehmen: Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Das war auch nicht das Ziel der Ausstellung der Studenten und Absolventen der Abteilung für Biologie und ihre Didaktik der Europa-Universität Flensburg um Professor Andreas Christian. „Wir wollen dokumentieren, auf welche verschiedenen Art und Weisen Tiere intelligentes Verhalten zeigen“, sagt Andreas Christian. Sieben seiner Studierenden haben vor zwei Jahren angefangen, projektartig das Thema zu bearbeiten und Exponate zu bauen, die sich als ausstellungstauglich erwiesen. Ob Katzen klüger als Hunde seien, so beobachtet Andreas Christian, werde unter den Menschen genauso leidenschaftlich diskutiert wie die Frage des besten Fußballvereins. In Raum zwei über Haustiere finden Tierliebhaber den entsprechenden Diskussionsstoff. „Was weiß man denn nun wirklich“, nennt der Professor als tatsächliche Leitfrage der Ausstellung, die mittels Schautafeln, interaktiven Stationen und Exponaten Erstaunliches über Tiere von der Ameise bis zum Tannenhäher vermittelt.

Dieser, so erklärt eine Tafel, sei ein Gedächtnis-Genie. Denn um im Winter zu überleben, legt er im Jahr rund 6000 Einzelverstecke für bestimmte Samen auf einer Fläche von bis zu 10 Hektar an. Die findet er punktgenau in der Not wieder – auch unter einer Schneedecke von einem Meter. Zu welchen Leistungen Krähen in der Lage sind, sei für ihn eine Überraschung gewesen, sagt Andreas Christian. Ihre technische Intelligenz werde in der Forschung gleichgesetzt mit der von Kleinkindern. Der Professor erinnert daran, wie schwierig und umstritten schon die Ermittlung der menschlichen Intelligenz sei. Ob Männer oder Frauen besser abschneiden, hänge schlicht von der Gestaltung des jeweiligen Tests ab. Hunden und Katzen würde man mit einem bildlichen Versuch etwa nicht gerecht werden, weil die geruchliche Komponente fehlte.

Grundsätzlich gelte, dass Intelligenz mit komplexem Verstehen und Probleme lösen zu tun hat. Während in Raum eins also gar nicht erst versucht wird, eine starre Definition von Intelligenz zu stanzen, sondern kluge Erwachsene sich durch mehrere Intelligenztheorien und auch alternative Modelle kämpfen können, werden in Raum drei vermutlich vor allem Kinder ihren Spaß am Krähen-Handschuh ausleben. Ausstülpungen des Strickfäustlings für Daumen und Zeigefinger laufen spitz zu und empfinden einen Schnabel nach. Damit greift der kleine oder größere Besucher sich einen Stab oder eine Holzkugel und versucht, durch Öffnungen in einem durchsichtigen Kasten eine Haselnuss von ihrem Thron zu stoßen. Das soll veranschaulichen, dass Krähen zum Beispiel fähig sind, bei der Futtersuche Werkzeuge zu benutzen.

Schimpansen knabbern sich ihre manchmal sogar zurecht oder nutzen Blätter, um sich zu säubern, weiß Anna-Lena Schüder, die ins Projekt als Biologie-Studentin einstieg und nun promoviert. Ihre Kommilitonin und inzwischen ebenfalls Doktorandin, Nicole Volmering, zeigt sich beeindruckt von der Bandbreite des Könnens unter den Arten.

Die Sonder-Ausstellung baut nicht auf eigener Forschung auf, sondern wertet wissenschaftliche Ergebnisse aus der Literatur aus und speist sich auch aus Kontakten zu den japanischen Forschern. Wer will, kann am Monitor versuchen, es dem schlauen Schimpansen mit dem enormen Kurzzeitgedächtnis gleichzutun. Und wird ins Grübeln kommen.

 

„Intelligenz-Bestien: Wie schlau sind die klügsten Tiere?“ – wird am Sonntag, 19. Juni, um 11.30 Uhr im Heinrich-Sauermann-Haus eröffnet. Die Sommer-Ausstellung der Biologie der Europa-Uni mit dem Naturwissenschaftlichen Museum läuft bis zum 18. September. Geöffnet: Di – So von 10 bis 17 Uhr.

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erstellt am 16.Jun.2016 | 19:06 Uhr

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