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Entscheidung zur „Landshut“ : Gabriels Ministerium lässt Vorwürfe aus Flensburg unkommentiert

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Das Auswärtige Amt verteidigt sein Votum, die „Landshut“ in Friedrichshafen auszustellen, hüllt sich aber ansonsten in Schweigen.

Die Vorwürfe der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) an ihren Parteikollegen, Außenminister Sigmar Gabriel, in Bezug auf die „Landshut“-Entscheidung haben es in sich. „Uns war ein offizielles Wettbewerbsverfahren zugesagt worden, in dem wir unsere Ideen und unser Konzept vorlegen könnten“, hatte die Sozialdemokratin shz.de erklärt. Dass Gabriels Ressort dann doch keinen Wettbewerb gestartet habe, sei „nicht nachvollziehbar“.

Die „Landshut“ ist das technisches Symbol für den Deutschen Herbst 1977. Die damals neue Sondereinheit GSG-9 hatte im Oktober 1977 mit der Befreiung der über 80 Landshut-Geiseln im somalischen Mogadischu Geschichte geschrieben. Palästinensische Terroristen wollten mit der Aktion auf dem Höhepunkt des „Deutschen Herbstes“ inhaftierte Terroristen der Rote-Armee-Fraktion freipressen. Flensburg hätte das Flugzeug gerne am Flugplatz Schäferhaus ausgestellt.

Lange hatte nach eigenen Angaben erst aus den Medien erfahren, dass das Außenministerium das 1977 von Terroristen entführte Flugzeug dem privaten Dornier Museum in Friedrichshafen zugesagt hat. Das Auswärtige Amt wollte sich nicht konkret zu den Aussagen der Oberbürgermeisterin äußern. Es ließ die Frage unbeantwortet, ob es stimme, dass Lange ein Wettbewerb zugesagt worden sei. Ebenso wollte es keine Angaben dazu machen, wer Gabriels „Partner“ bei der Rückholaktion seien und wer den Kauf, den Rücktransport der „Landshut“ und die Restaurierung bezahlen werde.

Aus Gabriels Ministerium verlautete allerdings: „Wir haben alle Optionen geprüft. Das Museum in Friedrichshafen bietet die richtigen Rahmenbedingungen. Die Dornier-Stiftung hat den Platz und die Räumlichkeiten, um die Geschichte der ‚Landshut‘ würdigen zu können.“ Im Ministerium werde „die große Enttäuschung in Flensburg“ verstanden. Mit Friedrichshafen sei „unter allen kreativen und schönen Vorschlägen“ jene Möglichkeit ausgewählt worden, wo die Maschine „der Öffentlichkeit am besten präsentiert werden“ könne.

Kühner Entwurf: So oder so ähnlich hätte das Ausstellungsgebäude für die „Landshut“ am Flugplatz Schäferhaus ausgesehen.
Kühner Entwurf: So oder so ähnlich hätte das Ausstellungsgebäude für die „Landshut“ am Flugplatz Schäferhaus ausgesehen. Foto: Entwurf: Laust Lorenzen
 

Der Flensburger Kaufmann Thomas Liebelt, der sich für eine Ausstellung der „Landshut“ im Norden der Republik stark gemacht hat, bestätigte die Aussagen der Oberbürgermeisterin. „Simone Lange wurde in meiner Anwesenheit von Sigmar Gabriels Sprecher zugesichert, dass sie ein Signal aus dem Auswärtigen Amt erhalten würde, wenn das Verfahren zur Standortfindung festgelegt und die Frist für eine offizielle Bewerbung eröffnet wird. Doch nichts geschah.“

Liebelt wittert Spiel mit falschen Karten

Völlig neu und überraschend sei für ihn gewesen, dass das Auswärtige Amt nun von Partnern spreche, mit „denen das Projekt vorbereitet wurde und zu denen die Dornier-Stiftung gehören soll“. Wenn das tatsächlich so gewesen sein sollte, „würde das bedeuten, dass man auf höchster politischer Ebene mit engagierten Bürgern und mit der Stadtverwaltung der drittgrößten Kommune Schleswig-Holsteins von vorn herein mit falschen Karten gespielt hätte“. Das könne er sich nicht vorstellen. Treffe es zu, wäre es skandalös.

Am Donnerstag hatte es im Auswärtigen Amt geheißen: „Wir freuen uns, dass wir die ‚Landshut‘ in gemeinsamer Anstrengung mit unseren Partnern vor dem endgültigen Verfall und der Schrottpresse retten konnten.“ Die „Bild“-Zeitung hatte gemeldet: „Das Auswärtige Amt, Lufthansa, die Dornier-Stiftung und ‚Bild‘ haben monatelang an der Rückführung der ‚Landshut‘ gearbeitet.“ Dies konnte als Hinweis auf Gabriels „Partner“ gedeutet werden.

Die „Landshut“ steht momentan im brasilianischen Fortaleza nördlich von Rio de Janeiro. Außenminister Gabriel möchte sie bis Oktober nach Deutschland holen. Der Ankauf des Flugzeuges soll 20.000 Euro kosten, Rückführung und Restaurierung der Maschine je nach Schätzung 1,5 bis zwei Millionen Euro. Der Museumsbau käme oben drauf.

Der Hintergund der „Landshut“

Die „Landshut“ war am 13. Oktober 1977 von RAF-Mitstreitern entführt worden. Fünf Tage später beendete die GSG-9 die Geiselnahme in der somalischen Hauptstadt Mogadischu gewaltsam. Die Eliteeinheit befreite mehr als 80 Passagiere und Crewmitglieder körperlich unverletzt.

Die Bundesregierung soll die „Landshut“ für umgerechnet 20.000 Euro gekauft haben. Transport und Restaurierung werden mit einem einstelligen Millionenbetrag veranschlagt. Wer das Geld konkret aufbringt, ist bisher nicht bekannt. Dass Dornier Museum hatte die Stadt Friedrichshafen um finanzielle Hilfe gebeten.

Gabriel erklärte der „Bild“-Zeitung: „Die ‚Landshut‘ hat es verdient, in Deutschland eine letzte und würdige Heimat zu finden. Ihre Geschichte ist auch heute noch spannend und auch wieder hochaktuell, in Zeiten, in denen ein ganz anderer Terrorismus unser friedliches Zusammenleben bedroht.“ Nach Meinung des Ministers geht von der „Landshut“ die Botschaft aus: „Wir lassen uns nicht unterkriegen. Dem Terrorismus werden wir uns nicht beugen, wir sind stärker.“

Ziel der Entführer der Boeing (Modell 737-200) war es, die RAF-Führungsmitglieder aus dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim freizupressen. Chefpilot Jürgen Schumann war mit einem Kopfschuss getötet worden. Die Eliteeinheit GSG-9 erschoss drei Terroristen und verletzte eine Komplizin schwer. Die Nachricht von der geglückten Geiselbefreiung wurde rasch in Deutschland vermeldet.

<p>Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, eine Verschrottung des Flugzeugs zu verhindern.</p>

Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, eine Verschrottung des Flugzeugs zu verhindern.

Foto: dpa

In den Morgenstunden des 18. Oktober 1977 nahmen sich die RAF-Terroristen Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader das Leben. Wiederum einen Tag später verkündete die RAF die Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Die dramatischen Ereignisse gingen als Deutscher Herbst in die Geschichtsbücher ein. Die „Landshut“ gilt als technisches Symbol jener bewegten Zeit.

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erstellt am 30.Jul.2017 | 09:13 Uhr

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