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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 15:07 Uhr

Gaswerk mit englischem Kapital

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Serie „Die Flensburger Stadtrose“ Teil 5: Mit Friedrich VII. kam die Modernisierung der Infrastruktur nach Flensburg

Ein Flensburger Sammler sprach die frühere Leiterin des Flensburger Schifffahrtsmuseums, Jutta Glüsing, wegen eines seltenen Fundstücks aus seiner Sammlung an. Von der Stadtrose hatte sie zwar gehört, allerdings noch nie eine in Händen gehalten. In einer kleinen Serie für das Tageblatt stellt Jutta Glüsing die Flensburger Stadtrose und ihre Bestandteile vor.

Mit Beginn der Regierung des Königs Friedrich VII. begann für Flensburg zunächst eine Modernisierung der städtischen Infrastruktur. Dazu benötigte er die Hilfe englischer Unternehmer.

Es hatte bereits seit 1735 eine Straßenbeleuchtung in Flensburg gegeben. Dazu benutzte man das durch den Walfang gewonnene Öl. Noch bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts waren einige Flensburger Segelschiffe vor Grönland auf Walfang unterwegs. Der so gewonnene Speck wurde in der eigens dafür angelegten Tranbrennerei vor dem Nordertor verarbeitet.

1834 zählte man in Flensburgs Straßen 95 Lampen. Ziel dieser Einrichtung war es, auf den Hauptstraßen in Abständen von 70 bis 80 Schritt eine Beleuchtung vorzufinden, die meist an den zahlreichen Brunnenkästen befestigt waren oder an Hausfassaden. Immer wieder kam es zu Mängelberichten durch die Polizei.

Schlechtes Pflaster und fehlende Bürgersteige sorgten überdies in der Dunkelheit für Unfälle. Der Bürger war dann der Gefahr ausgesetzt, „in einen der vielen vorspringenden offenen Kellerhälse hineinzuplumpsen und so Leib und Leben zu riskieren“.

1852 beschloss der Flensburger Magistrat ein Gaswerk anzulegen. Partner wurde die „Danish Gascompany“, deren Aktionäre auch in England saßen. In den nächsten zwei Jahren wurde ein „mächtiges Gebäude zur Gaserleuchtung“ aufgeführt – zunächst nur für Beleuchtungszwecke. Es war das erste Werk dieser Art in den Herzogtümern. Dieselbe Company mit Sitz in London hatte gleichzeitig in Odense, Aalborg und Aarhus ihre Niederlassungen.

Bevollmächtigter der Gascompany war der Justizrat C. M. Poulsen. Sein Hauptkontor befand sich bis 1866 an der Schiffbrücke im Hotel „Kaysers Hof“. Die Ansiedlung des Gaswerks erfolgte in der Neustadt, auf dem Gelände des ehemaligen Richtplatzes.

Die Verträge mit der Company sahen 198 Lampen vor. Stadtbaumeister Winstrup hatte die Aufgabe, Anzahl und Aufstellung der Gaslaternen zu bestimmen. Ein großer Teil der Materialien und Maschinen für den Bau des Gaswerks wurde von England auf dem Seeweg nach Flensburg eingeführt. Die königliche Regierung in Kopenhagen gab grünes Licht für die gewünschten Zollerleichterungen. Am 8. Dezember 1854 erleuchteten die ersten Gaslaternen die Innenstadt, zur Freude der Flensburger Bürger. „Man sah der Erbauung der Anstalt lächelnd zu und blickte die Engländer dankbar an, sich darüber wundernd, da diese ihr schönes Geld hier bei uns auf Risiko anlegen wollten, damit wir bessere Beleuchtung erhielten“.

Bald erstrahlten auch Bürgerhäuser, Geschäftsräume und Festsäle in nie zuvor gekannter Helligkeit. Die Straßen behielten noch einige Jahre ihr schlechtes Pflaster. Aber ab 1861 verschwand auch dieser Schandfleck allmählich aus dem Stadtbild.

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erstellt am 18.Okt.2013 | 18:44 Uhr

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