Özil-Debatte in Flensburg : Fußball verbindet

Voll zufrieden: Friseursalonchef Mustafa Oguz.
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Voll zufrieden: Friseursalonchef Mustafa Oguz.

Was türkisch-stämmige Flensburger zum Thema Integration sagen

shz.de von
25. Juli 2018, 10:38 Uhr

Die Debatte, die Mesut Özils Foto mit dem türkischen Präsidenten ausgelöst hat, verfolgen auch Flensburger Türken und Flensburger türkischer Herkunft.

„Zwangsläufig“, sagt einer, der 1978 aus der Türkei nach Deutschland kam. Der Wirtschaftswissenschaftler weist den Medien eine Verantwortung zu für die Gestaltung der Debatte. Nach dem aus Sicht des deutschen Teams „misslungenen Auftakt der WM ist ein Sündenbock gesucht worden“. Sein Eindruck ist, dass Hass geschürt werde, und seine Befürchtung mit Blick auf die Europawahl 2019, dass der Rechtspopulismus erstarkt. „Wir haben ganz andere Probleme“, sagt er. Die Herkunft eines Menschen hält er für nebensächlich: „Wir stammen alle von einem Vater und einer Mutter ab.“

Negative Erfahrungen aufgrund seiner Wurzeln habe er durchaus gemacht, erinnert Erdal Kösgeroglu. Doch gehe er auf die Sprüche nicht mehr ein. Der 41-Jährige, der mit drei nach Deutschland zog, ist dem Jugendzentrum AAK „dankbar für die Integrationsarbeit“. Dort habe er seine Bewerbung für die Ausbildung als Schiffbauer geschrieben, dort sei er praktisch aufgewachsen, sagt er, „da wurde mir gezeigt, wie das Leben in Deutschland ist.“ Jetzt gebe er das an seine Kinder weiter. Kösgeroglu ist der Meinung, dass auch Fußball zur Integration beitrage. „Ich bin durch Fußball gut aufgenommen worden“, sagt der Jugendtrainer für den TSB, der deutsche und türkische Mannschaften trainiert hat. Er plädiert dafür, Menschen mitzunehmen statt auszugrenzen und die verschiedenen Nationen besser in den Stadtteilen zu verteilen. Wenn man immer mit den selben Leuten aus der gleichen Ecke zusammen sei, grenze man sich selbst aus.

Wie es zum Rücktritt Özils gekommen sei, könne er nachvollziehen, sagt der Fußballexperte und ergänzt, dass sich Özil sehr sicher gewesen sein muss, in dem, was er über Ausgrenzung sagt.

Zu „tausend Prozent“ sei er zufrieden, sagt Mustafa Oguz auf die Frage der Integration in Flensburg und hatte nie ein Problem. Den Friseursalon, den er in der Neustadt betreibt, hat er nach seiner Heimatstadt benannt: Istanbul. Mit zehn oder elf sei er nach Flensburg gekommen, eine „Top-Stadt“, wie er findet. Er habe seinen Meister bei der Handwerkskammer gemacht, unter anderem einen Kurden aus Syrien eingestellt und einen Araber aus Algerien. Er zählt Handballer der SG zu seinen Stammkunden, sagt er, und, dass vier von fünf seiner Kunden Deutsche seien, seine Frau im übrigen auch. Ab und zu versichert sich Oguz bei seinem Mitarbeiter Kerim Yekte, ob er die Frage auf Deutsch richtig verstanden hat und spricht mit ihm über die Flüchtlinge, die seit 2015 kommen. Das einzige Problem, das beide hier sehen, sei, dass bei Konflikten unter Flüchtlingen alle Menschen mit Migrationshintergrund über einen Kamm geschoren würden.

„Rassismus und Diskriminierung sind ernste Themen, das muss aufgearbeitet werden“, sagt Sedef Atasoy und trennt diese Aspekte vom „Hype“ um das Özil-Foto, der sie verwundert habe, und der „überflüssigen Diskussion“ danach. Sie empfiehlt ganz einfach: „Die Beteiligten sollen erstmal miteinander reden.“ Ihre Eltern kamen vor 40 Jahren nach Deutschland. Atasoy ist Flensburgerin, 38 Jahre alt und leitet den Geschäftsbereich Existenzgründung, Unternehmensförderung und Internationales bei der IHK. Ihre eigene Tochter, sagt sie, habe keinen Migrationshintergrund mehr. Sie und ihr Mann legten Wert darauf, dass die Kleine zweisprachig aufwächst: „Wir geben unserer Tochter beide Kulturen mit.“ Persönlich habe sie keine negativen Erfahrungen aufgrund ihrer Wurzeln gemacht, sagt Atasoy und erzählt eine andere Anekdote: „Sie sprechen aber gut Deutsch“, bekomme sie manchmal zu hören und kontert für gewöhnlich: „Sie aber auch!“

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