Glücksburg : Gedächtnis der Stadt setzt sich zur Ruhe

Meterweise Akten:  Heinz-Ekkehard Grunwald im Stadtarchiv.
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Meterweise Akten: Heinz-Ekkehard Grunwald im Stadtarchiv.

Heinz-Ekkehard Grunwald leitete 35 Jahre lang das Glücksburger Archiv. Nachfolgerin ist die ehemalige Rektorin Gerhild Westphal.

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07. Mai 2018, 12:15 Uhr

Glücksburg | Wer in den letzten 35 Jahren etwas über Glücksburgs Vergangenheit wissen wollte, kam an Heinz-Ekkehard Grunwald nicht vorbei. So lange leitete der pensionierte Fregattenkapitän das Stadtarchiv. Jetzt wurde er mit 83 Jahren in den Ruhestand verabschiedet.

Grunwald hat viel zu erzählen – über sein eigenes Leben und das seiner Vorfahren. Der Vater kam mit Hitlers Nachfolger Karl Dönitz nach Flensburg, studierte nach dem Krieg Theologie und wurde Pastor unter dem Patronat der Familie Rantzau in Breitenberg. Heinz-Ekkehard Grunwald besuchte ein Gymnasium in Itzehoe, wo er nach eigener Ansicht erstklassige Lehrer hatte. Um seinem Vater finanziell nicht zur Last zu fallen, trat er in den Dienst der Marine.

Sein Interesse für das Fach Geschichte war schon immer da, die Liebe zu Glücksburg, wo er schon als Kind mal gelebt hatte, gesellte sich hinzu. Angefangen habe er mit der Arbeit im Archiv, weil er den Dienst bei der Marine auf eigenen Wunsch vorzeitig beenden konnte. Lange hatten er sowie Freund und Partei-Kollege Johannes Petersen nach einem Archivar gesucht. Nun war Grunwald selbst frei für die Aufgabe.

Ein Stahlschrank mit Unterlagen, gesammelt vom Standesbeamten Adolf „Addi“ Beeck, war vorhanden. Inzwischen füllen die Akten einen großen Raum in der Grundschule Glücksburg. Dorthin übersiedelte das Archiv nach dem Abriss des Rathauses 2010. Drei Findbücher hat Grunwald verfasst: eins für die vorpreußische und preußische Zeit, eins für die Zeit ab 1950 und ein Nachweis über Bilder. Kürzlich hatte Bürgermeisterin Kristina Franke eine Anfrage zu Bauakten der Fördeland Therme. Es ging um den immer noch andauernden Schaden. Das Archiv konnte helfen.

Anfangs erhielt Grunwald eine finanzielle Entschädigung von 207 D-Mark, zuletzt waren es 204 Euro. „Ich habe gearbeitet, wenn ich Zeit hatte“, sagt Grunwald. Meist sei das am Wochenende gewesen.

Zuletzt wurde die Arbeit beschwerlich. Auch körperlich war er den schweren Kartons nicht mehr gewachsen. Über seine Nachfolgerin freut er sich: Gerhild Westphal, pensionierte Rektorin der Auenwald-Schule in Böklund, ist ein Glücksburger Kind. Vater Gustav Backen, Lehrer wie sie selbst, ging unter Ministerpräsident von Kai-Uwe von Hassel als leitender Regierungsdirektor nach Kiel und war anschließend Bürgervorsteher in Glücksburg. Sie besitzt ein großes Foto-Archiv mit Bildern von Glücksburg.




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