Hochfeld : Frust im Vorzeige-Baugebiet

Hausbesitzer auf dem Hochfeld fühlen sich von der Stadt getäuscht: Vierfamilienhäuser, Raser auf der Ringstraße, keine Kreisverkehre

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27. Mai 2011, 07:15 Uhr

Flensburg | Auf den ersten Blick sehen sie unscheinbar aus: Schlichte Doppelhäuser mit Satteldach, Backsteinfassade, etwas größer als die meisten anderen Häuser im Baugebiet. Doch beim genaueren Hinsehen fällt auf: An den Stirnseiten sind große Balkone, zu denen eine Außentreppe hinaufführt. Die Balkone gehören zu separaten Wohnungen im Obergeschoss: Bei den Häusern in der Emmi-Leisner-Straße handelt sich um Vierfamilienhäuser in einem typischen Einfamilienhaus-Gebiet.

Schon vor einem Jahr beklagten sich Nachbarn bei der Stadt, dass sie diesen Häusertyp hier zulässt. Jetzt entsteht ein weiteres an der Beate-Rotermund-Straße, und wieder sind Anlieger besorgt, verärgert und enttäuscht. So befürchtet Norbert Schultz, dass direkt neben seinem Haus auf den letzten freien Grundstücken im gesamten Gebiet weitere Vierfamilienhäuser entstehen könnten - mit entsprechendem Verkehr in der kleinen Stichstraße, auf der auch seine Kinder spielen.

"Zu einem dieser Häuser gehören acht Autos", sagt er. Entsprechend sei die Parksituation, erst recht, wenn am Wochenende Besuch kommt. Von den Balkonen im Obergeschoss könne man direkt in die Gärten und auf die Terrassen der benachbarten Einfamilienhäuser schauen. Schultz und seine Nachbarn Jess Jørgensen und Ralf Suckow sind enttäuscht von der Stadt.

Die kann nichts gegen die "Verdichtung" in diesem Gebiet tun. Laut Bebauungsplan seien pro Haus zwei Wohnungen erlaubt, wobei die kleinere als Einliegerwohnung gewertet werde, so Stadtsprecher Thomas Hansen. Schultz hingegen bezweifelt, dass es sich um Einliegerwohnungen handelt und verweist auf § 75 Bewertungsgesetz.

Die Drei ballen noch aus anderen Gründen die Faust in der Tasche. Ralf Suckow ärgert sich, dass die Stadt von ihren ursprünglichen Plänen, die Abzweigungen von der Hochfelder Landstraße als Kreisel zu gestalten, abgewichen ist. "Das war für mich ein Grund, hierher zu ziehen", sagt er. Auch die ursprünglich geplante Fußgängerbrücke im Zuge des Pielwegs vermissen er und andere Eltern, müssen die Kinder doch jetzt die Hochfelder Landstraße überqueren - "und die Ampel steht viel zu dicht an der Fahrbahn!"

Schultz und Jørgensen hingegen schauen mit Sorgen nach Südosten; direkt an ihren Grundstücken verläuft die alte Ringstraße, die immer noch, trotz Verbotsschilder, häufig befahren wird. "Warum wird sie nicht abgeriegelt?", fragen die beiden, die um die Sicherheit ihrer Kinder fürchten. Die frühere Baustraße sei Ende April geschlossen worden, seitdem müssen auch Baufahrzeuge über die Hochfelder Straße kommen. Letzte Beschwerde: Bei der von der Stadt bezahlten und in Auftrag gegebenen Bepflanzung der Privatgrundstücke sei zum Teil mangelhafte Ware gepflanzt worden. Suckows bitteres Fazit: "Flensburg macht mal wieder nur die B-Lösung."

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