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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 20:13 Uhr

KTS-Projekt : Ganz nah dran am echten Leben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Schule verwandelt sich eine Woche lang zur lokalen Volkswirtschaft. Heute ist Tag der offenen Tür.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 19:12 Uhr

Flensburg | Die Schlange vor der Fritten-Bude „Pomm-Tucholsky“ wird länger und länger, die Aktien des Casinos gewinnen von Stunde zu Stunde an Wert und das Zentralbankgeld wird nahezu ununterbrochen gedruckt, um die Konsumenten möglichst liquide zu halten.

An der Kurt Tucholsky-Schule ist in dieser Woche einiges los. Fünf Tagen lang ist die Schule Schauplatz einer Neuauflage des vor zehn Jahren gestarteten einwöchigen Projekts „Die KT-Stadt“. Diese Kurt-Tucholsky-Stadt bietet von Dienstleistung bis Ordungsamt nahezu alles, um einen geregelten Tagesablauf einer erwachsenen Person zu simulieren. 70 Workshops bzw. Unternehmen sind in den jeweiligen Klassenräumen angesiedelt und bieten unterschiedliche Güter an. So haben die 1192 Teilnehmer der Workshops die Verantwortung, ihre Produkte (Waffeln, Fruchtsäfte, Fitnessangebote, Frisuren etc.) an den Konsumenten in Gestalt der Schülerschaft zu verkaufen. Natürlich sind die in der Schule produzierten Güter wie im echten Leben nicht umsonst. Die lokale Währung, der sogenannten „Tacken“, bietet die Möglichkeit, sich in der gesamten Schule zu verpflegen. Ein Finanzsystem mit zwei Banken, Finanzamt und Wechselbüro wurde in der Vorbereitungsphase von dem schulischen Organisations-Team entwickelt und von den Wirtschaft-Politik-Lehrern mit Feinschliff versehen.

Umgerechnet hat ein Tacken einen Wert von 50 Cent. Jedoch bekommen die Schüler je nach verrichtete Arbeit einen Lohn bezahlt, mit dem Steuern, Zinsen und Nahrung zu zahlen sind – wie im echten Leben eben. „Eine Marktwirtschaft, die wir im Wirtschaftsunterricht so oft thematisiert haben, ist endlich mal in groben Zügen verständlich. Wir haben quasi unseren eigenen schulinternen Wirtschaftskreislauf“, erläutert Max Haase aus dem 13. Jahrgang, während er für drei Tacken eine große Tüte Pommes kauft.

Doch wer ist für dieses durchaus komplexe, bis ins Detail überlegte Projekt verantwortlich? Bereits 2013 wurde die KT-Stadt von der Schulkonferenz genehmigt. Schülervertretung, Eltern und Lehrer trafen sich nun monatlich, um schrittweise den Rahmen des Projektes festzulegen. Ohne die Unterstützung des Fördervereins der KTS und der Eltern wären diese fünf Tage nicht möglich. Des Weiteren standen echte Bank-Azubis den Banken der KT-Stadt bei Fragen und Problemen zur Seite. Da auch die zu verarbeitende Nahrung nur von einem schulinternen Warenlager erworben werden darf, gibt es eine Kooperation mit Lebensmittelhändlern aus der Stadt. „Allein am heutigen Tag haben wir 50 Kilogramm Pommes benötigt. Dementsprechend ist es schon anstrengend für das Warenlager-Workshop noch spät am Abend einzukaufen“, sagt Schulsprecherin Aleksandra Garifullina. Auch in KT-Stadt schläft das Böse nicht. Gewiefte Schüler schnell Lücken im System entdeckt. „Neuer Banküberfall – Es wurden 1000 Tacken gestohlen“, titelt die interne Zeitung der KT-Stadt „Stadtgeflüster“. Ein anderer Schüler kopierte zu Hause illegale „Tacken“ – das große Leben in Klein. Mit allen Risiken.

„Zumal kurz bevor dem Startschuss, war es eine große Belastung für die Schülervertretung und die Lehrer, da wir uns quasi täglich trafen, um dem Projekt den Feinschliff zu verpassen“, gibt Stadtschülerratsprecher Paul Riedlinger zu: „Jetzt, wo wir das Resultat betrachten können, sind wir auch echt stolz.“ Zu der Planungsgruppe um Projektleiter Riedlinger haben auch schon andere Schulen aufgrund der positiven Resonanz vieler Schüler, Kontakt aufgenommen.

Heute haben alle Interessierten die Chance von 14 bis 18 Uhr „Tacken“ zu erwerben und die KT-Stadt auf eigene Faust beim Tag der offenen Tür zu erkunden.

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