Denkmalschutz in Flensburg : Frisches Geld für müde Häuser

Der stark baufällige Dietrich-Nacke-Hof geht in Teilen auf das 16. Jahrhundert zurück. Dank neuer Fördermöglichkeiten rückt eine sanierung näher.
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Der stark baufällige Dietrich-Nacke-Hof geht in Teilen auf das 16. Jahrhundert zurück. Dank neuer Fördermöglichkeiten rückt eine sanierung näher.

Nacke- und Sauermannhof vor der Sanierung? Flensburgs Denkmalschutz ist optimistisch

shz.de von
15. Mai 2018, 06:27 Uhr

Er sah schon mal besser aus. Der Dietrich-Nacke-Hof in der Großen Straße 48 ist eines der Sorgenkinder in der Reihe der Kaufmannshöfe, die Flensburgs Zentrum den unverwechselbaren Flair verleihen. Das fast100 Meter lange Ensemble von Wohn- und Gewerbegebäuden aus dem 16. Jahrhundert steht weitestgehend leer – und die Bauschäden drohen sich zur kritischen Masse aufzuaddieren.

Flensburgs Denkmalschützer Eiko Wenzel hat die Hoffnung aber nicht aufgegeben, die Hofanlage gemeinsam mit dem Eigentümer noch zu retten. Den entscheidenden Impuls könnten frische Fördermittel für das neue Sanierungsgebiet Westliche Altstadt bringen.

Wenzels ursprüngliche Hoffnung war gewesen, die Hofanlage in das 2014 aufgelegte Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus einzubringen. „Leider waren die Mittel damals nicht ausreichend“, so Wenzel. Jetzt steht ein neuer Fördertopf bereit, und dieses Mal sieht der Denkmalsschützer und stellvertretende Chef der Stadtplanung bessere Chancen.

Die Stadt hat mit der Festlegung des Sanierungsgebietes Westliche Altstadt vom Neumarkt bis zum Eckener-Haus ein großes Paket geschnürt. Neuordnung der Verkehrsbeziehungen am Neumarkt, zentraler Knotenpunkt der Innenstadt, Umgestaltung des Südermarktes, Sanierung des Deutschen Hauses und des Eckener-Hauses beispielsweise sind Projekte der Stadt, der Dietrich-Nacke-Hof und der Sauermann-Hof hingegen Projekte, die mit privaten Eigentümern abgewickelt werden sollen. Und dieses Mal, so Eiko Wenzel, soll es nicht wieder am Geld scheitern. „Das steht alles schon auf den Schienen. Der Innenminister hat unsere Finanzplanung vorliegen, dass wir mit beiden Höfen in die Förderung gehen können, ist wahrscheinlich.“

März 2017 war – wie berichtet – die Sanierung des Nacke-Hofes vertagt worden. Die Eigentümerfamilie Orthmann sah keine Möglichkeit, unter den Bedingungen des Denkmalsschutzes wirtschaftlich zu sanieren. Das könnte sich jetzt mit den neuen Städtebauförderungsmitteln ändern. Es gebe ein Konzept mit Wohnungen, Stadthäusern und gastromomischer Nutzung, so Wenzel.

Davon ist der seit 20 Jahren brachliegende Sauermannhof, Holm 62, noch weit entfernt. In der Hofanlage aus dem späten 19. Jahrhundert begann seinerzeit die Möbelfertigung des Flensburger Museumsgründers Heinrich Sauermann. „Der Hof sieht noch schlimmer aus als der Nacke-Hof“, sagt Wenzel. Aber immerhin: die dazu gehörige Erbengemeinschaft stehe nach Auskunft des Stadtdenkmalspflegers einer geförderten Sanierung mittlerweile aufgeschlossen gegenüber.

Eiko Wenzel geht von gut gefüllten Fördertöpfen aus. Freilich ändert das nichts daran, dass die Stadt für die Finanzierung auch eigene Mittel einsetzen muss. Für Flensburg ist – im Hinblick auf das Jubiläum der deutsch-dänischen Volksabstimmung 1920 – das von der Weimarer Regierung als Dank für deutsche Treue geschenkte Deutsche Haus von hoher Bedeutung. Gerade dieser Sanierungsfall zeigt, dass der Einstieg ins Förderprogramm nicht zwingend ein Fass ohne Boden für den Stadtkämmerer sein muss. Wenzel: „Allein die Sanierung des Deutschen Hauses schlägt mit neun Millionen Euro zu Buche. Das müsste Flensburg sowieso stemmen – auch ohne Förderung.“

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