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Tausendsassa zur See : FSG-Neubau besteht alle Prüfungen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach viertägiger Erprobung im Kattegat folgte in der Nacht zu Montag die Probe aufs Exempel. Die Rolldock Star musste in der Bucht von Wassersleben um sieben Meter abgesenkt werden.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Viel Schlaf gab’s nicht in den vergangenen fünf Tagen an Bord des jüngsten Neubaus der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Einer viertägigen Erprobungsfahrt im Kattegatt folgte gestern Nacht in der Wasserslebener Bucht der spannendste Teil eines spannenden Schiffbauprojektes: Das Absenken der „Rolldock Star“ durch Fluten ihrer riesigen Ballasttanks. Am Ende gab’s gestern nur gute Nachrichten für Andreas Mohr, der an der Batteriestraße Projektleiter für den Bau des komplexen Spezialschiffes ist. Die „Rolldock Star“ hat alle Prüfungen bestanden und kann am 12. Dezember pünktlich an ihre holländische Reederei abgeliefert werden.

Noch unter der FSG-Werftflagge absolvierte das 151 Meter lange Spezialschiff im Kattegatt vor der schwedischen Küste eine ganze Reihe von Übungen. Mit gut 100 Ingenieuren, Mechanikern und ihrer nautischen Crew an Bord musste das Schiff ein engmaschiges Prüfprogramm durchlaufen: Vibrationsmessungen, Funktionprüfungen der sehr vielschichtigen automatischen Systeme, der Manöverierfähigkeit, Feststellen der garantierten Marschgeschwindigkei von 16 Knoten (rund 30 km/h) – während des viertägigen Seatrials wurden Hunderte von Parametern abgeglichen und von den Vertretern des Auftraggebers abgenommen. Sonntag nachmittag machte die „Rolldock Star“ vorübergehend wieder an ihrer Ausrüstungspier in Flensburg fest, um am Abend in der Wasserslebener Bucht die letzte Prüfung abzulegen. Für Andreas Mohr, „Vater“ des technologisch sehr aufwendigen Spezialschiffes, vielleicht der spannendste Moment überhaupt: Vor Anker liegend wurde der Frachter um fast sieben Meter abgesenkt. Das bedeutete Höchstarbeit für die Pumpen, die computergesteuert in fünf Stunden die 39 Ballasttanks der „Rolldock Star“ mit 8000 Tonnen Wasser fluteten und nach dem erfolgreichen Absenken in weiteren vier Stunden wieder leer pumpten.

Von den drei Spezialeigenschaften des Neubaus – die Liebherr-Kräne der „Rolldock Star“ meistern Lasten von 700 Tonnen, die Heck-Pier-Rampe hält 1500 Tonnen Druck stand– ist das kontrollierte Absenken die mit dem höchsten Gefährdungspotenzial. Üblicherweise wird diese Fähigkeit genutzt, um etwa Schwimmbagger für einen Überseetransport einzuschwimmen. Eine Disziplin mit Tücken. „Im abgesenkten Zustand verhält sich ein Dockschiff so ähnlich wie ein bis zum Rand gefüllter Eimer im Wasser. Da braucht es nicht viel, um ein System aus dem Gleichgewicht zu bringen“, sagt Mohr. Die FSG nahm einen Unglücksfall vor einer Bohrinsel bei Lagos als Warnung: „Da ist ein Dockschiff nach einem elektrischen Blackout in 20 Minuten abgesoffen“, so Mohr. Auf der „Rolldock Star“ sorgen leistungsfähige Batterien dafür, das für diesen Extremfall der Zustand des Absenkens eingefroren werden kann. „So verhindert man, das Wasser von Backbord nach Steuerbord fließen kann und das Schiff liegt stabil. Dann haben sie wenigstens Zeit, sich ihren Strom wieder zu besorgen.“

Wenn sein blaues Baby ausgeliefert ist, wird Mohr den Bau des jetzt auf der Helling liegenden Schwesterschiffs (Abgabe Mai 2014) gelassener verfolgen. Die Aussichten, dass die Rolldock-Zwillinge Gesellschaft bekommen, sind nicht schlecht. Das Nischengeschäft Spezialschiffbau beherrscht nicht jeder. Schließlich profitierte die FSG davon, dass Rolldock wegen technischer Probleme und erheblicher Terminüberschreitungen auf der indischen Werft Larsen & Toubro (Hazira) den Auftrag über zwei weitere Einheiten stornierte und in Flensburg bauen ließ.

 

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