Gartenstadt : Gartenstadt Weiche ist komplett

Auf 80 Hektar leben heute fast 3000 Menschen in etwas mehr als 1000 Gebäude-Einheiten – wie hier am Jägerweg.
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Auf 80 Hektar leben heute fast 3000 Menschen in etwas mehr als 1000 Gebäude-Einheiten – wie hier am Jägerweg.

Das Wohnquartier auf dem früheren Kasernenareal hat Abwanderung junger Familien verhindert und Flensburg als Oberzentrum gestärkt.

shz.de von
23. Mai 2015, 15:30 Uhr

Flensburg | Früher Donnerstagabend: Das Info-Center der Gartenstadt in Weiche erinnert noch einmal an seinen Zweck, als die Investoren Hermann Höft, Laust Lorenzen und Boy Meesenburg zusammen mit Weggefährten und Mitarbeitern die „Final-Party“ feiern. Fotos von Häusern und Luftbilder füllen den Raum, wo vor anderthalb Dekaden ein Modell die Dimensionen des Stadtteils nur vage andeutete. Aus der Miniatur-Version ist Realität geworden: Auf 80 Hektar leben heute fast 3000 Menschen in etwas mehr als 1000 Gebäude-Einheiten. Nicht weniger als 19 Haus-Typen flankieren die Straßen, die vielfach nach Schmetterlingsarten benannt sind. Alles ist „fast fertig“: Es gibt nur noch vier Grundstücke – und für die liegen Reservierungen vor.

„Die Gartenstadt“, sagt Bauunternehmer Hermann Höft in seiner kurzen Festansprache, „beruht eigentlich auf dem kalten Krieg.“ Das klingt verblüffend, aber es stimmt. Das moderne Wohnviertel entstand an der Stelle, wo ab den späten 50er-Jahren die Briesenkaserne das Zonenrandgebiet bereicherte. Bis zu 4000 Soldaten waren stationiert. Als die Bundeswehr 1997 vollständig abgezogen war, hatte die Stadt Flensburg ein Problem: Eine riesige ungenutzte Fläche. „Wir haben diverse Bus-Touren gemacht, um Ideen zu bekommen“, schmunzelt Hermann Höft heute. „Mal war ein riesiges Jugend-Camp favorisiert, dann eine Dekra-Teststrecke oder ein großes Gewerbegebiet.“

Dem Vernehmen nach soll der inzwischen verstorbene Bürgermeister Hermann Stell, damals noch Kämmerer, den Stein ins Rollen gebracht haben. Er hatte einen Grundriss für einen Reihenhaus-Typen vorliegen. Der stammte vom Architekten Laust Lorenzen. Hermann Stell stellte die Verbindungen zu Hermann Höft und dem Baustoffhändler Boy Meesenburg her. Die Investoren-Troika war geboren. Der Jurist Joachim Frank und das Finanzkonzept der „Flensburger Sparkasse“ unterstützten das Millionen-Projekt.

1998 erfolgte der Grundstückskauf, 43 Gebäude, zum Teil riesige Hallen, wurden abgerissen. Im August 1999 war der nötige Bebauungsplan (Nummer 226) rechtskräftig – trotz einiger Bedenken. In der städtischen Baubehörde mokierte man sich über die große Zahl an Einfamilienhäusern, andere empfanden die Nähe des Flugplatzes Schäferhauses als störend oder lehnten eine „Stadt aus der Retorte“ ab. „Letztendlich haben wir die Chancen für die Stadtentwicklung transportieren können“, glaubt Laust Lorenzen. „Mit der Gartenstadt konnte die Abwanderung junger Familien verhindert und Flensburg als Oberzentrum gestärkt werden.“

Zur Jahrtausendwende bewegten sich die Investoren zwischen einem unguten Gefühl und Euphorie. „Motorola war damals neu in Weiche“, übertreibt Boy Meesenburg bewusst. „Wir hatten die Hoffnung auf 100    000 Arbeitsplätze und auf 50  000 Ingenieure, die alle ein Haus suchen.“ Einen extremen Bau-Boom gab es nicht, aber eine stetige Entwicklung, mit der auch die Infrastruktur mithalten musste. Kindergarten, Senioren-Betreuung, ein Discounter und Dienstleistungen gehören heute ebenso zum Bild der Gartenstadt wie ihr naturnaher Charakter und ein Stadtteil-Park.



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