Immobilie : Fuß in der Tür vom "Kaysers Hof"

Kein Aushängeschild: Der Bereich Schiffbrücke 30 bis 36 mit dem früheren Hotel (l.) und ehemaligen Wohnhäusern mit Kneipen im Erdgeschoss. Foto: staudt
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Kein Aushängeschild: Der Bereich Schiffbrücke 30 bis 36 mit dem früheren Hotel (l.) und ehemaligen Wohnhäusern mit Kneipen im Erdgeschoss. Foto: staudt

Stadt sichert sich ein Vorkaufsrecht, um unerwünschte Entwicklungen zu verhindern / Noch kein Investor in Sicht / "1a-Projekt" im Rathaus

shz.de von
28. März 2012, 06:13 Uhr

Flensburg | Seit Wochen flattert eine zerfetzte Folie auf dem nackten Dachstuhl drei Etagen über dem legendären "Journal". Vom schmalen Haus daneben bröckelt mindestens genauso lange der Putz, so dass ein Teil des Gehwegs abgesperrt werden musste. Ein nicht minder desolates Bild gibt der eigentliche "Kayser’s Hof" mit seiner gelblichen Fassade, den sieben Bögen im Erdgeschoss und den verbretterten Fenstern ab. Und dieses traurige Ensemble steht ausgerechnet an Flensburgs maritimer Flaniermeile, dem Aushängeschild der Stadt. Ein unübersehbarer Schandfleck am Rande der Altstadt.

Es gab schon Zeiten, als der Besitzer des Komplexes durch geschickte Öffentlichkeitsarbeit den Eindruck erweckte, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis hier Hotelgäste ein- und auschecken. Pläne wurden vorgestellt, Modelle gebaut, Bürger informiert. Das ist ein paar Jahre her, und der Verfall der Häuser und des dahinter liegenden Hofes ging weiter.

"Der innere und äußere Zustand macht uns erhebliche Sorgen", sagte gestern Peter Schroeders, Leiter des Fachbereichs Entwicklung und Innovation. "Wir berfürchten eine negative Abstrahlung in die nördliche Altstadt; das könnte die Sanierungsziele gefährden." Doch jetzt wird die Stadt aktiv: Sie sichert sich ein besonderes Vorkaufsrecht. Der Planungsausschuss stimmte gestern einem entsprechenden Antrag des Fachbereichs zu. Damit möchte die Stadt verhindern, dass irgendein Investor die Gebäude erwirbt und auf eine Art und Weise nutzt, die nicht zu den Planungszielen der Stadt passt. Zum Beispiel als Bordell oder Eros-Center. In so einem Fall hätte die Stadt nach der neuen Satzung die Möglichkeit, ihr Vorkaufsrecht auszuüben, allerdings zu dem Preis, der zuvor zwischen Verkäufer und Käufer ausgehandelt worden ist.

Bis zu seiner Insolvenz hatte Besitzer Kay-Uwe Jensen immer wieder versucht, einen Investor für einen Hotel-Bau zu finden; nach eigenen Angaben war er mehr als einmal kurz vor einem Vertragsabschluss. Jetzt hat der Hamburger Insolvenzverwalter Jan Wilhelm das Sagen, doch die wirtschaftliche Macht über das Grundstück, das bei allem Verfall immer noch als Filetstück betrachtet werden darf, hat der Haupt-Gläubiger. Und das ist die Nord-Ostsee-Sparkasse.

Der Komplex zwischen Norderstraße und Schiffbrücke ist immer wieder als bevorzugte Alternative zum Standort Ballastkai für ein gehobenes Hotel ins Spiel gebracht worden. Doch die Investoren auf der anderen Hafenseite, die letztlich mit ihren sehr weit gediehenen Hotel-Plänen nicht zum Zuge kamen, haben frühzeitig abgewinkt. Das Areal zwischen Oluf-Samsons-Gang und Herrenstall gilt als baulich diffizil. Man weiß nicht, wie bei Abriss- und Gründungsarbeiten benachbarte Gebäude reagieren. Außer der Idee eines Hotels sind nie andere Vorschläge konkret geworden; Schroeders brachte allerdings gestern erneut eine mögliche Wohnnutzung oder eine Anlage zum Abstellen von Autos ins Spiel.

Städtebauförderungsmittel wird es für das Projekt nicht geben, so Schroeders. "Wir haben den Bereich zu früh aus der Sanierung entlassen", räumte er selbstkritisch ein.

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