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Erfolgreiche Spendenaktion : Frohe Weihnacht für Exe-Brandopfer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach dem Großfeuer am 19. November kam die Welle der Hilfsbereitschaft, die allen obdachlosen Mietern einen guten Neustart ermöglicht. Wann die Brandsanierung abgeschlossen wird, steht noch in den Sternen.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 07:53 Uhr

Flensburg | Als sie in jener Dienstagnacht da alle so standen, noch unter dem Schock des nächtlichen Alarms, im Schein des Feuers, der Scheinwerfer und Blaulichter, war noch lange nicht selbstverständlich, dass die Mieter des Hauses Zur Exe 2-4 dieses Weihnachten in „eigenen“ vier Wänden, möbliert und behaglich warm würden feiern können. Bei dem durch Brandstiftung eines Stalkers entstandenen Großfeuer wurden Hab und Gut und unersetzbare Erinnerungsstücke zerstört. Gestern teilte der Selbsthilfe-Bauverein (SBV) mit, dass alle 20 betroffenen Mietsparteien versorgt sind.

„Wir haben aus unserem Bestand und dank der Hilfe befreundeter Unternehmen alle betroffenen Mieter in neuen Wohnungen untergebracht“, freute sich Gesa Kitschke bei einem Ortstermin gestern. Was die Leiterin des Wohnservice besonders freut: Die Spendenbereitschaft war überwältigend. „Wir hatten unendlich viele Sachspenden und über 11.000 Euro an Geldspenden, die wir auf 15.000 Euro aufgestockt haben.“ Mit diesem Geld konnten zahlreiche Härten abgefedert werden, die das Feuer erzeugt hatte. Neun der 20 Mietsparteien hatten keine Hausratsversicherung. Sie konnten beispielsweise dank des Guthabens mit Haushaltsgeräten ausgestattet werden. Weil das Spendenkonto damit noch nicht ausgeschöpft war, dürfen sich die betroffenen SBV-Mitglieder heute noch auf Post mit einem zusätzlichen Trostpflaster freuen.

„Ich werde dieses immer währende Pitsch-Patsch nicht vergessen, das von der Decke kam.“ Birgit Liesack wohnte im Hochparterre. Das Feuer verursachte in ihrer wie den meisten anderen Wohnungen auch keinen Schaden. Aber das Löschwasser. 200.000 Liter pumpte die Feuerwehr in den brennenden Dachstuhl. Und von da fraß es sich langsam wieder in den Keller, durchnässte alles. Einfach alles. Die 53-Jährige war gerade aus Marburg zurück, als sie aus der Wohnung geklingelt wurde. Ihr Rucksack war noch gepackt, und Birgit Liesack fand sich schnell draußen, mit leichtem Gepäck, aber aufgefangen durch große Hilfsbereitschaft. „Dafür kann man allen Helfern – ob SBV oder Feuerwehr – nicht genug danken!“ Besonders rührend fand sie das Schicksal von „Bärchen“. Das Kaninchen von Mandy, die mit ihrer Mutter unter dem brennenden Dach wohnte, war in der Brandnacht zurückgeblieben. Als die Bewohner am nächsten Morgen zurückkehrten, ihre brauchbaren Habseligkeiten zu holen, fanden sie das kleine Langohr putzmunter. Und nicht nur Bärchen. „Wir konnten zum Glück alle Haustiere retten“, sagt Gesa Kitschke. „Sogar eine Schlange.“

Für SBV-Chef Raimund Dankowski grenzt es ohnehin an ein Wunder, dass niemand bei diesem Anschlag (er galt einer Mutter mit zwei Kindern) ernsthaft Schaden erlitt. Dass im Nachgang mit der Welle der Hilfsbereitschaft eine seit Jahren zerstrittene Vater-Sohn-Beziehung wieder geheilt wurde, setzt einen versöhnlichen Kontrapunkt zur bösen Absicht: Der 48 Jahre alte mutmaßliche Täter sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Das wichtigste Ziel nach dem großen Feuer ist erreicht. „Alle unsere Mieter sind versorgt“, freut sich Kitschke. Die meisten wollen in ihren neuen Quartieren bleiben, einige – wie Birgit Liesack nicht. „Ich bin hier aufgewachsen und habe hier die meiste Zeit meines Lebens gelebt.“ Was aus dem Haus wird, ist jetzt eine Frage an die Baufachleute. „Das Haus ist schwer beschädigt“, sagt Technik-Chef Frank Jürgensen. „Die Frage, ob es überhaupt zu retten ist, ist noch lange nicht geklärt.“

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