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Schiffbau in Flensburg : FSG segelt aus der Auftragsflaute

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünfter Neubau-Auftrag binnen eines Monats: Irish Ferries bestellt RoPax-Fähre für 1800 Passagiere / Freitag Stapellauf für RoRo-Neubau

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2016 | 11:00 Uhr

Und noch ein Auftrag: Die Flensburger Schiffbau Gesellschaft fährt mit voller Kraft aus der Auftragsflaute. Das Unternehmen informierte gestern lapidar in einem Zehnzeiler von einem weiteren Großauftrag: Im Auftrag der Irish Continental Group (Dublin) baut „Flensburger“ eine Ropax-Fähre für deren Tochtergesesellschaft Irish Ferries. Das kombinierte Fracht– und Passagierschiff soll Mitte 2018 ausgeliefert werden. So weit reicht aktuell die Auslastung an der Batteriestraße.

Seit Anfang Mai geht es dort Schlag auf Schlag. Bereits während des Stapellaufs für das zweite Offshore-Spezialschiff „Helix 2“ hatte der damalige FSG-Geschäftsführer Ulf Bertheau vergangenen Dezember inoffiziell den bevorstehenden Abschluss zweier Bauaufträge für Siem Industries, Muttergesellschaft der FSG, angekündigt. Im Mai wurde es dann amtlich: binnen zehn Tagen vermeldete das die FSG verbindliche Auftragseingänge über den Bau von vier auf den Transport von LKW-Aufhängern spezialisierten RoRo- und jetzt dem RoPax-Schiff für Irland.

Noch ein halbes Jahr zuvor schien die Zukunft der FSG in düsteren Farben. An der Ausrüstungspier lagen die beidenauf die Arbeit in Bohrfeldern spezialisierten Well Intervention Vessels „Helix 1“ und „Helix 2“, die auf Rechnung des neuen Werfteigners Siem zur Vercharterung an Helix Energy Solutions Group (Houston) gebaut wurden. Die Zukunft damals: Überschaubar. In der Werfthalle lag noch eine frisch auf Kiel gelegte RoRo-Fähre für die australische Searoad-Reederei in Melbourne – und danach nichts mehr. Die Perspektive: Kurzarbeit. Bestenfalls.

Das war alles gestern. Mit dem jüngsten Bauauftrag sicherte die FSG Vollbeschäftigung für weitere zwei Jahre. Die Fähre für Irland ist eine Neuentwicklung der Flensburger Werft, die bei der Konstruktion nach eigenen Angaben ihre traditionell hohen Qualitätsstandards weiter vorangetrieben hat. Das Schiff gehört mit 194,80 Metern Länge zu den größeren Exemplaren, die an der Galwik gebaut wurden, und komplettiert die moderne Flotte der irischen Reederei, die in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben 450 Millionen Euro in ihren Fuhrpark investiert hat. Aktuell hat Irish Ferries fünf Schiffe für den Transport von Autos und Passagieren im Einsatz, von den irischen Häfen Dublin und Rosslare laufen die RoPax-Fähren Pembroke und Holyhead in Wales bzw. Cherbourg und Roscoff in Frankreich an. Die jüngste Liste von Neubauten zeigt auch, dass die Flensburger Schiffbauer vorerst wieder auf dem Geschäftsfeld aktiv sein werden, auf dem sie es seit der Jahrtausendwende zum Weltmarktführer gebracht haben. Mit den über eine lange Serie stets verfeinerten RoRo-Schiffen wird wieder das Geld verdient. Dabei hatte sich die FSG im April 2013 mit der Übergabe der „Istanbul“ an ihren treuen türkischen Kunden U.N. eigentlich offiziell vom Serienschiffbau verabschiedet.

Fortan setzte das Unternehmen auf Spezialschiffe für den Offshore-Boom, der allerdings mit dem Verfall des Ölpreise schnell auf Tauchfahrt ging. Zudem bekamen die Schiffbauer die Umstellung von der Serie zur Spezialanfertigung nicht ohne Reibungsverluste hin. Als im September 2014 die norwegische Siem Industries unter intensiver Mitwirkung des Landes Schleswig-Holstein die Werft übernahm, war das Unternehmen angezählt.

Die Erleichterung über die fünf aktuellen Bestellungen lässt sich auch daran ermessen, dass der letzte Auftrag – die RoRo-Fähre für Australien – aus ebendieser Zeit der stammt. Von Mai 2014 an lebte die FSG von der Hoffnung – seit Mai 2016 wieder von Aufträgen.

An der Ausrüstungspier braucht man wieder Platz. Vergangenen Sonnabend, 9 Uhr, verließ „Helix 1“ Flensburg zur Werfterprobungsfahrt. Gestern kreuzte das Schiff vor Skagen, in wenigen Tagen soll es Schidam zur Endausrüstung anlaufen und im September seine Arbeit im brasilianischen Libra-Ölfeld vor Rio de Janeiro aufnehmen, Schwesterschiff „Helix 2“ wird im Juni/Juli folgen.

Der freie Platz wird benötigt, denn am Freitag läuft das australische RoRo-Schiff vom Stapel – begrüßt von einer 20-köpfigen Searoad-Crew, die aus Melbourne nach Flensburg gekommen ist. Das Schiff mit seinem umweltfreundlichen Flüssiggas-Antrieb soll Ende Oktober abgeliefert werden, teilt die FSG mit.

Der freie Platz in der Halle wird umgehend vom ersten der zwei für die türkische Ekol-Group bestimmten RoRo-Schiffe eingenommen werden. Sie sollen beide in 2017 und 2018 abgeliefert werden. Zwischen diesen Aufträgen werden die beiden RoRos für die Konzernmutter Siem gebaut, die beide bereits an die dänische DFDS-Reederei verchartert hat. Auslieferung: Mai beziehungsweise September 2017.

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