Flensburg : Geblitzt! Busfahrer greifen zur Kamera

Mercedes als Verkehrshindernis? In einer ehemaligen Bushaltebucht an der Fördestraße (li.) hatte Roland Geißler sein Fahrzeug geparkt, als es von einem Busfahrer 'geblitzt' wurde. Foto: shz
1 von 2
Mercedes als Verkehrshindernis? In einer ehemaligen Bushaltebucht an der Fördestraße (li.) hatte Roland Geißler sein Fahrzeug geparkt, als es von einem Busfahrer "geblitzt" wurde. Foto: shz

Zugeparkt: In Flensburg gibt es für Busfahrer oft kein Durchkommen - jetzt zücken sie die Kameras und schießen Beweisfotos.

Avatar_shz von
11. August 2011, 10:38 Uhr

Flensburg | Wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Als Roland Geißler auf seinen zwar kurz, aber verkehrswidrig abgestellten Mercedes zuschritt, in dem seine Frau wartete, klickte plötzlich eine Kamera. Er entdeckte einen Busfahrer der Linie 11 auf einer Mittelinsel der Fördestraße. Der Afag-Mann hatte das Objektiv auf die silberne Karosse des Parksünders gerichtet, in aller Seelenruhe den Auslöser betätigt. Danach setzte er sich wieder ans Steuer.
Es war kein Erinnerungsfoto fürs Familienalbum, kein Schnappschuss eines Automobil-Freaks, sondern ein Bild zur Beweissicherung. Und das findet Roland Geißler "unerhört". Zwar räumt er sein Fehlverhalten ein, hält die Reaktion des Busfahrers aber für überzogen. Zweimal sei er an diesem Freitag am Twedter Plack ums Karree gefahren, kein Parkplatz weit und breit. Und um pünktlich, sprich 10 Uhr, zur Arbeit zu kommen, habe er, der Not gehorchend, sein Auto auf einer ehemaligen Haltebucht an der Fördestraße abgestellt, um in aller Eile den Geldautomaten der Commerzbank zu nutzen. "Drei Minuten, nicht länger", schwört Geißler. "Behindert habe ich niemanden."
"Es passiert täglich x-mal, dass Busse an der Durchfahrt behindert werden"
Ob drei Minuten oder eine halbe Stunde, ist Uwe Möser ziemlich schnuppe. Der Afag-Chef stellt sich vor seine Mitarbeiter. "Es passiert täglich x-mal, dass Busse an der Durchfahrt behindert werden. Da kommen unsere Fahrer eben ab und zu in die Verlegenheit, ein Foto schießen zu müssen." Möser dementiert, dass es eine Anweisung dafür gebe. Auch werde in keinem Fall eine Person abgebildet. Insofern würden eventuelle Klagen wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte ins Leere laufen.
Im vorliegenden Fall habe man auf eine Anzeige verzichtet, auch wenn der Fahrer unmittelbar im Kurvenbereich geparkt habe. Möser: "Wir sind keine Ersatzpolizisten. Aber wir brauchen die Bilder als Belege, um die Behörden auf das Fehlverhalten und die Rücksichtslosigkeit einiger Autofahrer aufmerksam zu machen."
"Ein Bus hat eine Aufgabe - nämlich pünktlich zu sein"
Der Afag-Geschäftsführer appelliert an die Verkehrsteilnehmer, Rücksicht zu nehmen. Das gelte nicht nur am Plack, wo die Busse beim Rechtsabbiegen in die Fördestraße behindert würden, sondern auch für den Alten Husumer Weg (links und rechts zugeparkt) und einige Ecken in Fruerlund (unübersichtlich in Kurven). Schließlich sei das Unternehmen verpflichtet, den Fahrplan einzuhalten.
Erinnert sei auch an das Szenario Ende Juni, als am Wendehammer in Solitüde und auch in der Solitüder Straße zwei Busse der Linie 3 über eine Stunde lang festsaßen. Es ging weder vor noch zurück. Mit Hilfe der Polizei mussten die Falschparker abgeschleppt werden. Aktiv-Bus-Chef Paul Hemkentokrax hält es für legitim, solche Situationen als Mittel der Beweissicherung zu dokumentieren. "Ich habe Fotos von wildem Parken bei der Sanierung der Apenrader Straße sogar schon im Ausschuss gezeigt." Uwe Möser ergänzt: "Ein Bus ist nicht nur ein Bus. Er hat auch eine Aufgabe - nämlich pünktlich zu sein. Wenn wir durch Falschparker in Verzug geraten, fällt das auf uns zurück."
(gudo, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen