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FH wird Hochschule Flensburg : „Für Beate Uhse fehlte uns der Mut“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

FH-Präsident Holger Watter erklärt, warum der Name Fachhochschule nach 40 Jahren nicht mehr passt – und man bei Hochschule Flensburg landete.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2016 | 10:45 Uhr

Herr Prof. Watter, die Fachhochschule will sich ab sofort ganz neu präsentieren. Der Name, der dabei herausgekommen ist, hört sich zunächst nicht sehr einfallsreich an: Hochschule Flensburg. Wie ist es dazu gekommen?

Wir sind in den 70er Jahren als Ingenieursschule für Schiffsbetriebstechnik gegründet worden. Da waren wir die Fachhochschule für Schiffsbetriebstechnik, und da hat der Name auch gepasst. Mittlerweile haben wir 20 Studiengänge, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Nautik, Informatik, Medieninformatik, Energiewissenschaften, Wirtschaft, Krankenhausmanagement – um nur einige zu nennen. Wir sind breiter aufgestellt als manche Universität. Der Name Fachhochschule passt einfach nicht mehr. Das entspricht übrigens auch einem Bundestrend.

Und welche Idee steckt dahinter?
Wir machen das aus Überzeugung, weil es bestimmte Berufsgruppen gibt, die Fachhochschulen noch immer nicht richtig einschätzen können. Was in den letzten zehn Jahren mit Bologna und dem Bachelor- und Master-System passiert ist, war eine große Chance für die Fachhochschulen, um sich weiterzuentwickeln. Das haben viele Berufsgruppen, die mit den Fachhochschulen nichts zu tun haben, noch nicht verstanden. Ingenieure und Diplom-Kaufleute wissen, was sie von der FH bekommen. Aber es gibt Berufsgruppen – zum Beispiel Juristen und Lehrer –, die noch das alte Bild einer Fachhochschule in den Köpfen haben. Deshalb sehen wir im Namen Hochschule Flensburg eine neue Chance.

Wir Journalisten würden denken, die Chance wäre noch größer, wenn der Name mit etwas Positivem verbunden würde – ob Ostsee-Hochschule, Förde- oder Baltic Sea-Campus.

Wir haben lange verschiedenste Varianten diskutiert. Hochschule für angewandte Wissenschaften Flensburg ist diskutiert worden. Das ist zu lang und zu unhandlich, obwohl es das Profil am besten beschreibt. Ein Favorit wäre tatsächlich gewesen: University of Applied Sciences – Universität für angewandte Wissenschaften. Das wäre stringent gewesen. Aber diesen Mut, uns Universität zu nennen, haben wir der Politik und der Gesellschaft nicht zugetraut. Über Namensnennung haben wir auch nachgedacht: zum Beispiel Eckener-Hochschule. Ein Kollege hat vorgeschlagen: Wir müssen eine Person finden, die aus Flensburg kommt, bundesweite Strahlkraft hat und am besten noch weiblich ist. Dann ist man relativ schnell bei Beate Uhse. Aber auch den Mut haben wir nicht gehabt. Insofern: Hochschule Flensburg beschreibt uns, ist kurz und knackig – und ich muss den Begriff nicht hinterfragen: Was heißt eigentlich Ostsee-Hochschule?

Der Begriff erklärt sich aber auch nicht selbst. Man könnte zum Beispiel die Hochschule Flensburg mit der Universität verwechseln.

Sie nehmen eine sehr schleswig-holsteinische Perspektive ein: Schleswig-Holstein ist „Lummerland“. Andere Länder sind sehr viel weiter. Dieses Bundesland hat noch nicht einmal das Hochschulgesetz geändert. Unser Problem ist, dass wir ein Umfeld haben, das sehr konservativ ist und den Bundestrend noch nicht verstanden hat.

Ich weiß nicht, wie junge Leute heute Hochschulen finden, wenn sie nicht aus Tarp und Eggebek stammen. Junge Leute aus West- oder Süddeutschland gewinnen Sie vielleicht eher mit einem positiven Bild von der Küste.

Das war eine Variante, die wir diskutiert hatten, die in der Diskussion aber hinten rübergefallen ist. Unsere Studenten sagen oft: Ich geh’ zur Uni, obwohl das eigentlich nicht stimmt. Selbst das Bundesverfassungsgericht kann zwischen Fachhochschulen und Universitäten nicht mehr unterscheiden. Wir haben das Promotionsrecht, wir machen Forschung, sind im oberen Drittel der norddeutschen Hochschulen bei der Drittmittelquote , und mit dem Master ist die Frage Höherer Dienst oder Gehobener Dienst geknackt.

Die Uni hat längere Semesterferien...

...und die Professoren an der Uni lehren acht Stunden und wir 18. Das will ich aber gar nicht ändern. Das ist ja unsere Stärke, dass wir näher an den Studierenden dran sind.

Mit Ihrem neuen Namen verbindet sich ja mehr. Wie kann der Erneuerungsprozess nach innen und außen einen Schub bringen?

So viel ändern müssen wir nicht. Wir haben das Glück, dass unsere Studiengänge stark nachgefragt werden und haben eine hohe Kundenzufriedenheit von der Wirtschaft und bei den Studierenden. 70 Prozent unserer Studierenden haben nach drei Monaten einen Job. Und zum Stichwort Akademikerwahn: 40 Prozent unserer Studierenden haben vorher eine Ausbildung gemacht, setzen dann ein Studium obendrauf und gehen dann in die Industrie zurück. Das ist ein Standbein, das wir stärker ausbauen wollen. Wir verstehen uns als Hochschule der Region und der Wirtschaft. Die Universitäten sind mehr für die staatliche Daseinsvorsorge da: Lehrer, Ärzte, Pastoren, Richter.

Sie haben Ihre Namensumbenennung mit einer kleinen verrätselnden Kampagne begleitet. Welche Überraschung werden Sie heute noch lüften?

Die größte Überraschung ist das neue Logo. Eine Hochschule besteht aus einzelnen Individuen, deren Summe die Hochschule ausmacht. Wir haben eine Logo-Familie entwickelt. Jeder Mitarbeiter kann mit seinem eigenen Logo mit eigenem DNA-Streifen sein eigenes Profilbild nach vorne bringen.

Was haben wir online von Ihnen Neues zu erwarten?

Der Internet-Auftritt ist, wie auch das neue Logo und neue Corporate Design, von unseren Medieninformatikern komplett überarbeitet worden: Welche Zielgruppe spreche ich an? Was muss im Vordergrund stehen für Studierende? 90 Prozent unserer Kundschaft kommt über das Internet. Mir ist aber auch wichtig, dass wir nicht mehr wie in den 70er Jahren nur als höhere Lehranstalt wahrgenommen werden. Heute müssen unsere Kompetenzzentren und Forschungsschwerpunkte stärker in den Vordergrund gestellt werden.

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