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Gelände der „Luftschlossfabrik“ : Frühere Pächter der Harniskaispitze: „Highship“ ist Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was wurde aus dem Rechtsstreit zwischen der Stadt und der Highship-Flugbootefabrik über Räumungskosten und Pachtausfälle?

Flensburg | Es ist aus. Vorbei. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr landete ein Technologie-Hoffnungsträger in Hamburg auf dem harten Boden der Tatsachen. Am 2. August 2016, es war 11.51 Uhr, leitete das Amtsgericht dort ein Insolvenzeröffnungsverfahren gegen die Tycoon GmbH & Co. ein – eine Firma, die Flensburgs Politik und Verwaltung viel Geld und Nerven gekostet hat. Den Antrag hatte die Stadt Flensburg gestellt – nach der abenteuerlichen Unternehmensgeschichte ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere in Rat und Verwaltung tatsächlich noch leise Hoffnungen hegte, da ließe sich noch etwas vom verlorenen Geld zurückholen. Aber die Wirklichkeit ist gnadenlos. Da war nichts. Vor zwei Monaten wurde die Firma von Amts wegen gelöscht, für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens hatte es mangels Masse gar nicht erst gereicht.

Das Ein-Mann-Unternehmen, das am Ende in einem tristen Wohnblock in Hamburg-Horn gemeldet war, stand für hochfliegende kommunalpolitische Träume und deren brutalen Absturz: Highship – jene wundervoll leichte Unternehmenskonstruktion der Bad Nauheimer Unternehmerin Barbara Geisel, die mit geträumten Zahlen und kunstvollen Verflechtungen privater britischer Ein-Pfund-Ltd.-Firmen die Illusion einer potenten High-Tech-Firma zauberte, die von der bordeigenen Tycoon GmbH & Co die Flensburger Betriebsstätte mieten wollte. Highship versprach Bodeneffekt-Fahrzeuge für den Weltmarkt zu produzieren – hier, an der Harniskaispitze.

Das war die Lage im Januar 2010. Wie man mittlerweile weiß, wurde das alles nichts. Es brauchte geschlagene dreieinhalb Jahre des Stillstands, ehe der Ratsversammlung der Geduldsfaden riss und sie den Rückfall des Pachtgrundstücks forderte, weitere zwei Jahre, ehe sie sich über die Gerichte wieder die Verfügungsgewalt über die Harniskaispitze erstritten hatte und zu guter Letzt noch des unschönen Knalleffekts einer gewaltsamen Räumung der Fläche durch zwei Polizei-Hundertschaften. Inzwischen hatte sich nämlich eine linksautonome Luftschlossfabrik Gebäude und Gelände der Flugbootefabrik angeeignet. Und die machte keine Anstalten, ihr kleines Flensburger Christiana freiwillig zu räumen. Barbara Geisel, die dafür als Pächterin eigentlich zuständig gewesen wäre, hatte sich da aber schon von ihrer Firma getrennt, ihr langjähriger Generalbevollmächtigter, Uwe Griesheimer, musste die Geschichte nach 2014 von Hamburg-Horn aus zu Ende bringen.

Fragt man heute nach der Kosten-Nutzen-Rechnung, hüllt sich die Verwaltung in eisernes Schweigen und bezieht sich auf die Vertraulichkeit privatrechtlicher Verträge, an die man halt gebunden sei. Auf Anfrage wollte das Rathaus nicht die Summe nennen, die im Zuge des Highship-Desasters aufgelaufen war und im Insolvenzverfahren zurückgefordert werden sollte. Wenigstens weiß man dank einer Kleinen Anfrage im Landtag inzwischen, was so ein Räumungs-Einsatz von zwei Polizeihundertschaften kostet: 327.000 Euro.

Dafür hätte man die Halbinsel auch mit Goldstaub pudern können. Aber es reichte nicht mal für Rollrasen, um den hier angedachten Bürgerpark etwas anziehender zu machen. Plötzlich sparsam geworden, wollte die Stadt auch keine Freiluftgrills oder gar Sitzmöbel fürs Volksvergnügen aufstellen. Immerhin: Seit letzter Woche hat das Piratennest geöffnet und tröstet mit Currywurst, Pommes, Bier und Meeresblick.

Und es könnte tatsächlich noch mehr kommen. Markus Pahl untersucht im Auftrag Flensburgs als Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft für Stadterneuerung nicht nur die Harniskaispitze, sondern das komplette östliche Hafenquartier auf seine urbanen Entwicklungsmöglichkeiten. Es gab eine intensive Bürgerbeteiligung, auf der Web-Seite des Sanierungsträgers sind die Workshops und Informationsveranstaltungen kleinteilig dokumentiert. „Aus den Workshops wissen wir, dass für die Flensburger die öffentliche Nutzung Priorität hat“, sagt Pahl. Seine Kollegen sind gerade damit beschäftigt, die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung zu einem Abschlussbericht zu verdichten, danach muss wieder mal die Politik über die Zukunft der Harniskaispitze entscheiden. Hoffentlich geht es dieses Mal gut.

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erstellt am 01.Aug.2017 | 09:00 Uhr

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