SPD Flensburg : „Ganze Generation verlorengegangen“

Im Februar 2016 beerbt Florian Matz (hier mit dem Kreisvorstand)  Simone Lange als SPD-Chef in Flensburg
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Im Februar 2016 beerbt Florian Matz (hier zwischen Nicolas Jähring und René Reincke ) Simone Lange als SPD-Chef in Flensburg

SPD-Chef Florian Matz sieht Schaden für die Volkspartei – und kündigt Aufholjagd in seinem Wahlkreis an

shz.de von
06. Februar 2018, 08:38 Uhr

Wie bewerten Sie den Parteitag vom Sonnabend nach zweimaligem Drüberschlafen?

Es war für mich schon sehr überraschend und schrecklich, dass eine komplette Generation herausgeschossen wurde.

Halten Sie es für denkbar, dass die SPD-Personalentscheidungen gegen die Generation der 30- bis 40-Jährigen zufällig durch die Dramaturgie des Parteitags gefallen sind?

Das ist eine bewusste Entscheidung der Parteitagsmitglieder gewesen.


Welche persönlichen Schlüsse ziehen Sie?

Man muss das Persönliche vom Politischen trennen. Ich kann damit leben, dass meine Partei sagt: Du bis zu mutig. Du bist zu schnell. Schlimm ist, dass dabei eine ganze Generation verlorengeht. Das haben die anderen Akteure nicht verdient, und das ist schädlich für eine Volkspartei. Traurig ist zum Beispiel, dass Jolyn Muijsers, die für eine moderne Frauenpolitik steht, mit heruntergezogen wurde. Oder es wäre ein Signal an meine Generation gewesen, wenn die Partei dafür Nicolas Jähring auf die Liste gewählt hätte.

Was heißt das nun für Sie? Ich muss mir treu bleiben. Mutige Diskussionen zu führen, steht der Partei gut zu Gesicht.

Die Entscheidung, ob ich dem neuen Rat angehöre, fällt nun in meinem Wahlkreis 3, in dem ich auch wohne. Es ist der Kreis mit der geringsten Wahlbeteiligung – und ich muss 55 Stimmen aufholen...

... gegen den langjährigen SSW-Ratsherrn Edgar Möller in einem immer vom SSW gewonnenen Wahlkreis.

Es ist eine Frage der Mobilisierung. Ich habe schon testweise Facebook-Anzeigen geschaltet. Es gibt mindestens drei Leute, die nicht der Partei angehören, die mich im Wahlkampf aktiv unterstützen wollen.

Werden Sie weiter als Parteichef zur Verfügung stehen?

Am 3. März sind Vorstandswahlen. Ich habe noch nicht entschieden, ob ich wieder antreten werde. Für mich ist es eine Frage der Generationen. Der SPD steht es gut zu Gesicht, dass meine Generation, die Generation mitten im Arbeitsleben, auch führend vertreten ist.
Wie bewerten Sie die Lage der SPD Flensburg nach dem Parteitag?

Die SPD steht vor einer doppelten Herausforderung. In der Frage der großen Koalition ist mein Eindruck, dass die Stimmung dagegen ist. Aber die Flensburger Partei muss dieses Ergebnis vom Sonnabend schnell überwinden und deutlich machen, dass sie Politik für alle macht – und nicht nur für die Älterem und die ganz Jungen.

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