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City Night Liner : Frühes Aus für den Nachtzug

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bahn streicht City Night Liner von Flensburg nach Basel und Amsterdam vorzeitig – dabei hatte der Vorverkauf für November bereits begonnen.

Wer im November oder in der ersten Dezemberhälfte gemütlich mit dem Nachtzug von Flensburg nach Basel, Amsterdam oder Köln fahren will, hat Pech: Die Deutsche Bahn schafft diese nächtlichen Direktverbindungen früher ab als zunächst angekündigt. Schon zum 1. November statt erst zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember wird der Betrieb eingestellt. Am 31. Oktober um 22:38 Uhr verlässt daher der letzte „City Night Liner“ den Flensburger Bahnhof.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis begründete gestern das gemeinsam mit der Dänischen Staatsbahn beschlossene vorzeitige Aus mit der zu niedrigen Auslastung der Züge: „Betriebliche Gründe und eine sich abzeichnende geringe Nachfrage führten zu dieser Entscheidung.“ Joachim Holstein, Betriebsrat bei der zuständigen Bahntocher DB European Rail Service, widerspricht allerdings: „Im November vergangenen Jahres haben Nacht für Nacht 300 Reisende den Zug benutzt,“ sagte er in Berlin. Das sei keine geringe Auslastung.

Die vorgezogene Einstellung des Flensburger Night Liners nannte Holstein „skandalös“: Man könne nicht erst einen Fahrplan bis Dezember veröffentlichen und dann auf einmal „wie ein Busunternehmen für Gelegenheitsfahrten“ sagen: „Gilt nur bei ausreichender Teilnehmerzahl!“, schimpfte Holstein. Weil die Vorverkaufsfrist für November schon begonnen hatte, als die Bahn das Vorziehen beschloss, müssten Kunden nun womöglich Fahrkarten zurückgeben und neu planen. Bahnsprecher Meyer-Lovis sagte: „Derzeit wird geklärt, ob Kunden bereits Buchungen vorgenommen haben.“

Erstmals und kritisch äußerte sich gestern auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer über das Ende des Flensburger City Night Liners. „Die Landesregierung ist über die Einstellung dieses Zuges nicht erfreut, denn er ist für das nördliche Schleswig-Holstein wichtig“, sagte der SPD-Politiker. Allerdings habe er auf diese Entscheidung der Bahn keinen Einfluss, da das Land für den Fernverkehr anders als für den Nahverkehr weder Zuschüsse zahle noch das Zugangebot bestelle.

Die Bahn will nicht nur den Flensburger Nachtzug streichen, sondern auch mehrere andere wie etwa den zwischen Berlin und Paris. Der Grund: Die Züge fahren Verluste ein. Betriebsrat Holstein widerspricht allerdings auch hier: „Die Züge selbst fahren wirtschaftlich“, sagte er. Ein Defizit komme nur durch die gestiegenen Verwaltungskosten in der Bahnzentrale zustande.

Sogar der Bundestag befasst sich heute mit dem Aus für die Nachtzüge. Auf Antrag der Linken debattiert das Parlament am Abend einen Vorstoß, der den Bund als Eigentümer der Bahn auffordert, auf eine Rücknahme des Beschlusses zur Abschaffung der Nachtzüge hinzuwirken. Vielmehr solle die Bundesregierung sich im Gegenteil dafür einsetzen, europaweite Nachtzugverbindungen voranzutreiben. „Wenn die Fußball-Europameisterschaft 2020 in 13 Ländern stattfindet“, sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Leidig, „dann wäre es doch hervorragend, wenn wir den Fans umweltfreundlichere Reisemöglichkeiten anbieten können als die Fliegerei.“ Zum Beispiel zwischen den Spielorten Kopenhagen und Amsterdam.

In Dänemark regt sich ebenfalls Widerstand gegen das Ende des Nachtzugs von Kopenhagen. Ein Bündnis von fünf Umweltverbänden hat Transportminister Magnus Heunicke in einem Brief dazu aufgefordert, die Nachtzüge „als umweltfreundliche und attraktive Alternative zu Flügen zu erhalten“ und künftig besser zu vermarkten. So müssten Reisende künftig überall Online-Tickets für Nachtzüge buchen können. Eine deutsch-dänische Online-Petition für den Erhalt des Nachtzugs hat inzwischen 5400 Unterschriften gesammelt.


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erstellt am 25.Sep.2014 | 18:03 Uhr

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