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Magdalenenhof in Flensburg : Gartenabfälle illegal entsorgt – Kalb „Xara“ stirbt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landwirt Andreas Fogt ist schockiert über den Tod seines Kalbes – und droht mit einer Strafanzeige.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 10:00 Uhr

Flensburg | Viele Landwirte gibt es in Flensburg nicht mehr. Genauer gesagt – ganze zwei. Auch die Zahl der in der Stadt grasenden Kühe hält sich in Grenzen. Seit Montag ist der Bestand weiter dezimiert. Kälbchen „Xara“ musste sterben, weil Unbekannte die Weide von Andreas Fogt mit Gartenabfällen zugemüllt haben, denen das neugierige Junge nicht widerstehen konnte. „Ein qualvoller Tod“, sagt der Bauer mit gesenkten Kopf. Doch neben die Trauer gesellt sich die Wut.

Der Bauer, der die Milchproduktion auf dem Magdalenenhof vor anderthalb Jahren aufgegeben hat und vom Verkauf seiner Tiere lebt, wurde am Montag von einer Nachbarin alarmiert. Ein kleines Kalb auf der Koppel zwischen Kleingarten und Tierheim an der Westerallee, so berichtete sie, liege dort seit Stunden, bewege sich nicht, und die Herde habe sich davon schon entfernt. Fogt schwante Böses. Er stieg in sein Auto und fuhr eilig von seinem Hof auf die Weide an der Stillen Liebe. Er sah auf den ersten Blick, was passiert war. Der Pansen des erst zwei Monate alten, zuvor völlig gesunden Hereford-Rinds war aufgebläht. „Erstickt oder vergiftet“, so die Diagnose des Landwirts.

Das Muttertier hatte sich über ihr Junges gebeugt. „So, als wollte es sagen: Steh doch endlich auf“, schildert Andreas Fogt die rührende Szene. Noch immer irrt „Klarabella“ suchend umher – es war ihr erster Nachwuchs. Glück im Unglück: Der Euter produziert in diesem Fall noch nicht so viel Milch. Und wenn es keinen Saugreflex mehr gibt, versiegt der Strom ohnehin. „Wäre es eine Schwarzbunte, sähe das schon dramatischer aus“, sagt Fogt und hofft, dass sich keine Entzündung einstellen wird.

Der 50-Jährige ärgert sich schon lange darüber, dass sich Unbekannte sowohl von der Stillen Liebe als auch von der Westerallee aus in unbeobachteten Momenten ihrer Gartenabfälle entledigen, indem sie ihn kurzerhand über den Zaun auf die Koppel werfen: Blumen, Buschwerk, ganze Äste und Zweige, Ziersträucher und ganze Säcke voller Gras. Das berüchtigte Jakobskreuzkraut hat er bislang noch nicht entdecken können. Fogt erinnert sich noch gut an den Fall, als im November 2013 auf einer Weide am Friedensweg zwei Rinder vergiftet worden waren, darunter ein mächtiger Taurus-Bulle. Damals hatte ein Nachbar Reste von Eiben, Lebensbaum und Lorbeer entsorgt. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit. Deshalb appelliert Andreas Fogt eindringlich an alle, ihre Grünabfälle auf den Komposthaufen oder in die Bio-tonne zu werfen oder sie aber in einem Recyclinghof abzugeben.

21 seiner 54 Kühe, davon vier Muttertiere mit ihren Kälbern, hatte der Landwirt am Pfingstmontag erst von seinen beiden Koppeln am Magdalenenhof auf die Weide an der Stillen Liebe getrieben. Er hofft nun, dass die Herde unversehrt bleiben wird. Einige Kleingartenbesitzer haben ihre Unterstützung zugesagt und Infoblätter in den Kolonien verteilt. „Die Täter erwischt man ja leider nicht“, sagt Fogt, „aber vielleicht sind sie ja belehrbar.“

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