Berufsorientierung mit "Bravo" : Ganz viele Stars waren auch Azubis

Dzemila Prajo
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Dzemila Prajo

Mit Starbesetzung und der Bundesagentur für Arbeit im Schlepptau: Das Teenie-Blatt "Bravo" half in Flensburg bei der Berufsorientierung

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30. August 2011, 07:25 Uhr

Flensburg | Der Regen macht ihnen gar nichts aus. Kreischende Schüler drängen sich in großer Erwartung auf dem Schulhof der Comenius-Schule. Jeder möchte ganz vorne stehen, denn gleich werden die Mädchen von Queensberry auftreten.

Die Girlgroup ist die Attraktion der "Bravo Job-Attacke", einer ungewöhnlichen Berufsberatungsaktion, die gestern als allererste Station in diesem Schuljahr an der Comenius-Schule machte. Zusammen mit der Arbeitsagentur und einer musikalischen Begleitung reist das Team schon seit fünf Jahren durch Deutschland, weil man gemerkt hat, "dass viele Jugendliche Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche haben", wie Frank Fröhling von "Bravo" sich erinnert.

In einem 45-minütigen Vortrag bekamen die Neuntklässler der Comenius-Schule im Tourbus Informationen rund um den Beruf. Wer keinen Platz mehr bekam, konnte das Programm draußen auf Bildschirmen verfolgen. Geleitet von "Bravo"-Moderator Mike Petschel und der Flensburger Berufsberaterin Bettina Kaup wurden den Schülern unter anderem die Berufsorientierungsseite www.planet-beruf.de mit mehr als 400 Ausbildungsgängen vorgestellt. Was man bei Bewerbungsgesprächen Hilfreiches tun kann - und was man am besten lässt, das vermittelte Jörn Schlönvoigt aus "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" in einem Video. Dass der TV-Star mit Händen in den Hosentaschen und Kapuzenpulli auf dem Sofa nicht jeden Personalchef begeistern würde, merkten die Comenius-Schüler sofort. "Das Miteinbeziehen der Stars wirkt durch ihre Vorbildfunktion am effektivsten auf die Jugendlichen", erklärt Carsten Heller, Marketingexperte der Arbeitsagentur. Ganz viele Stars haben nach der Schule erstmal eine Ausbildung gemacht und dann erst Karriere im Showgeschäft, hörten die Neuntklässler. Darunter waren auch vermeintlich dröge Berufe. "Was hat Oliver Pocher gelernt?", fragte Moderator Petschel und lieferte die Antwort gleich mit: "Versicherungskaufmann". Stars mit Berufsausbildung wie Oliver Pocher sind eben sehr authentische Idole. Doch auch Prominente ohne eine richtige Berufsausbildung können die Schüler durch eigene Erfahrungen motivieren, es besser zu machen.

Neben den allgemeinen Informationen rund um den Beruf konnten sich die Schüler an den Ständen einiger regionalen Firmen erkundigen. Unter anderem nutzte Valdet Cacaj (15) diese Gelegenheit. Am Informationsstand der Diako bekam er einen Einblick in die Arbeit des Krankenpflegers: "Ich erfuhr, welche Voraussetzungen ich erfüllen muss, um diesen Beruf ausüben zu können." Ein Praktikum darf er dort leider erst mit 17 Jahren machen.

Anders als Valdet konnte sich die Neuntklässlerin Dzemila Prajo gleich für ein Praktikum anmelden: Sie interessiere sich sehr für die Pflegeberufe, berichtet sie. Und hatte Glück: "Das Angebot, mein baldiges schulisches Praktikum in der Diako zu machen, nehme ich sehr gerne an." Die stellvertretende Pflegedirektorin der Diako Ulrike Hinrichsen ist über das Interesse der Schüler erfreut. "Der Andrang war heute sehr groß, und ich glaube, wir haben viele Jugendliche erreicht." Doch nicht nur die Diako war vertreten. Unter anderem standen auch die Stadtwerke, die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, die Nord-Ostsee-Sparkasse, die Malteser und die Arbeitsagentur für Fragen bereit. Eine praktische Übung bot der Eignungstest der Polizei, den Freiwillige in der Turnhalle der Schule durchführen konnten.

"Es ist ein Vorteil, wenn die Kinder die Firmen in der Schule kennen lernen", sagt Schulleiter Thomas Nonn und ergänzt: "Dann stoßen sie in den Bewerbungsgesprächen vielleicht auf bereits vertraute Gesichter."

Nach zwei Stunden war die "Job-Attacke" zu Ende - und der Truck fuhr weiter in die Fridtjof-Nansen-Schule, wo die Schüler schon auf die Mädchen von Queensberry warteten.

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