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Flensburger Hochschule : Frust über Zeitverträge an der Uni

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Befristete Arbeit: Die Mitarbeiter klagen über fehlende Planungssicherheit und Existenzängste. Die Hochschule möchte Nachwuchs-Wissenschaftler fördern.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Was in Unternehmen undenkbar ist, ist an staatlichen Hochschulen Standard: Langjährige Mitarbeiter unterschreiben einen Zeitvertrag nach dem anderen, Hoffnung auf eine unbefristete Stelle gibt es so gut wie gar nicht. Auch die Europa-Universität Flensburg beschäftigt so den Großteil ihrer Mitarbeiter. Während der Hochschule nach eigener Aussage durch die Rahmenbedingungen und Vorgaben des Wissenschaftszeitgesetzes die Hände gebunden sind, müssen sich die Mitarbeiter Gedanken über ihre Zukunft machen. Denn niemand weiß, ob und wie lange der befristete Vertrag verlängert wird.

Davon kann auch eine Mitarbeiterin der Universität, die namentlich nicht in Erscheinung treten möchte, ein Lied singen. Vier Verträge in sechs Jahren hat sie bekommen – von Planungssicherheit kann da keine Rede sein. „Einmal hatte ich eine volle Stelle“, sagt sie, „die anderen waren auf 50 und 75 Prozent begrenzt.“ Das sei vor allem für Familien und alleinerziehende Elternteile schwierig, die permanent unter Druck stehen. Sie hätten Existenzängste, denn neben der Befristung bereitet ihnen auch das Gehalt einer Teilzeit-Stelle am Monatsende sorgen. „Viele, die promovieren und lehren, haben eine zweite Stelle, um über die Runden zu kommen“, beschreibt die Mitarbeiterin ein gängiges Problem. „Dann wird aus der Doppel- eine Dreifach-Belastung und das schafft man nicht lange“, erzählt sie aus eigener Erfahrung.

Warum gibt es an der Europa-Universität hauptsächlich Zeitverträge? „Um den immer neu zu gewinnenden wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, auf den die Hochschule angewiesen ist“, erklärt Hilke Nissen, persönliche Referentin des Präsidenten Werner Reinhart. „Würden Stellen, die der wissenschaftlichen Qualifikation dienen, unbefristet vergeben werden, wären diese Nachwuchsstellen über Jahre blockiert und ständen damit für künftige Hochschulabsolventen nicht mehr zur Verfügung, so dass kein neuer wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet werden könnte.“

Die Befristungsdauer ist, so Nissen, abhängig vom Grund der Befristung. Qualifikationsstellen mit dem Ziel einer Promotion oder Habilitation werden so befristet, dass das Qualifikationsziel erreicht wird. Für jede Promotions- oder Habilitationsphase stehen sechs Jahre zur Verfügung. Stellen, die über Drittmittelprojekte eingeworben werden, sind an die Laufzeit des Projektes gebunden. Nissen betont jedoch, dass die Europa-Universität bestrebt ist, Verträge mit angemessener Laufzeit zu schließen. Das bedeutet, dass die Wissenschaftler keine Projekte einwerben würden, die für weniger als sechs Monate angesetzt sind. Darüber hinaus gebe es Stellen, die aufgrund eines vorübergehenden Mehrbedarfs befristet sind – im Rahmen einer umzusetzenden Reform. Nissen erklärt außerdem, dass die Hochschule für Daueraufgaben in Forschung und Lehre unbefristete Verträge ausstellt und zudem bemüht ist, für Mitarbeiter im Rahmen der gegebenen Bedingungen unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen.

Dafür könnte unter anderem das Zukunftspaket Hochschulen hilfreich sein, das im Juli vorgestellt wurde. „Die Hochschulen haben das Geld, um Verträge für feste Aufgaben zu entfristen“, sagt die DGB–Stadtverbandsvorsitzende Gabriele Schwohn. Durch die Hochschulpaktmittel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung habe es eine zusätzliche Finanzspritze gegeben, um für die steigenden Studierendenzahlen ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen. Schwohn zufolge hätten die Hochschulen in Schleswig-Holstein aber mit den Mitteln von Hochschulpakt I Rückmittel gebildet – in zweistelliger Millionenhöhe – was im öffentlichen Dienst nicht erlaubt sei.

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